"Da ist der Eisberg": BayernLB-Mitarbeiter warnte vor Hypo-Kauf

Prozess. Ein Ex-Mitarbeiter der BayernLB äußerte lange vor dem Hypo-Kauf Bedenken. Er meldete sie aber nur dem direkten Vorgesetzten.

THEMENBILD: HYPO ALPE-ADRIA-BANK
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Bayern LB-Prozess – APA/BARBARA GINDL

Die BayernLB ist nach Angaben eines ehemaligen Mitarbeiters auf die Milliardenkatastrophe mit der Hypo Alpe Adria zugesteuert wie die Titanic auf den Eisberg. Die Probleme der österreichischen Bank seien bereits vor dem Kauf im Jahr 2007 klar ersichtlich gewesen, sagte der Diplom-Kaufmann am Montag als Zeuge im Münchner Strafprozess gegen die ehemaligen Vorstände der Landesbank.

"Ich hab' selten so ein schlechtes Unternehmen gesehen." Für ihn kamen die verheerenden Konsequenzen aus der Übernahme daher nach eigenen Angaben nicht überraschend. Mit seiner Aussage spielte der 51-Jährige der Staatsanwaltschaft in die Hände, die den Ex-Vorständen vorwirft, die Hypo Group Alpe Adria (HGAA) nach dem Motto "Augen zu und durch" gekauft und den Steuerzahlern in Bayern damit einen Milliardenverlust eingebrockt zu haben.

Recherche aus allgemeinen Quellen

Seit knapp einem halben Jahr stehen in München die Vorstände um Ex-Bankchef Werner Schmidt wegen Untreueverdachts vor Gericht. Alle sechs haben erklärt, sie hätten vor allem Chancen für das Wachstum der Landesbank in Osteuropa gesehen.

Der Zeuge arbeitete früher im Vorstandssekretariat der Bayerischen Landesbank und hatte die Aufgabe, vor dem Kauf eine erste Einschätzung der Hypo Alpe Adria abzugeben. Dabei sollte er aber keinen Kontakt zu der österreichischen Bank aufnehmen, da die Übernahmepläne noch in einem frühen Stadium waren. Seine Informationen über die HGAA gewann er deshalb aus allgemeinen Quellen im Internet. "Man fängt mit Google an und gräbt sich dann rein." Bei den Recherchen stieß er unter anderem auf einen öffentlich bekannten Bilanzskandal der HGAA und gewann den Eindruck, dass die Bank kaum finanzielle Reserven hatte. "Wie eine ausgequetschte Zitrone" kam ihm die HGAA vor. "Hochriskant", lautete sein Fazit.

Bedenken an direkten Vorgesetzten gemeldet

Trotzdem trug er seine Bedenken nicht dem Vorstand vor, sondern gab seinen schriftlichen Bericht nur an seinen direkten Vorgesetzten - ohne zu verfolgen, was daraus wurde. "Der Punkt ist ja der, dass man als Mitarbeiter völlig machtlos ist."

Der Vorsitzende Richter Joachim Eckert zeigte Unverständnis dafür. "Da ist man stinksauer, dass "die da oben" eine Bank kaufen wollen und sagt nichts?" Ein Anwalt warf dem Zeugen Widersprüche vor. Falls er die HGAA wirklich als bedrohlich für die BayernLB gesehen habe, hätte er Alarm schlagen müssen. "Egal ob Erster Offizier oder Leichtmatrose: Da heißt es: Hingehen zum Kapitän und sagen: "Da ist ein Eisberg"."

(APA/dpa)

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