Brisantes EZB-Papier über Reiche

Laut einem EZB-Papier besitzen in Österreich ein Prozent aller Haushalte bis zu 36 Prozent des gesamten Vermögens. Das dürfte die Debatte um die Vermögensteuer anheizen.

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MATESCHITZ – (c) BARBARA GINDL / APA / picturedes (BARBARA GINDL)

Wien. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat diese Woche in ihrer Arbeitspapier-Reihe eine Studie zu einem brisanten Thema veröffentlicht. Demnach soll das Vermögen in Österreich wesentlich ungleicher verteilt sein als ursprünglich angenommen. Die Studie enthält Daten über die USA und neun europäische Länder. Demnach sollen in Österreich ein Prozent aller Haushalte bis zu 36 Prozent des gesamten Vermögens besitzen.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass in Österreich fünf Prozent aller Haushalte bis zu 55 Prozent des gesamten Vermögens gehören sollen. Das dürfte die Diskussion über eine Vermögensteuer weiter anheizen. Laut „Presse“-Informationen haben die Arbeiterkammer, die Gewerkschaften und die SPÖ schon auf das EZB-Papier gewartet. Die Sozialdemokraten wollen mithilfe von Vermögensteuern eine Steuerreform finanzieren, was der Koalitionspartner ÖVP strikt ablehnt. Der Konflikt dürfte sich im Herbst zuspitzen.

Die SPÖ möchte das EZB-Papier verwenden, um gegen die ÖVP-Linie mobilzumachen.

Wobei das mit der Europäischen Zentralbank so eine Sache ist: Die EZB dürfte sich bewusst sein, welchen Zündstoff die Studie enthält. Daher wird ausdrücklich betont, das Papier gebe nicht die Meinung der EZB wieder, sondern die Ansicht des EZB-Ökonomen Philip Vermeulen, der für die Studie verantwortlich ist. Auf der EZB-Homepage wurde das Papier am 14. Juli als „ECB Working Paper“ veröffentlicht.

33 Milliardärsfamilien: Der österreichische Geldadel

Daten basieren auf Umfragen

Bereits in der Vergangenheit sorgten ähnliche Studien der EZB und der Oesterreichischen Nationalbank für Wirbel. Damals wie heute gibt es Kritik an der Art und Weise, wie die Daten erhoben werden.

Denn sie stammen unter anderem aus Umfragen. Vor einem Jahr veröffentlichte die EZB eine Vermögensstudie. Dazu wurden mehr als 62.000 Haushalte in 15 Eurostaaten befragt. In Österreich führte die Nationalbank die Erhebung durch. Doch das Problem ist, dass die Angaben nicht überprüft werden können. Viele geben weniger an, als sie besitzen. Und die wirklich Reichen stehen für solche Interviews nicht zur Verfügung. Aus den Umfragen werden Hochrechnungen gemacht.

Der EZB-Ökonom Vermeulen ist der Ansicht, dass in bisherigen Befragungen der Anteil der Superreichen am Gesamtvermögen unterschätzt wird. Er hat daher die frühere EZB-Umfrage unter anderem mit der Milliardärsliste des US-Magazins „Forbes“ ergänzt. Doch auch die „Forbes“-Liste beruht im Wesentlichen auf Schätzungen. Reichster Österreich ist laut der im März 2014 veröffentlichten „Forbes“-Liste Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz mit 9,2 Milliarden US-Dollar. Noch 2011 wurde das Vermögen von Mateschitz mit fünf Milliarden Dollar beziffert. Auf Platz zwei der jüngsten „Forbes“-Liste liegt Novomatic-Gründer Johann Graf, dem 7,2 Milliarden Dollar gehören sollen. Wie das US-Magazin „Forbes“ auf diesen Betrag kommt, ist unklar.

Mithilfe der „Forbes“-Schätzungen hat EZB-Ökonom Vermeulen nun die frühere EZB-Umfrage ergänzt. Das bedeutet, dass die Superreichen noch reicher sind als bislang angenommen. Das deutsche „Manager Magazin“ nennt das Ganze auf ihrer Internet-Homepage ein „kurioses Analyseergebnis“.

In den Niederlanden entfällt beispielsweise auf das reichste Prozent der Bevölkerung nicht wie ursprünglich geglaubt neun Prozent des Vermögens, sondern zwölf bis 17 Prozent. Auch für Österreich ergeben sich einige Änderungen.

In Österreich soll das reichste Prozent der Bevölkerung nicht mehr 23 Prozent, sondern 33 bis 36 Prozent des gesamten Vermögens besitzen. Und die reichsten fünf Prozent der österreichischen Haushalte kommen nicht auf 48 Prozent, sondern auf 54 bis 55 Prozent des Vermögens.

Österreich in Topposition

In dem EZB-Papier ist ein weiterer Punkt brisant: Unter den neun untersuchten europäischen Ländern liegt Österreich auf Platz eins, was das Ungleichgewicht beim Vermögen betrifft.

Zum Vergleich: In Frankreich besitzen die reichsten fünf Prozent der Haushalte bis zu 38 Prozent des dortigen Gesamtvermögens. In Spanien und in Finnland sind es nur bis zu 32 Prozent. Österreich wird allerdings von den USA geschlagen. Dort sollen die fünf reichsten Prozent der Haushalte über 58 bis 60 Prozent des Vermögens verfügen.

AUF EINEN BLICK

Die EZB hat diese Woche ein brisantes Arbeitspapier veröffentlicht. Demnach haben die Superreichen einen noch größeren Anteil am Gesamtvermögen als bislang angenommen. Das Papier enthält Daten über die USA und neun europäische Länder. Die SPÖ sieht sich in ihrer Forderung nach einer Vermögensteuer bestätigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2014)

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