Arbeitsklimaindex: "Tourismus nicht mehr konkurrenzfähig"

Die Erwartungen an die Karriere in der Hotellerie und Gastronomie sind erneut gesunken. Die Beschäftigten bewerten die Möglichkeiten kritisch.

Ober mit Tablett beim Servieren einer Mahlzeit
Ober mit Tablett beim Servieren einer Mahlzeit
Ober mit Tablett beim Servieren einer Mahlzeit – (c) imago/Ralph Peters (imago stock&people)

Obwohl die Arbeitszufriedenheit im Tourismus leicht gestiegen ist, hinkt sie anderen Branchen weiter hinterher. Seit dem Krisenjahr 2008 liegt der Arbeitsklimaindex für das Hotel- und Gastgewerbe unter dem anderer Wirtschaftszweige. Besonders die Aussichten auf Karrieremöglichkeiten werden als trüb bewertet. Gestiegen ist hingegen die allgemeine Zufriedenheit mit Leben, Beruf und Einkommen.

Die Erwartungen an die Karriere in der Hotellerie und Gastronomie sind erneut gesunken und liegen mittlerweile um elf Indexpunkte unter anderen Branchen. Weiterbildung, Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten werden von Beschäftigten im Tourismus kritisch bewertet.

vida: Hotel- und Gastgewerbe als Fluchtbranche

Das beginnt bereits bei den Lehrstellen und den Möglichkeiten zur Fortbildung. Während Jugendliche vom Handel mit attraktiven Angeboten wie Lehre mit Matura oder Führerschein umworben werden, herrschen im Tourismus Nachtarbeitszeit und Vereinbarkeitsproblematik. "Der Tourismus ist nicht mehr konkurrenzfähig", stellte AK-Präsident Rudolf Kaske bei einer Pressekonferenz am Montag fest. Es müssten bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden.

"Das Hotel- und Gastgewerbe wird eine Fluchtbranche bleiben, wenn sich bei Arbeitsbedingungen und Entlohnung nichts ändert.", betonte Rudolf Komaromy von der Bundesfachgruppe Tourismus der Gewerkschaft vida.

Zufriedenheit leicht gestiegen

Trotzdem zeichnet sich im Arbeitsklimaindex eine leicht steigende allgemeine Zufriedenheit mit Leben und Beruf ab. Auch mit dem Einkommen sind Angestellte in der Hotellerie und Gastronomie zufriedener als im Vorjahr, wobei der Index weiter unter den anderen österreichischen Branchen liegt. Im Vergleich zu 2013 ist der Index der Tourismusbranche um einen Punkt auf 103 geklettert, die anderen Branchen halten bei 107 Index-Punkten.

Branchensprecherin Petra Nocker-Schwarzenbacher von der Wirtschaftskammer Österreich ortet darin einen"erfreulicher Trend". Der große Rückgang in der Zufriedenheit im Bereich "Arbeitsmarktchancen" ist laut der Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft "leider nachvollziehbar". Doch der Jobmotor in der Branche laufe auf einer sehr hohen Drehzahl auf Touren: "Obwohl das Wetter in diesem Sommer nicht immer heiter war, ist die Beschäftigung im Hotel- und Gastgewerbe im Juli 2014 im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um rund 1,1 Prozent oder rund 2.400 Beschäftigte gestiegen", verwies Nocker-Schwarzenbacher am Montag in einer Aussendung auf einen Anstieg von 216.420 auf 218.818 Mitarbeitern.

Seitens der ÖHV wird die Gewerkschaft aufgefordert, sich stärker für Förderungen in Forschung und Entwicklung im Tourismus einzusetzen. "Mehr sichere und gut bezahlte Jobs kann es nur durch Zukunftsinvestitionen geben", so Markus Gratzer, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung in einer Aussendung.

(APA)

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