Notenbank versilbert Casinos-Anteil

Der Ausstieg der Nationalbank aus dem Glücksspiel bedeutet für die Casinos Austria den Eigentümerwechsel: Wenn es nicht die ÖIAG wird, könnte Konkurrent Novomatic zuschlagen.

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(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Hans Oberlaender)

Wien. Neuer Finanzminister – alte Probleme: Auf den neuen obersten Säckelwart warten allerdings nicht nur große Brocken wie die Budgetsanierung und die Steuerstrukturreform. Auch kleinere Vorhaben haben es in sich: etwa die im Koalitionspakt festgelegte Kompetenzerweiterung der ÖIAG, die mit der Übertragung der 33,24-prozentigen Beteiligung der Notenbank (über die Münze) an den Casinos Austria gestartet werden soll.

Der Glücksspielkonzern wird auf jeden Fall einen neuen Groß-, wenn nicht Mehrheitsaktionär bekommen, auch, wenn die Übertragung an die Staatsholding an einem Meinungsschwenk des neuen Finanzministers scheitern sollte. Denn die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) will sich, wie Direktoriumsmitglied Kurt Pribil am Donnerstagabend in Alpbach betonte, auf jeden Fall vom Glücksspiel trennen – und zwar bald. „Das ist nicht unser Kerngeschäft“, sagte Pribil. Parallel dazu will auch die Kirchenbank Schellhammer & Schattera ihre rund zehn Prozent und die MTB-Privatstiftung von Maria Theresia Bablik ihre 16,79 Prozent an den Casinos Austria (Casag) abstoßen.

 

Zwei Bewertungsgutachten

Wie „Die Presse“ exklusiv berichtete (2. Juli), lässt die OeNB von den Wirtschaftsprüfer- und Steuerberatungsfirmen Leitner-Leitner und Pricewaterhouse-Coopers unabhängige Gutachten erstellen. Die Expertisen, die in zwei bis drei Wochen vorliegen sollen, bewerten die Casag. Ursprünglich wurden 800 Mio. bis eine Mrd. Euro kolportiert. Der Wert dürfte aber darunter liegen, weil die Casag bei der Vergabe der drei neuen Spielbanklizenzen leer ausging. Die Beschwerde der Casag liegt gerade beim Bundesverwaltungsgericht, das ein halbes Jahr Zeit für die Entscheidung hat.

„Die Option einer Übertragung an die ÖIAG ist weiter aufrecht“, sagt OeNB-Sprecher Christian Gutlederer zur „Presse. Dazu müsse es keine Ausschreibung geben, weil der Münze-Anteil innerhalb des Staatseigentums (von der OeNB zur ÖIAG) verschoben wird. Es müsste aber das ÖIAG-Gesetz angepasst werden.

Kommt diese Transaktion jedoch nicht zustande, wird die Notenbank eine Investmentbank engagieren und eine EU-weite Ausschreibung des Verkaufs starten.

Schon die ÖIAG-Variante stößt bei den Casinos und ihrem Boss, Karl Stoss, nicht gerade auf große Begeisterung – könnten unter dem Dach der Staatsholding doch auch Rochaden im Management über die Bühne gehen.

 

Rochaden im Management?

Noch deutlich größere Veränderungen würde allerdings ein privater Großaktionär aus dem In- oder Ausland auslösen. Wie Pribil betonte, werde die Notenbank die Münze-Anteile sicher nicht verschenken. Also ist ein finanzkräftiger Investor gefragt – und der findet sich nicht nur in den Reihen von Finanzinvestoren. Auch in der Glücksspielbranche selbst könnte für den einen oder anderen Big Player (Wynn, Sands) ein Standbein in Österreich von Interesse sein.

Man muss aber gar nicht über die Grenze schauen: Im Land selbst sitzt ein überaus finanzstarker, potenter Käufer. Für die Novomatic wäre der Einstieg beim Erzrivalen und bisherigen Platzhirsch im Glücksspiel der größte Coup – für die Casag indes das Schreckensszenario schlechthin. Wobei über eine Konsolidierung in der heimischen Glücksspielszene immer wieder gemunkelt wird. Schon mit dem Zuschlag für zwei der drei neuen Spielbanken-Lizenzen konnte sich Novomatic-Gründer und -Eigentümer Johann F. Graf einen lang gehegten Wunsch erfüllen. Geld hat der Selfmademan genug: Er gilt (mit Dietrich Mateschitz) mit einem Vermögen von rund fünf Mrd. Euro als reichster Österreicher.

AUF EINEN BLICK

Die Nationalbank will ihren über die Münze an den Casinos Austria gehaltenen Anteil von 33,24 Prozent bald verkaufen. Vereinbart ist die Übertragung an die ÖIAG. Sollte der neue Finanzminister andere Pläne haben, wird die Notenbank den Verkauf international ausschreiben. Dann könnte Erzrivale Novomatic zum Zug kommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2014)

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