Arbeitsmarkt: Kein Ende der Jobkrise in Sicht

Die Arbeitslosigkeit stieg im September erneut um rund zehn Prozent - der Trend wird sich fortsetzen. In einigen Betrieben wird schon wieder großflächig Kurzarbeit praktiziert.

(c) REUTERS (SUSANA VERA)

Wien. Beim Lkw-Hersteller MAN in Steyr feiert die Krise derzeit ein Revival: Wegen rückläufiger Aufträge, unter anderem aufgrund der Russland-Krise, wurden mit gestern, Mittwoch, 2000 der 2400 Beschäftigten auf Kurzarbeit gesetzt. Geplant ist die Kurzarbeit bis Jahresende. So lange wird auch bei der Amstettener Umdasch-Gruppe kurzgearbeitet. Betroffen sind dort seit Juli rund 1000 Mitarbeiter, heißt es aus dem Konzern zur „Presse“. Das koste die Firma zwar einiges an Geld, sei aber immer noch deutlich besser, als langjährige Mitarbeiter zu entlassen und damit auch deren Know-how zu verlieren.

Die Umdasch-Gruppe trägt den Löwenanteil zu den 1300 Beschäftigten bei, die Ende August in Österreich in Kurzarbeit waren. Abgesehen von Umdasch und MAN rechnet man beim Arbeitsmarktservice (AMS) aber nicht mit einem großen Ansturm auf das Kriseninstrument, sagt AMS-Sprecherin Beate Sprenger. Denn dazu müsste das Ende der Flaute absehbar sein. Und das ist es derzeit nicht. Der österreichische Arbeitsmarkt ächzt vielmehr unter einer andauernden Konjunkturschwäche. Zuletzt senkten die heimischen Wirtschaftsforscher ihre Prognose für das heurige Wirtschaftswachstum erneut: von 1,5 auf 0,8 Prozent.

Das schlägt sich direkt auf die Arbeitslosenzahlen durch. Zuwächse von zehn Prozent sind derzeit die Regel. So auch im September: Zu Monatsende verzeichnete das Sozialministerium 369.043 Arbeitslose (inklusive 76.908 AMS-Schulungsteilnehmer)– um 33.382 Personen oder 9,9 Prozent mehr als im Vergleichsmonat 2013.

Wie immer versuchte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ), das Augenmerk auf das Positive zu lenken – und verwies darauf, dass Österreich mit 4,7 Prozent (internationale Berechnung) die niedrigste Arbeitslosenquote in der EU habe. Aber auch dieser Platz wackelt. Mit 4,9Prozent ist uns Deutschland bereits dicht auf den Fersen. Im Juli lagen die Deutschen bereits gleichauf mit Österreich. Vor allem aber nützt dieser Spitzenplatz jenen Menschen wenig, die ihren Job zu verlieren drohen – oder ihn bereits verloren haben: Das AMS geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit sowohl heuer als auch 2015 noch weiter zulegt.

 

Anstieg „nicht zu verhindern“

Besonders vom Anstieg betroffen waren im September einmal mehr Ältere, Ausländer, Männer und Behinderte. Die Ausländerarbeitslosigkeit erhöhte sich um 23 Prozent auf 74.500. Bei Menschen mit Behinderung stieg sie um 21 Prozent auf 10.272, bei Männern um 13,5 Prozent auf 158.521. Es gab im September aber auch um knapp zehn Prozent mehr arbeitslose Frauen als im Vergleichsmonat 2013.

Die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen stieg um 15,7 Prozent auf 73.654 Personen. Der Zuwachs lag im Trend der Vormonate und ist vor allem auf den erschwerten Zugang zur Frühpension zurückzuführen. Die Beschäftigung in dieser Altersgruppe stieg um 4,4 Prozent auf 833.000. Trotz der Wirtschaftsflaute wurden im September also neue Jobs geschaffen: Die allgemeine unselbstständige Beschäftigung stieg um 0,4Prozent auf 3,55Millionen.

Sozialminister Hundstorfer setzt darauf, dass die geplante Steuerreform „Impulse setzen“ werde. Das geplante Volumen von zumindest fünf Milliarden Euro würde sich gewiss in einem Beschäftigungswachstum niederschlagen, sagt auch AMS-Chef Johannes Kopf. Allheilmittel ist dies aber keines – das weiß auch Hundstorfer: Ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit werde „nicht zu verhindern sein“, so der Minister.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2014)

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