ÖVAG läutet ihr eigenes Ende ein

Die 44 Volksbanken fusionieren zu neun Bundesländerinstituten, von denen eines den Sektor führt. Das bisherige Spitzeninstitut ÖVAG wird zur Bad Bank und wickelt sich ab.

AUFSICHTSRATSSITZUNG OeSTERREICHISCHE VOLKSBANKEN AG (OeVAG): LIEBSCHER/KOREN
AUFSICHTSRATSSITZUNG OeSTERREICHISCHE VOLKSBANKEN AG (OeVAG): LIEBSCHER/KOREN
Rettungskonzept. Von den 44 Volksbanken sollen in Österreich nur noch zwölf übrig bleiben. Schuld an der Fusionswelle ist die schwierige Lage beim Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG. – APA/ROBERT JAEGER

Wien. Das hat es in Österreich noch nicht gegeben: Eine Bank kommt ihrem Untergang voraus und wickelt sich freiwillig von selbst ab. Solches passiert nun mit der ÖVAG, dem Spitzeninstitut der Volksbanken. Diese regionalen Institute haben zugleich einen radikalen Umbau beschlossen. Donnerstag früh trafen ihre 44 Chefs in Wien zusammen und rangen den ganzen Tag um eine Gruppenstrategie. Am Abend stand fest: „Neun plus Drei“, bisher als langfristiger Plan angedacht, wird schon in den kommenden Monaten Realität. Hinter der Formel steht eine Fusionswelle: Nur noch neun regionale Institute bleiben übrig, eines für jedes Bundesland. Dazu kommen noch drei Spezialbanken.

Aufspaltung in zwei Teile

Die Strategie sorgte intern für Diskussionen. Vor allem kleinere Volksbanken in den Bundesländern legten sich zunächst quer, weil sie ihre Eigenständigkeit nicht verlieren wollten. Durch die Fusionen will man Kosten sparen und leichter an Geld vom Kapitalmarkt kommen. Am Ende stimmten 95 Prozent dem Plan zu.
Grund für den Umbau sind die Probleme beim Spitzeninstitut ÖVAG, das im Frühjahr 2012 mit der Teilverstaatlichung vor der Pleite gerettet werden musste. Das Institut hatte sich in der Vergangenheit mit einer rasanten Expansion in Osteuropa überhoben. Schon wegen der strengeren Kapitalregeln bräuchte es in den kommenden Jahren knapp eine Milliarde Euro. Aber weder der Bund noch die Volksbanken wollen weiter Geld zuschießen. Nun läutet die ÖVAG ihr eigenes Ende ein: Der Vorstand hat beschlossen, die Bank in zwei Teile aufzuspalten.

Ein Teil soll in der Volksbank Wien-Baden aufgehen. Sie soll die Funktionen übernehmen, zu denen das Gesetz die zentrale Organisation eines Haftungsverbundes verpflichtet. Dazu gehören auch die Refinanzierung und das Liquiditätsmanagement. Zu diesem Zweck wandern sechs Milliarden aus der ÖVAG-Bilanz in die neue Steuerungseinheit. Was von der ÖVAG dann noch übrig bleibt, liquidiert sich selbst. Der traurige Rest verwandelt sich nämlich in ein Abwicklungsinstitut für hoch riskante Wertpapiere und faule Kredite – also in eine Bad Bank. Sie kann ihre Lizenz zurückgeben und ist fortan nicht mehr an die Vorschriften der Aufseher gebunden.

Der Bund hat sich mit 43 Prozent an der ÖVAG beteiligt. 1,3 Milliarden Euro musste der Steuerzahler schon zur Rettung zuschießen. Wird er nun für die Abwicklung noch einmal zur Kassa gebeten? „Ich kann es mir nicht vorstellen“, beteuerte ÖVAG-Generaldirektor Stephan Koren in einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Abend. „Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit“ werde das nicht notwendig sein. Die Verbindlichkeiten will man bedienen und zurückzahlen. Bis zum Jahr 2017 lasse sich ein „dicker Schlusstrich“ ziehen, dann soll sogar Eigenkapital übrig bleiben.

Bereits im Zuge des bisherigen Rückbaus seit 2011 hat sich die Bilanzsumme um 62 Prozent verringert. Die heurige Bilanz soll sich auf rund 15 Mrd. Euro summieren, Ende 2015 sollen es noch fünf sein. Fast 700 Mitarbeiter haben ihren Job schon verloren. Von den aktuell verbleibenden 650 fällt noch etwa die Hälfte weg; den Rest übernimmt nach dem jetzigen Plan die Volksbank Wien-Baden.

Keine Chance beim Stresstest

Warum fiel die große Entscheidung ausgerechnet jetzt? Das dürfte mit dem Stresstest der Europäischen Zentralbank zusammenhängen. Bis Ende Oktober nimmt die EZB auch den Verbund aus ÖVAG und Volksbanken unter die Lupe. Die Ergebnisse sollen am 26. Oktober veröffentlicht werden.
Laut „Presse“-Informationen ist es so gut wie fix, dass die Volksbanken den Test nicht bestehen. Der Kapitalbedarf wird auf 600 bis 800 Mio. Euro geschätzt. Die EZB gibt den „Durchgefallenen“ sechs bis neun Monate Zeit, die nötigen Eigenmittel aufzutreiben. Das erübrigt sich nun: Bis Mitte 2015 sollte die ÖVAG ihre Banklizenz schon abgegeben haben. (gau/höll)

("Die Presse", Printausgabe vom 3.10.2014)

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