Personaldienstleister: Ausblick für 2015 ernüchternd

Zuletzt verzeichneten Personalleasingfirmen etwas mehr Aufträge. Sie orten aber wachsende Unsicherheit bei ihren Kunden.

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Wien. Schwacher Start zu Jahresbeginn, Stabilisierung der Auftragslage im Sommer, leichtes Plus im Herbst – aber ernüchternder Ausblick für 2015: Bei ihrer gestrigen Zwischenbilanz vor Journalisten verzichteten die Arbeitskräfteüberlasser weitgehend auf Zweckoptimismus. Die Unsicherheit in der Wirtschaft nehme weiter zu, sagte Gerhard Flenreiss, WKO-Fachgruppenobmann der Gewerblichen Dienstleister. Schwächen seien bereits spürbar, auch in der Industrie.

Insbesondere aus diesem Bereich erwarten die Zeitarbeitsfirmen vermehrt Personalrücksendungen. Begonnen haben diese ja schon – siehe Swarovski. Laut Flenreiss bekommen die Personalbereitsteller auch immer mehr Aufträge auf Abruf: Kaum ein Kundenbetrieb sei in der Lage, das vierte Quartal – oder gar den Personalbedarf im ersten Halbjahr 2015 – seriös abzuschätzen.

 

Nur ein Aufflackern vor der Flaute?

Bis zu einem gewissen Grad ist die Auftragslage bei den Arbeitskräfteüberlassern ein Indikator für die Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Ein Anstieg bei der Leiharbeit, so wie zuletzt, deutet allerdings nicht immer auf einen Aufschwung hin. Es kann sich auch um ein Aufflackern vor dem Absturz handeln, denn in unsicheren Zeiten greifen Unternehmen vermehrt auf Zeitarbeiter zurück, um die noch vorhandenen Aufträge abzuarbeiten. Danach herrscht dann da wie dort Flaute. Flenreiss schließt das auch jetzt nicht aus: „Wenn nicht konjunkturell oder strukturell etwas geschieht, befürchten wir Rückgänge“, sagte er.

Auch für die Personaldienstleister ist die Personalplanung schwieriger geworden. Ihre Bedeutung für die Wirtschaft sei aber gestiegen, meinen sie und verweisen auf eine Umfrage von CIETT (internationale Vereinigung der Zeitarbeitsverbände), die das belegt. Diese ergab, dass 66Prozent der befragten Unternehmen ohne Zeitarbeit ihre Aufträge nicht erfüllen könnten, 46Prozent weniger wettbewerbsfähig wären, 38Prozent Umsatz verlieren und 15Prozent teilweise Arbeitsplätze ins Ausland verlagern würden.

Kritik gab es an geplanten Änderungen bei der Eingliederungsbeihilfe. Dabei handelt es sich um Zuschüsse des AMS zu den Lohnkosten, die Firmen bekommen, wenn sie Langzeitarbeitslose einstellen. Die Arbeitskräfteüberlasser haben bisher stark davon profitiert – 40Prozent ihrer Mitarbeiter holen sie aus der Arbeitslosigkeit. Künftig soll die Förderung stärker auf die Altersgruppe 50 plus fokussiert und die Kriterien auch sonst enger gefasst werden. Das sieht die Branche als faktische Kürzungsmaßnahme und „falsches arbeitsmarktpolitisches Signal“. (cka)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2014)

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