Zweitgrößte Pleite der Republik ist beendet

Zwölf Jahre Wartezeit für Maculan-Gläubiger.

Wien(mac). Zwölf Jahre nach der Insolvenz der Hofman & Maculan AG hatte wohl kein Gläubiger mehr gehofft, dass er noch zu seinem Geld kommen werde. Das Herzstück der Maculan Holding ging 1996 gemeinsam mit dem Konzern Pleite, über 806 Mio. Euro Schulden hatte Bau-Tycoon Alexander Maculan bis dahin angehäuft. 374 Mio. davon alleine in der Hofman & Maculan AG. Am Donnerstag hat das Handelsgericht in Wien das Verfahren gegen die letzte große Maculan-Firma abgeschlossen. Die Gläubiger bekommen 21,6 Prozent zurück und die zweitgrößte Pleite in der österreichischen Geschichte (nach dem Konsum) ist beendet.


Beim Börsegang 1990 bejubelt

Dabei war der Wiener beim Börsegang seiner Maculan Holding 1990 noch bejubelt worden. Der charismatische Konzernherr, der schon mit achtzehn die Leitung des Familienbetriebs übernahm, versprach Expansion, vor allem ins damals noch unbekannte Osteuropa. „Big Mac“, wie die Branche ihn taufte, hielt sein Versprechen und kaufte munter ostdeutsche Bauunternehmen zusammen. Die ersten Jahre schien die Taktik voll aufzugehen, Maculan hatte Erfolg. Doch spätestens als der ostdeutsche Baumarkt Mitte der 90er-Jahre ins Stocken kam, hätte er wohl die Notbremse ziehen müssen.

Maculan bezahlte weiter hohe Löhne an ostdeutsche Arbeiter, während ihm die Konkurrenz mit Billigarbeitern aus Südeuropa um die Ohren fuhr. So rutschte der Konzern tief in die roten Zahlen, die Banken verweigerten Kredite, 25 Maculan-Firmen gingen in Konkurs. Nur zwei schafften den Ausgleich, darunter – mit Müh und Not – die Maculan Holding, die Maculan heute lenkt. Zur Rettung des angeschlagenen Rufs hat sich der Pleitier einen integren Geschäftspartner an Bord geholt. Gemeinsam mit Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl produziert Maculan heute Dämmstoffe für den Wohnungsbau in Polen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2008)

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