AUA: Lufthansa zeigt weiter Interesse, Raiffeisen winkt ab

Die deutsche Fluglinie stößt sich nicht an der geplanten österreichischen Sperrminorität von 25 Prozent der AUA-Aktien. Raiffeisen erklärt indes, keine weiteren Papiere der AUA kaufen zu wollen.

(c) AP (Matthias Rietschel)

Für die angeschlagene österreichische Fluggesellschaft AUA wird eine Zukunft im Lufthansa-Konzern immer wahrscheinlicher. Nachdem Wien grundsätzlich entschieden hat, die Airline zu privatisieren, zeigte sich Lufthansa offen für Gespräche über einen Einstieg bei dem Unternehmen.

 

"An einem intensiven Dialog interessiert"

"Wenn die österreichische Regierung auf uns zukommt, sind wir natürlich an einem intensiven Dialog interessiert", sagte Lufthansa-Personalchef Stefan Lauer am Mittwochabend in Frankfurt. Der österreichische Staat hält über eine Holding noch rund 43 Prozent an der Fluggesellschaft und sucht nach einem Käufer für das Unternehmen. Kreisen zufolge hat sich bereits die Mehrheit der AUA-Aufsichtsratsmitglieder für einen Einstieg der Lufthansa ausgesprochen.

 

Raiffeisen: Kein Zukauf für Sperrminorität

Unterdessen teilt die heimische Raiffeisen Zentralbank mit, keine Aktien der AUA zukaufen zu wollen, um an einer "österreichischen Sperrminorität" mitzubasteln. Die RZB hält derzeit 3,43 Prozent an der Airline. Am Donnerstag sagte RZB-Vizegeneraldirektor Herbert Stepic in Wien: "Wir planen nicht, unsere Aktien aufzustocken."

Eine Sperrminoritäts-Quote von 25 Prozent und einer Aktie durch private österreichische Investoren beim Verkauf an eine ausländische Airline könne man nicht politisch verordnen, findet Stepic. Diese Ankündigung sei ein klassischer politischer Kompromiss gewesen. Sich auf eine österreichische Sperrminorität zu einigen sei "theoretisch" möglich, glaubt Stepic, praktisch glaubt er nicht daran: "Wenn wer Interesse hat, wird man es an dem nicht scheitern lassen."

 

Österreichischer "Kernaktionär"

Einer Privatisierung der Fluggesellschaft will die Regierung aber nur zustimmen, wenn ein österreichischer Kernaktionär weiter eine Sperrminorität von rund 25 Prozent hält. Sollte sich dafür niemand finden, will der Staat über seine Holding ÖIAG einen Teil der Aktien behalten. Österreichische Banken und Versicherungen halten bereits jetzt gut sieben Prozent der Anteile, weitere 46 Prozent sind im Streubesitz.

 

Der Plan: "Integrierte Eigenständigkeit"

"Wir begrüßen die jüngste Entscheidung, die die ÖIAG bei AUA getroffen hat", sagte Lauer. Bei künftigen Übernahmen wolle Lufthansa wie beim Kauf der Schweizer Fluggesellschaft Swiss die übernommene Marke behalten. "Die Rezeptur heißt bei uns integrierte Eigenständigkeit", sagte Lauer. Leisten könnte sich Lufthansa die österreichische Airline. Die AUA ist an der Börse rund 370 Mio. Euro wert - Lufthansa erwartet dieses Jahr einen operativen Gewinn von rund 1,4 Mrd. Euro. Allerdings hat die AUA bis zum Halbjahr eine Schuldenberg von 900 Mio. Euro angehäuft.

Um den Verkaufsprozess in die Wege zu leiten, muss die Regierung einen sogenannten "Privatisierungsauftrag" erteilen. Das dürfte am kommenden Dienstag passieren. Für einen Verkauf der Airline vor den Parlamentswahlen Ende September dürfte die Zeit allerdings wohl nicht mehr reichen.

 

Lufthansa schaut auch nach Italien

Interesse hat die zweitgrößte europäische Fluggesellschaft auch am italienischen Markt. Dort werde jede Bewegung - inklusive der Alitalia - genau beobachtet. Es gebe allerdings keinen Grund für Lufthansa, nervös zu werden. Die Zukunft von Alitalia liegt in den Händen der italienischen Regierung, die nach Angaben aus Kreisen noch über einen Insolvenzantrag der Airline entscheiden soll.

 

Probleme auch bei sich selbst

Doch auch ohne Zukäufe hat Lufthansa genug mit sich selbst zu tun durch ungelöste Tarifkonflikte, die schwächere Wirtschaftsentwicklung und die hohen Treibstoffkosten. "Wir sind nicht immun gegen Belastungen aus Streiks und der Konjunktur", sagte Lauer. Allein am Donnerstag fallen durch einen neuerlichen Streik der Piloten bei der Regionalflugtochter Cityline rund 360 Flüge aus. Zudem dürfte sich das Konsumverhalten nach Einschätzung des Managers gegen Jahresende abschwächen. "Wir befinden uns in einer Zone globaler Turbulenzen. Die Gurte sind angelegt, aber wir müssen sie noch enger schnallen."

(Ag./Red.)