AUA: „Konsorten“ zeigen keine Lust

Auch Oberbank und RZB winken ab, ÖIAG könnte auf Österreich-Anteil sitzen bleiben. In Aktionärskreisen war in den vergangenen Tagen von einer „Finanzierungslücke“ die Rede.

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

Wien (ju/dom). Die nichtstaatliche österreichische Sperrminorität für die Fluggesellschaft Austrian Airlines, die die beiden Koalitionspartner SPÖ und ÖVP zu Beginn dieser Woche als politischen Kompromiss für die AUA-Privatisierung ausgehandelt haben, dürfte schwer zu verwirklichen sein: Ein möglicher AUA-Aktionär nach dem anderen winkt ab. Und Infrastrukturminister Werner Faymann rudert selbst schon zurück: Notfalls müsse die staatliche Beteiligungsholding ÖIAG AUA-Aktionär bleiben, meinte der designierte SP-Chef am Donnerstag.

 

Droht „Finanzierungslücke“?

Die starke Zurückhaltung der potenziellen Aktionäre könnte mit weiteren finanziellen Problemen der Airline zu tun haben: In Aktionärskreisen war in den vergangenen Tagen von einer „Finanzierungslücke“ die Rede, die eventuell durch einen Gesellschafterzuschuss in Höhe von 150 bis 200 Mio. Euro noch vor dem Verkauf geschlossen werden müsste. Infrastrukturminister Faymann hatte einen Bericht der „Kronen Zeitung“ nach dem AUA-Gipfel am Montag, in dem von der Zusage eines „Zuschusses“ über 200 Mio. Euro die Rede war, halbherzig dementiert und gemeint, „Kapitalerhöhung“ werde es keine geben. Das Problem: Ein wie immer gearteter Zuschuss müsste so konstruiert sein, dass er von der EU nicht als verbotene Beihilfe aufgefasst wird.

Eine (in Relation freilich kleinere) Lücke könnte sich beim Verkauf jedenfalls auftun: Die AUA hat 1986 in der Schweiz eine so genannte „ewige Anleihe“ in Höhe von 150 Mio. sfr. begeben, die an eine österreichische Mehrheit gekoppelt ist. Laut Auskunft des Unternehmens sind davon noch rund 60 Mio. sfr. offen (in der Bilanz 2007 wird die Verbindlichkeit daraus mit 36,2 Mo. Euro angegeben). Die wären also jedenfalls fällig, falls es nicht zu der angepeilten Österreich-Lösung kommt.

Bisher war die österreichische Mehrheit durch ein syndiziertes Bankenkonsortium gewährleistet worden: Mehrere österreichische Investoren (darunter Raiffeisen Invest und die Wiener Städtische), die insgesamt 7,25 Prozent auf die Waage bringen, haben sich mit der ÖIAG (42,75 Prozent Anteil) zusammengetan und sich vertraglich zu einheitlichem Abstimmungsverhalten verpflichtet.

Diese Form der „österreichischen Mehrheit“ ist auch bei einem Teilrückzug der ÖIAG jedenfalls Geschichte.

Die heimischen Investoren zeigen überhaupt wenig Lust, der Fluggesellschaft Geld zu geben: Die Vienna Insurance Group (früher Wiener Städtische) hat zwar ihre grundsätzliche Bereitschaft erklärt, aufzustocken, zwei wichtige potenzielle Investoren haben am Donnerstag aber abgesagt: Der stellvertretende Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank, Herbert Stepic, sagte, sein Institut wolle seinen Anteil (derzeit 3,43 Prozent) nicht aufstocken.

Und die Oberbank, die bei der Voestalpine und bei der Energie AG OÖ Kernaktionär spielt, nahm sich ebenfalls aus dem Spiel: Strategische Beteiligungen dieser Art entsprächen nicht der Geschäftspolitik, sagte Oberbank-Chef Franz Gasselsberger in Wien. Er könne sich eine Beteiligung also nicht vorstellen. Schon vorher hatte der Industrielle Hannes Androsch, der bei diversen Österreich-Lösungen immer wieder ins Spiel gebracht wird, abgewunken.

Stepic meinte zur von der Regierung ausgehandelten AUA-Lösung, eine private Sperrminorität ließe sich „nicht politisch verordnen“. So etwas sei zwar „theoretisch möglich“, praktisch glaube er aber nicht daran. Das Ganze sei „ein klassischer politischer Kompromiss“. Fest stehe, dass sich die AUA „in einer gewissen finanziellen Notlage“ befinde.

Infrastrukturminister Faymann hat das Kernaktionärskonzept unterdessen selbst relativiert: Eine österreichische Lösung könne „nicht für 200 Jahre gelten“, sagte der Minister in einem „Format“-Interview.

 

Zwei Milliarden Schulden

Ein sofortiger Mehrheitseinstieg wäre für den wahrscheinlichsten Partner, die deutsche Lufthansa, ohnehin unlukrativ: Derzeit ist die AUA sehr hoch verschuldet. Wie aus Finanzkreisen zu hören ist, könnte eine sofortige mehrheitliche Übernahme der AUA samt Schulden das Bonitätsrating der Deutschen ins Wackeln bringen.

Zuletzt war bei der AUA, die an der Börse derzeit rund 370 Mio. Euro wert ist, von etwas mehr als 900 Mio. Euro Schulden die Rede. Das sind freilich nur die so genannten „Netto-Finanzschulden“ („verzinsliche Verbindlichkeiten“ minus liquide Mittel).

Die tatsächlichen Verbindlichkeiten sind wesentlich höher: In der Halbjahresbilanz (Stichtag 30. Juni 2008) sind langfristige Schulden von 1,106 Mrd. Euro und kurzfristige Schulden von 974,3 Mio. Euro vermerkt. Macht insgesamt 2,08 Mrd. Euro. Gegenüber dem Jahresbeginn entspricht das sogar einer leichten Zunahme.

In diesem Gesamtschuldenstand sind freilich auch Rückstellungen enthalten. Die IFRS-Regeln, nach denen der Konzern bilanziert, schreiben vor, dass Rückstellungen für Ereignisse, die mit einer mehr als 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit schlagend werden, zu den Schulden gezählt werden müssen.

AUF EINEN BLICK

Potenzielle Investoren für das „Österreich-Konsortium“ der AUA winken reihenweise ab. Minister Faymann meint, die ÖIAG solle beteiligt bleiben – und eine Österreich-Lösung müsse nicht ewig dauern.

Das Österreich-Konsortium wird in Finanzkreisen nun als reiner „politischer Kompromiss“ mit kurzer Lebensdauer gesehen. Rätselraten gibt es über einen angeblichen Millionen-Zuschuss.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2008)