AUA: British Airways steigt in den Ring

Bieterkampf gewinnt an Spannung, alle drei Big Player der europäischen Luftfahrt sind im Rennen.

(c) Reuters (Toby Melville)

Wien.Alles ist streng geheim: Die ÖIAG und die von ihr beauftragte Investmentbank Merrill Lynch hält Zahl und Namen der Interessenten für die AUA unter Verschluss. Offiziell wird auch nicht verhandelt – die Privatisierungsmaschinerie ist aber schon voll angelaufen. Die ÖIAG präsentiert nächste Woche den insgesamt zwölf Interessenten die AUA und übergibt das Informationspaket. Die Bombenüberraschung: Zu den Airlines gehört nicht nur Lufthansa, Air France/KLM, Turkish Airlines, S7 und Air China, sondern auch British Airways. Sie haben ebenfalls ihr Interesse schriftlich deponiert, erfuhr die „Presse“.

Mit den Briten, die sich bisher im Hintergrund hielten, steigt neben Lufthansa und Air France/KLM der dritte Big Player der europäischen Luftfahrt in den Ring. Das verleiht den Bieterkampf um die AUA noch mehr Spannung und könnte den Preis deutlich nach oben treiben.

Für British Airways (BA) bedeutet das Interesse an der AUA einen Strategiewechsel: Bisher stand der Transatlantik- und der Fernostverkehr im Vordergrund. Dahingehend ist auch der Plan zur Übernahme der Iberia und zur Kooperation mit American Airways zu verstehen. In Ost- und Südosteuropa sind die Briten bisher nur schwach vertreten. Davon könnte die AUA mit ihrem „Focus East“ ebenso profitieren wie von dem gerade erweiterten Streckennetz in den Nahen und Mittleren Osten. Negativ schlägt sich bei BA – wie bei Air France/KLM – der notwendige Allianzwechsel zu Buche. Die AUA gehört der Star Alliance an – wie Lufthansa, Turkish Airlines und Air China. Die Briten dominieren OneWorld, die Franzosen das SkyTeam.

Der Zeitplan für den AUA-Verkauf ist straff: Bis 12. September müssen erste Konzepte vorgelegt werden. Verbindliche Angebote werden bis 25. September – drei Tage vor der Nationalratswahl – erwartet. Ende Oktober soll der Deal fixiert sein. Detail am Rande: Die ÖIAG erhält erst am 5. September von der Hauptversammlung (in Person des Finanzministers) den vom Ministerrat beschlossenen Privatisierungsauftrag.

 

„Air France hat mehr Sexappeal“

Der AUA-Vorstand hat am Freitag den „in der Öffentlichkeit entstandenen Eindruck“, er präferiere die Lufthansa, vehement dementiert. Die Belegschaftsvertreter machen hingegen kein Hehl aus ihren Wünschen: „Wir schätzen die Lufthansa – sie ist seriös und langlebig wie ein Mercedes-Diesel. Aber die Air France hat mehr Sexappeal“, sagt Bordbetriebsrats-Chef Georg Riedl zur „Presse“. Der Pilot begründet „das Bauchgefühl, das ich mit vielen Kollegen teile“, durchaus rationell. Das Streckennetz von Air France/KLM und AUA überschneide sich kaum. „Wir können unsere Osteuropa-Kompetenz unter dem Dach der Air France/KLM voll ausspielen.“ Von den Franzosen erhoffen sich die Piloten einiges Wachstum auf der Langstrecke – „nur Wachstum garantiert unsere Arbeitsplätze“.

Riedl teilt seine Bedenken gegenüber der Lufthansa mit Alfred Junghans vom Bodenpersonal. Er habe keine eindeutige Präferenz, aber die große Überschneidung des Streckennetzes von Lufthansa und AUA mache auch im Kopfzerbrechen. Nachsatz: „Ich habe nichts gegen die Lufthansa, aber ich will ihr Konzept sehen.“ Auch für den Bodenbetriebsratschef spielen die Arbeitsplätze naturgemäß eine große Rolle. Deshalb bringt er auch zwei andere Interessenten ins Spiel. „Wer sagt denn, dass uns nicht außereuropäische Fluglinien aus Russland oder China (S7 und Air China, Anm.) langfristig mehr Wachstum bringen?“

 

Wie viel Geld hat die AUA noch?

Eine von den vier Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat angestrengte Revolution ist indes verschoben. Die Betriebsräte haben auf Basis des § 94/2 Aktiengesetz für den 3. September eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen, dann aber kurzfristig doch auf die ordentliche Sitzung am 16. September geschoben. Ihre brisante Forderung: AUA-Präsident und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis soll das von der ÖIAG vor zwei Jahren beim Berater Roland Berger bestellte Gutachten über die Zukunftschancen der AUA vorlegen. Der Aufsichtsrat habe die Expertise, die schon damals eine Partnersuche empfahl, nie zu Gesicht bekommen, heißt es. Außerdem wollen die Betriebsräte wissen, wie viel Geld die AUA tatsächlich noch in der Kasse hat. Die Eile bei der Privatisierung sei verdächtig, heißt es.

Auf einen Blick

British Airways ist die sechste Fluglinie, die die AUA kaufen will. Mit den Briten matchen sich Lufthansa, Air France/KLM, Turkish Airways, S7 und Air China.

Die Betriebsräte der AUA haben wegen der Überschneidung der Streckennetze Bedenken gegen die Lufthansa. Sie finden Air France/KLM mehr „sexy“. [EPA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2008)

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