Mit Firmen arbeiten: Neue Start-up-Programme für Wien

Der US-Konzern Cisco startet im Jänner mit seinem "Entrepreneurs in Residence"-Programm. Konica Minolta wiederum will zehn Millionen Euro in europäische Start-ups investieren.

FILE USA CISCO SYSTEMS
FILE USA CISCO SYSTEMS
Cisco. Die Teilnehmer des EiR-Programms werden auf dem Pioneers Festival ausgewählt. – EPA

Wenn am 29. und 30. Oktober das Pioneers Festival in der Wiener Hofburg startet, werden viele Besucher ihren Terminkalender bis obenhin voll haben. Sie werden zur Premiere des fliegenden Autos („Die Presse“ berichtete) schauen oder zum Vortrag von Buzz Aldrins Sohn Andrew, der über die Zukunft auf dem Mond sprechen wird. Dazwischen werden sich wieder Scharen an jungen Gründern durch die Gänge schieben, um möglichst viele Kontakte zu knüpfen.

Doch nicht nur das. Mittlerweile wird das Start-up-Festival auch gern benutzt, um neue Start-up-Programme und Initiativen in Wien zu präsentieren. Heuer wird Cisco etwa die Europapremiere seines „Entrepreneurs in Residence“-Programms in Wien vorstellen. Das Programm wird von Jänner bis Ende Juni 2015 in Wien abgehalten. Der weltweit agierende US-Technologiekonzern holt dafür fünf Start-ups aus der ganzen Welt nach Wien, um diese sechs Monate zu begleiten und ihre Entwicklung voranzutreiben. „Es wird ein Funding für die Unterkunft geben und einen Platz im Coworking Space“, erklärt Martin Bittner, Direktor Business Development von Cisco, der das Programm ins Leben gerufen hat.

Kunden und Geld. Während der Programmzeit werden ein bis zwei Vertreter des Start-ups tatsächlich in Wien wohnen, um möglichst eng mit Cisco zusammenarbeiten zu können. In dieser Zeit werden sie laufend von einem Mentor betreut, haben Zugang zu Ciscos Ressourcen und seinem weltweiten Netzwerk. Am Ende sollen die Gründer so weit sein, dass sie vielleicht schon erste Kunden haben, Geld von Investoren erhalten – oder Cisco selbst investiert.

Ist das Programm erfolgreich, wird es weitergeführt. Die nächste Tranche könnte bereits im zweiten Halbjahr 2015 starten. Für das Programm hat sich der Konzern 340 Start-ups aus 39 Ländern angesehen. 15 werden nun nach Wien eingeladen, um vor einer Jury zu pitchen, die Gewinner werden dann in das Programm aufgenommen.

Die Finalisten kommen aus England, Griechenland, Schweden und freilich Österreich. Alle befassen sich mit Themen wie Big Data, Sicherheit oder Internet of Things. Gebiete, die sich auch mit dem Überbegriff „Smart Cities“ zusammenfassen lassen. Also mit der Frage: Mit welchen Technologien und Lösungen können Städte effizienter, umweltfreundlicher und lebenswerter gestalten werden? „Wie komme ich zu einer sinnvollen Auswertung von Big Data?“, erzählt Bittner, sei zum Beispiel immer wieder ein Thema gewesen. Ebenso „Smart Lighting“.

Die Stadt arbeitet mit. Das Programm findet in Kooperation mit der Stadt Wien, genauer gesagt mit der Wirtschaftsagentur Wien statt. Einerseits soll die Stadt bei der Umsetzung des Programms helfen (Stichwort: Visa für Start-ups, die nicht aus Europa sind), andererseits erhofft sich die Bundeshauptstadt auch Impulse für die eigene Start-up-Szene und die stadteigene Smart-City-Strategie.

Dass das Residence-Programm ausgerechnet in Wien und nicht in den bekannten Start-up-Städten wie London oder Berlin startet, erklärt Bittner sowohl mit der geografischen Lage Wiens als auch mit dem Potenzial der Stadt. „Wien hat 6000 IT-Companys und sehr viel Tech-Talent“, sagt er. Gleichzeitig würden Orte wie das tschechische Brno sehr nahe liegen. Dort hätte sich ein riesiges Outsourcing-Zentrum für EDV gebildet.

Abgesehen von Cisco setzt auch die Firma Konica Minolta auf „Open Innovation“ und gemeinsames Entwickeln mit Start-ups. Die Firma präsentiert ebenfalls auf dem Pioneers Festival ihre neue Initiative. Konica Minolta will in den nächsten Jahren zehn Millionen Euro in europäische Start-ups investieren. Zentrum des Programms wird zwar das „Business Innovation Center“ der Firma in London sein, eine Übersiedlung der Start-ups ist für die Teilnahme an der Initiative aber nicht notwendig. Auch hier werden die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit mit jedem Start-up neu verhandelt. Die Kooperation kann von kleineren Hilfestellungen beim Marketing bis zum Zugriff auf die Research-Abteilung der Firma reichen.

Nicht mehr neu, aber ebenfalls auf dem Pioneers Festival präsent, ist der A1-Start-up-Campus. Teilnehmer des seit 2011 bestehenden Programms bekommen ein Jahr lang ein eigenes Büro im Campus im 20. Bezirk. Weiters gibt es Business-Coaching sowie Zugang zu den Firmenressourcen.

Programme

EiR. Das Cisco-Entrepreneurs-in-Residence-Programm feiert seine Europapremiere in Wien. Fünf Start-ups werden dafür ein halbes Jahr in die Bundeshauptstadt ziehen.

Zehn Millionen Euro will die Firma Konica Minolta in europäische Start-ups investieren. Die Start-ups können in dieser Zeit auch auf Firmenressourcen zugreifen.

Linkliste

Cisco. Die Teilnehmer des EiR-Programms werden auf dem Pioneers Festival ausgewählt. pioneers.io/festival/startups/applications/cisco

Konica Minolta investiert in Start-ups. www.konicaminolta.at

Der Start-up-Campus von A1 liegt im 20.Bezirk. www.a1startup.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.10.2014)

Kommentar zu Artikel:

Mit Firmen arbeiten: Neue Start-up-Programme für Wien

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen