Immofinanz wechselt überraschend Vorstand aus

Petrikovics muss gehen, Ex-AUA-Finanzchef Kleibl kommt – Aktie weiter schwer unter Druck.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien (ju).Vor kurzem, bei der Immofinanz-Hauptversammlung, hat Karl Petrikovics noch ein sehr positives Bild seiner Immobiliengruppe gezeichnet, jetzt musste er über Nacht den Hut nehmen: Montagfrüh teilte die Immofinanz/Immoeast Immobiliengruppe – sie gehört zu den größten Europas – überraschend mit, dass Petrikovics per sofortiger Wirkung abgelöst und in beiden Funktionen – er war gleichzeitig Vorstandschef von Immofinanz und Immoeast – durch den früheren Austrian-Airlines-Finanzchef Thomas Kleibl ersetzt wird.

Dem De-facto-Hinauswurf des einst mächtigsten Immobilienmanagers des Landes waren schwere Probleme der Immobiliengruppe vorausgegangen: Immofinanz kämpft mit Liquiditätsproblemen, die Gruppe steht wegen Intransparenz und mangelnder Corporate Governance am Pranger von Anlegerschützern – und der Aktienkurs ist zuletzt dramatisch eingebrochen. Beide Unternehmen sind börsenotiert – und beide notieren derzeit um mehr als 80 Prozent unter ihren Höchstständen. Das ist besonders bitter, weil die Immobilienaktien besonders von Strukturvertrieben vielen Kleinanlegern als sichere Sparbuchalternative verkauft worden sind.

Die Immofinanz-Gruppe hat einen kurzfristigen Finanzbedarf von von rund 800 Mio. Euro, der nur zum Teil (knapp 500 Mio. Euro) durch Cash gedeckt ist. Refinanzierungskredite sind derzeit kaum zu bekommen. Wenn die Immofinanz ihr 1,8-Mrd.-Euro-Darlehen von der Tochter Immoeast ordnungsgemäß bedient, dann hat sie noch zusätzlich 400 Mio. Euro kurzfristigen Liquiditätsbedarf.

Petrikovics wollte diese Finanzlücke durch den Verkauf von Immobilien im Wert von 800 Mio. Euro in Osteuropa kurzfristig schließen. Das scheint aber nicht wie geplant zu klappen, zumal die Immobilien- und Finanzkrise gerade mit voller Wucht auch über Osteuropa hereinbricht.

Das Darlehen gilt übrigens als Musterbeispiel schlechter Corporate Governance: Es wurde von Immoeast-Chef Petrikovics mit Immofinanz-Chef Petrikovics ausgehandelt. Und es geht zu Lasten der Immoeast-Aktionäre, weil dem Unternehmen dringend benötigte Liquidität von der Mutter entzogen worden ist.

 

Wandelanleihen mit Super-Junk-Status

Wie dramatisch die Lage in der Gruppe ist, zeigen die von der Immofinanz emittierten Wandelanleihen (Volumen je 1,5 Mrd. Euro): Sie notieren derzeit bei 26,50 beziehungsweise 28. Das gilt als absoluter „Junk“-Status. Die Papiere müssen von der Gesellschaft 2014 bzw. 2017 zu hundert Prozent zurückgezahlt werden. Vereinfacht gesagt, wird damit ein „Gutschein“ für einen 100-Euro-Schein im Jahr 2014 mit 26,5 bis 28 Dollar gehandelt. Derartige Kurse bei Unternehmensanleihen gelten als absolutes Alarmsignal.

Allerdings: Die Nachricht vom Wechsel an der Spitze hat die Anleihenkurse leicht nach oben getrieben, vorher hatten die Papiere schon bei 25 respektive 26 notiert.

 

Wo ist das Geld aus Kapitalerhöhungen?

Der neue Immofinanz/Immoeast-Chef wird sich aber noch mit anderen Merkwürdigkeiten auseinandersetzen müssen: Die schlechte Liquiditätslage der Gruppe verwundert Experten ein wenig, weil in den vergangenen Jahren mehrere Milliardenkapitalerhöhungen durchgeführt wurden, die keineswegs voll in Immobilienprojekte investiert wurden.

Kein Problem hat damit mehr die Constantia Privatbank: Die Abspaltung ihrer Immobilienaktivitäten an die Immofinanzgruppe (die Constantia war externe Managerin der Gruppe und wurde um 440 Mio. Euro ausgekauft – ist nun auch rechtlich vollzogen. Siehe „Im Sucher“ auf Seite 43

AUF EINEN BLICK

Chefwechsel bei der Immofinanz: Karl Petrikovics, Vorstandschef der Immofinanz und deren Tochtergesellschaft Immoeast, wurde vom Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung abgelöst.

Nachfolger des einstmals mächtigsten Immobilienmanagers Österreichs wird in beiden Funktionen Ex-AUA-Chef Thomas Kleibl.

Die Aktien der beiden Unternehmen stehen schwer unter Druck und notieren um jeweils achtzig Prozent unter ihren Höchstständen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2008)

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