Wettbewerb: 1000 Postämter suchen Partner

Die Post wandelt 1000 der 1300 Filialen in Vertriebspartner um, um für den verschärften Wettbewerb infolge der Liberalisierung 2011 gerüstet zu sein. Die Gewerkschaft rüstet sich für einen Arbeitskampf.

Symbolbild: Postämterabbau
Symbolbild: Postämterabbau
(c) rubra (Rubra)

Wien. Die Gewerkschaft rätselt noch, aber sie stärkt auf jeden Fall ihre Muskeln für einen Arbeitskampf, wie Postgewerkschaftschef Gerhard Fritz ankündigt. Das Rätsel, ob und wieviele Postämter tatsächlich geschlossen werden, ist allerdings schon gelöst. Geschlossen wird nämlich so gut wie kein Postamt – aber 1000 der noch bestehenden 1300 Postämter sollen bis 2015 in sogenannte Postpartner umgewandelt werden, erfuhr die „Presse“ aus dem Konzern. Für die ersten 300 Postämter schlägt 2009 die letzte Stunde.

Die Post hat bereits 195 Post-Partner – Lebensmittelketten, Greisler, Tankstellen und andere Handels- und Handwerksbetriebe. Dazu kommen 340 Post-Servicestellen, vor allem in Gemeindeämtern, und 76 Post-Abholstellen, ebenfalls in Gemeindeämtern. Aus dem Kreis von Handel und Handwerk sollen sich auch die künftigen Postpartner rekrutieren. Deshalb startet die Post, die sich ihre Pläne nächsten Mittwoch vom Aufsichtsrat absegnen lässt, unmittelbar danach zusammen mit der Wirtschaftskammer eine breitangelegte Suche nach Postpartnern. Mit dem Gemeindebund habe es bereits Gespräche gegeben, heißt es.

Bawag/PSK als Postamt

Einer der wichtigsten Postpartner soll die Bawag/PSK werden. Die einstige Gewerkschaftsbank, die jetzt zum US-Fonds Cerberus gehört (fünf Prozent hält die Post) nützt seit langem über einen Kooperationsvertrag die Postämter als Vertriebsfilialen für seine Finanzdienstleistungen. Der Vertrag läuft bis 2015 und bringt der Post jährlich rund 95 Mio. Euro.

Mit dem Megaprojekt rüstet der gelbe Riese auf den scharfen Wettbewerb, der mit der Totalliberalisierung der europäischen Postmärkte 2011 einsetzen wird. Schon 2009 rechnet die Post im Filialnetz mit einem negativen Betriebsergebnis (Ebit), wie aus internen Berechnungen hervorgeht. 2007 lag das Ebit noch bei plus 13,6 Mio. Euro. Der Grund für den Ergebnisschwund ist die Konkurrenz von Email und Telefon sowie von privaten Post-Dienstleistern.

Die Pläne der Post muss der Postregulator absegnen. Derzeit ist die Zusammenlegung von 25 Postämtern in Ballungszentren angelemdelt, die Prüfung soll bis Jahreswechsel erfolgen. Wichtigste Voraussetzung für die Genehmigung des Regulators: Die Post muss nachweisen, dass die Filialen nicht kostendeckend geführt werden können. Bei den 300 Postämtern, deren Schließung 2009 geplant ist, treffe dies zu, heißt es in der Post.

Die Gewerkschaft reagiert vor allem deshalb so hart, weil sie um Arbeitsplätze fürchtet. Derzeit hat die Sparte Filialnetz 5000 Beschäftigte, das ist ein Drittel aller Postler.

Staatshilfe für die Post?

Die „Schließungspläne“ haben einen Aufschrei der Oppositionsparteien ausgelöst. BZÖ und FPÖ fordert Staatshilfe auch für die Post.  Die Grünen fordern die Minister Faymann und Molterer auf, bei Post und ÖIAG „durchzugreifen“. Der Städtebund verweist auf das Postgesetz: Demnach muss die Post die betroffenen Gemeinden über geplante Postämter-Schließungen zeitgerecht informieren und binnen drei Monaten alternative Lösungen suchen.

("Die Presse" Printausgabe vom 6.11.2008)

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