Geschlechter-Graben: Warum Österreich hinter Malawi zurückfiel

Österreich ist im "Gender Gap Report" des WEF von Platz 19 auf Rang 36 abgestürzt. Schuld daran hat aber nicht die Wirtschaft.

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Die Presse (Clemens Fabry)

Seit 2006 untersucht das Weltwirtschaftsforum (WEF) in einer umfangreichen Studie den Fortschritt in der Gleichstellung von Männern und Frauen. Das Ergebnis: Weltweit schließt sich die Schere zwischen Männern und Frauen zwar langsam, aber doch. Hierzulande, so scheint es auf den ersten Blick, geht sie weiter auf. Lag Österreich im Vorjahr immerhin noch vor den USA auf Platz 19, liegt es heuer hinter Ländern wie Weißrussland oder Malawi auf Platz 36. Der sogenannte "Gender Gap Index" für Österreich ist erstmals seit neun Jahren gefallen - von 0,744 auf 0,727 Punkte (Anmerkung: Gleichheit herrscht bei einem Wert von 1,0). Was ist passiert?

Die WEF-Forscher verglichen 142 Ländern in vier Kategorien. Weltweit am geringsten ist der Unterschied zwischen Männdern und Frauen heute im Bereich Gesundheit und Lebenserwartung. Vielen Industrieländern - darunter auch Österreich - ist es gelungen, die Lücke komplett zu schließen. Und auch in der Kategorie Bildung stehen die Frauen in vielen Ländern den Männern um nichts mehr nach. In Österreich schaffen es sogar deutlich mehr junge Frauen auf die Universität als Männer, die Frauenquote ist also sogar "übererfüllt". Bleiben zwei Kategorien, in denen die Schere noch weiter auseinander geht. 

Gleichheit am Arbeitsplatz: Leichte Verbesserung

Im Bereich Wirtschaft, wo etwa Beschäftigungsquote und Einkommen verglichen werden, schließt sich die Schere im weltweiten Vergleich nur langsam: Setzt sich die Entwicklung so fort, wird es laut WEF noch 81 Jahre dauern, bis Männer und Frauen gleichauf sind.

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Österreich hat im Bereich Arbeitswelt in internationalen Studien noch nie geglänzt. Seit 2006 bewegt es sich im Mittelfeld. Europäischen Ländern wie Deutschland, der Schweiz oder den skandinavischen Staaten kann Österreich nicht das Wasser reichen. Dennoch: Auch hier verbessert es sich laut WEF-Berechnung kontinuierlich. 2006 lag der "Gender Gap Index" im Bereich Wirtschaft noch bei 0,55, im Vorjahr bei 0,66 und heuer bei 0,67. Damit liegt Österreich weltweit auf Rang 68 und deutlich vor Italien (114) oder Spanien (84).

Was übrig bleibt, ist jene Kategorie, in der man mit vergleichsweise wenig Aufwand viel ändern kann: die Politik. Wie gut das funktioniert, zeigt das Beispiel Frankreich. Innerhalb nur eines Jahres katapultierte ein hoher Frauenanteil von 50 Prozent in der Regierung die Franzosen im WEF-Gesamtranking von Platz 45 auf Rang 16.

Zwei Ministerinnen machen den Unterschied

Natürlich funktioniert das Ganze auch in die entgegengesetzte Richtung, wie das Beispiel Österreich zeigt: Gab es vor der Wahl im Kabinett Werner Faymann noch sechs Ministerinnen, sind es heute mit Sophie Karmasin (ÖVP), Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Sabine Oberhauser (SPÖ) zwei weniger.

Politik, so das eindeutige Ergebnis der Studie, bleibt männlich dominiert - weltweit und in Österreich. Der Indexwert ist hierzulande von 0,33 (Platz 19) auf 0,26 (Platz 36) abgesackt. Und dieser feine Unterschied lässt Österreich im Gesamt-Ranking wesentlich schlechter abschneiden als im Vorjahr. Und auch der Vergleich mit dem Erstplatzierten Island zeigt, dass der Unterschied im Bereich Politik deutlich höher ist als im Bereich Wirtschaft.

 

>>> WEF-Länder-Report Österreich

>>> Alle Daten und Fakten zum WEF-Gender-Gap-Index

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