Geldbedarf: Gaddafi rettet UniCredit

Nach einer Finanzspritze aus Tripolis prüft UniCredit-Chef Profumo, in Österreich Staatshilfe zu beantragen. Denn: Das Osteuropa-Geschäft der Tochter Bank Austria droht zum "monetären Stalingrad" zu werden.

Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi
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Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi
(c) EPA (Sabri Almhedwi)

Wien. Libyen hat die milliardenschwere Kapitalerhöhung der italienischen Bank UniCredit gesichert und steigt damit zu einem der größten Aktionäre der Bank- Austria-Mutter auf. Am Donnerstag tagte dazu der UniCredit-Verwaltungsrat. Im Mittelpunkt standen die neuen Machtverhältnisse. Es ist so gut wie fix, dass die libyschen Aktionäre nicht nur einen Sitz im Kontrollgremium bekommen werden, sondern auch gleich einen von drei Vizepräsidenten nominieren können. Dem Vernehmen nach soll der Gouverneur der libyschen Nationalbank, Farhat Omar Bin Guidara, in das Gremium einziehen. Dieser ist ein Vertrauter von Staatschef Muammar al-Gaddafi.

"Monetäres Stalingrad"


Libyen hat UniCredit-Chef Alessandro Profumo aus einem Dilemma geholfen. Im Zuge der Finanzkrise ist der Banker unter Druck geraten. Sorgen bereitet den Investoren vor allem das Osteuropa-Geschäft, das über die Bank Austria in Wien läuft. Seit der Wirtschaftsabschwung den Osten erfasst, muss sich Profumo einiges anhören. Denn die Bank Austria ist in der Region der größte Finanzdienstleister und hatte in den vergangenen Jahren in der Ukraine und in Kasachstan teuer zugekauft.

In italienischen Internetforen kursieren makabre Vergleiche: In Osteuropa entstünde ein „monetäres Stalingrad“ für Banken wie UniCredit – „nur ein kleiner Bruchteil der eingesetzten Mittel kommt je wieder zurück“. Auf Anweisung von Mailand musste die Wiener Tochter den Filialausbau im Osten vorübergehend stoppen.

Zur Bewältigung der Krise will sich Profumo über eine Kapitalerhöhung drei Mrd. Euro holen. Doch der Großteil der Kleinaktionäre weigerte sich, frisches Geld zur Verfügung zu stellen. In der Vorwoche bekam Profumo auch vom bislang größten Einzelaktionär, der italienische Stiftung Cariverona, eine Abfuhr. Daraufhin häuften sich Gerüchte, dass der UniCredit-Chef und Verwaltungsratspräsident Dieter Rampl den Hut nehmen müssen.

Zum Glück sprang die libysche Zentralbank ein. Im Rahmen der nun platzierten Kapitalerhöhung über eine Wandelanleihe übernehmen die Investoren aus Tripolis mit 750 Mio. Euro den größten Anteil der Emission. Mit der Transaktion erhöhen die Libyer die UniCredit-Beteiligung auf mehr als sechs Prozent. Sie halten damit einen gleich hohen Anteil wie die Stiftung Cariverona. Nach der Finanzspritze aus Tripolis dürfte auch der Verbleib von Profumo und Rampl gesichert sein.

Jobabbau in Österreich


Doch UniCredit könnte noch mehr Geld brauchen. Profumo prüft daher, in Österreich um Staatshilfe anzusuchen. „Falls wir irgendwo um staatliche Hilfen bitten müssen, wäre das zum Beispiel in Österreich denkbar – wegen der Risken in den osteuropäischen Nachbarstaaten“, sagte der Banker in der Vorwoche.
Warum springt nicht der italienische Staat ein? Dem Vernehmen nach möchte Profumo vermeiden, dass sich die Regierung in Rom in die Geschäftspolitik einmischt. Italiens Premier Silvio Berlusconi ist kein Freund von Profumo. Finanzexperten vermuten, dass sich UniCredit für die Bank Austria zwei bis drei Mrd. Euro vom österreichischen Bankenhilfspaket holsen wird. Gemessen am Börsekurs würde Österreich damit eigentlich ein Anteil von über zehn Prozent an UniCredit zustehen.

Gleichzeitig verschärft Profumo den Sparkurs. Demnächst soll die Bank Austria den Eigenhandel mit Finanzprodukten einstellen. Laut „Format“ sind davon 50 bis 80 Stellen betroffen. Die Bank Austria kommentiert dies nicht. Fix ist, dass bis 2010 in Österreich 570 Jobs abgebaut werden.

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