Hypo-Verkauf: Ein weiterer Milliardenflop

Noch im Frühjahr 2012 wurde der Buchwert der Südosteuropa-Tochter der Hypo Alpe Adria mit 1,5 Milliarden Euro angegeben. Nun soll diese um 200 Millionen Euro verkauft werden. Die Bayern müssen allerdings noch zustimmen.

(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Wien. Die Hypo Alpe Adria hat die Grundsatzentscheidung getroffen, ihre Südosteuropa-Tochter an den US-Finanzinvestor Advent International zu verkaufen. Dies wurde am Donnerstag bekannt gegeben. Advent hat mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) ein Bieterkonsortium gebildet. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Doch „Die Presse“ konnte wichtige Details herausfinden. Dem Vernehmen nach zahlen Advent und die EBRD rund 200 Millionen Euro.

Die Südosteuropa-Einheit gehört zu den wichtigsten Töchtern der Hypo. Sie umfasst Bankenbeteiligungen in fünf Ländern (Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien und Montenegro) mit einer Bilanzsumme von 8,4 Milliarden Euro, 245 Filialen und 1,15 Millionen Kunden. In der Vergangenheit wurde von den Hypo-Managern immer betont, dass man für die Südosteuropa-Tochter möglichst viel Geld bekommen möchte.

Noch im Frühjahr 2012 hatte der damalige Hypo-Chef Gottwald Kranebitter den Buchwert der Südosteuropa-Tochter mit 1,5 Milliarden Euro angegeben. Doch seitdem erfolgte eine riesige Wertvernichtung.

Wie die Politik versagt hat

Im ersten Halbjahr 2014 lag der Buchwert des Südosteuropa-Geschäfts nur noch bei 89 Millionen Euro. Eines der Hauptprobleme ist, dass die Südosteuropa-Tochter jetzt unter Druck verkauft werden muss. Denn die EU-Kommission hat eine Frist bis Mitte 2015 gesetzt. Angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage in Südosteuropa ist der gegenwärtige Zeitpunkt aber denkbar schlecht.

Das war ein Grund, warum Johannes Ditz (ÖVP) im Vorjahr als Hypo-Aufsichtsratschef zurückgetreten war. Ditz wollte unbedingt, dass die Wiener Regierung in Brüssel härter verhandelt und sich für eine längere Verkaufsfrist für die Südosteuropa-Tochter einsetzt.

Nach dem Abgang gab Ditz nur der „Presse“ ein Interview. Darin erklärte er, die Politik habe durch Nichthandeln die Situation verschlimmert. „Unsere Politiker hätten bei den Verhandlungen über die Hypo in Brüssel präsenter sein müssen.“ Die Beamten seien „mehr oder weniger gegenüber der EU in die Knie gegangen“, so Ditz.

Stimmen die Bayern zu?

Um die Tochter verkaufen zu können, wurden faule Kredite von Südosteuropa in die Abbaugesellschaft transferiert. Für diese haftet der Steuerzahler. In Summe geht es um ein Geschäftsvolumen von 18 Milliarden Euro. Bislang steckte der Steuerzahler 4,35 Milliarden Euro in die Bank. Im Zuge der Abwicklung dürften noch viele Milliarden hinzukommen.
Der jetzige Hypo-Chef Alexander Picker wechselt nicht zur Abbaugesellschaft Heta, sondern er geht zur Südosteuropa-Tochter, die an Advent verkauft werden soll. Bei der Südosteuropa-Tochter liegen noch Refinanzierungen der Hypo von 2,2 Milliarden Euro. Diese sollen in den nächsten Jahren zurückgeführt werden, heißt es.

Für den Deal mit Advent bedarf es aber noch der Zustimmung der BayernLB. Stimmen die Bayern bis Ende November nicht zu, platzt der Verkauf. Das wäre für Österreich schlecht, weil dann auch das Südosteuropa-Geschäft der Hypo mit 8,4 Milliarden Euro den Staatsschulden zugerechnet wird.

Österreich streitet sich mit den Bayern um mehrere Milliarden Euro. Es ist davon auszugehen, dass sich die Bayern die Zustimmung teuer abkaufen lassen.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2014)

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