Bankenranking: Kleine Banken schlagen die großen

Ausschließlich nach Bilanzdaten wurden Unabhängigkeit, Sicherheit und Ertragskraft heimischer Institute bewertet. Kleine Institute schneiden gut ab, Großbanken schlecht.

Beim Raiffeisensektor fiel der „Verbundabschlag“ am geringsten aus.
Beim Raiffeisensektor fiel der „Verbundabschlag“ am geringsten aus.
Beim Raiffeisensektor fiel der „Verbundabschlag“ am geringsten aus. – (c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)

Wien. WSK Bank vor Wiener Privatbank und Zila Posojilnica Bank: Das sind die Top drei des gestern veröffentlichten „österreichischen Bankenrankings“ des Vereins WienerWende. Ein Ergebnis, das wohl schwierig vorherzusehen gewesen wäre: Vor allem das drittplatzierte Institut, eine in den Raiffeisenverband eingebundene Genossenschaftsbank aus dem Kärntner Gailtal, kennt kaum jemand außerhalb der Region.

Auch die WSK Bank aus Wien Währing, die früher Wiener Spar- und Kreditinstitut hieß, hat nur regionale Bedeutung, die Wiener Privatbank ist ein stark auf Private Banking fokussiertes Institut. Überhaupt finden sich ausschließlich kleinere Institute auf den vorderen Rängen – vor allem regionale Raiffeisenbanken. Großbanken rangieren zumindest in der Gesamtwertung (wenn auch nicht bei allen Einzelkriterien) weit abgeschlagen: So landete die Erste Bank in der Gesamtwertung auf dem 448. Rang, die Erste Group Bank auf dem 628. und die UniCredit Bank Austria auf dem 634. Platz. Den Branchengrößen aus dem Raiffeisensektor erging es nicht besser: Für die RZB Österreich schaute nur der 595. und für die RBI der 610. Gesamtrang heraus.

Dass kleine Banken die Nase vorn haben, liege an den gewählten Kriterien, erklärt Thomas Fuchs, der das Ranking entwickelt und die Basisdaten gesammelt hat. Das Ranking beruht demnach auf veröffentlichungspflichtigen Bilanzdaten aller heimischen Institute. Daraus habe man eine Bewertung von Unabhängigkeit, Sicherheit und Ertragskraft erstellt.

 

Kredite und Einlagen

Die Unabhängigkeit wurde danach bemessen, inwieweit Kredite nicht aus Refinanzierungen, sondern aus dem eigenen Einlagengeschäft heraus vergeben werden – faktisch also danach, ob Einlagen und vergebenes Kreditvolumen im Gleichgewicht sind. Für das Kriterium Sicherheit habe man die „echten“ Eigenmittel (ohne Surrogat-, Nachrang-, Ergänzungskapital) herangezogen. Und für die Ertragskraft schließlich das EGT plus Körperschaftsteuerleistung – „denn es gibt auch Banken, die viel Gewinn machen, aber wenig Steuer zahlen“. Den Zinsertrag habe man zusätzlich stärker gewichtet – man halte ihn für nachhaltiger als etwa Erträge aus Provisionsgeschäften, sagt Fuchs: „Das ist aber nur eine Annahme.“ Überhaupt handle es sich um kein Rating: Man habe nichts „beurteilt“, sondern lediglich bestimmte Kriterien als Maßstab herangezogen, „und wenn man das tut, kommt eben dieses Ergebnis heraus“. Es seien nun einmal kleine Institute, die die meisten Gewinne machen und einen Großteil der Steuern abliefern.

 

Verbundabschläge

Auch für den Unterschied zwischen den Sektoren liefert Fuchs eine Erklärung: Bei Raiffeisenbanken, Sparkassen und Volksbanken wurden sogenannte Verbundabschläge einberechnet. Gemeint ist damit, wie stark sich Risken, die den gesamten Verbund bzw. das Spitzeninstitut betreffen, auf eine einzelne kleine Bank oder Sparkasse des Sektors auswirken würden. Bei den Volksbanken fielen diese Abschläge am stärksten, bei Raiffeisen am wenigsten ins Gewicht. Auch das sei nur eine Annahme, betont Fuchs. „Ohne diese Abschläge lägen auch Volksbanken ziemlich weit vorne.“

Unter bankenranking.org können Bankkunden jetzt abfragen, auf welchem Platz ihre Bank rangiert. Erstmals erhoben hat Fuchs die Daten übrigens für den Förderungsverein der Primärbanken. Damals habe man branchenintern den Nachweis erbringen wollen, „dass es nicht stimmt, dass kleine Banken nichts taugen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2015)

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