Schon fast eine halbe Million Arbeitslose

Bei keiner anderen Gruppe hat sich die Arbeitslosigkeit im Jänner 2015 so stark erhöht wie bei Ausländern. Besonders benachteiligt sind auch ältere Menschen (Generation 50 plus) und Behinderte.

Arbeitslose und Schulungsteilnehmer
Arbeitslose und Schulungsteilnehmer
Arbeitslose und Schulungsteilnehmer – (C) Die Presse

AMS-Chef Johannes Kopf spricht von einer „absolut ernst zu nehmenden Situation“. Denn die Arbeitslosigkeit hat in Österreich im Jänner 2015 einen neuen alarmierenden Wert erreicht. Inklusive jener Personen, die sich in AMS-Schulungen befinden, waren 472.539 Personen ohne Job. Das ist im Vergleich zum Jänner2014 ein Plus von 5,1Prozent. Laut nationaler Berechnungsmethode hat sich die Arbeitslosenquote auf 10,5 Prozent erhöht. Interessant ist hier ein langfristiger Vergleich: Laut AMS-Statistik war nur im Monat Jänner der Jahre 1951, 1953 und 1954 die Lage schlimmer. Die höchste Arbeitslosenrate gab es im Jänner 1954 mit 14,1 Prozent. „Die Presse“ bringt die wichtigsten Fakten zur Arbeitslosenstatistik.

• Benachteiligte Gruppen. Mit 18,9Prozent gab es den stärksten Anstieg bei arbeitslosen Ausländern. Konkret suchten im Jänner 108.193 Ausländer einen Job. Inklusive Schulungsteilnehmern sind es rund 125.900 Personen. Bei Inländern lag das Plus „nur“ bei 6,9 Prozent. Besonders benachteiligt sind auf dem Arbeitsmarkt auch behinderte Personen (plus 16,3 Prozent auf 12.238 Personen) und ältere Menschen ab 50 Jahren (13,7 Prozent auf 104.472). Die Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahren) kletterte um 5,2 Prozent, wobei es bei den 15- bis 19-Jährigen sogar einen Rückgang von 2,5 Prozent gab.

Der massive Anstieg bei den Ausländern hängt damit zusammen, dass immer mehr qualifizierte Zuwanderer aus den neuen osteuropäischen EU-Ländern nach Österreich ziehen. Diese nehmen aber weniger den Österreichern, sondern vielmehr schon länger in Österreich lebenden Ausländern den Job weg. „Ein tüchtiger und qualifizierter Mann aus Ungarn verdrängt jemanden, der schon länger in Österreich ist“, sagt AMS-Chef Kopf zur „Presse“.

(C) DiePresse

In anderen Ländern wie etwa Deutschland ist die Situation ähnlich. Wirtschaftsvertreter verlangen, dass die Anstrengungen für die Integration von ausländischen Bürgern, die schon länger in Österreich leben, erhöht werden.

• Ausblick. Das Schlimmste steht Österreich noch bevor. Im Frühjahr und Sommer wird die Arbeitslosigkeit zwar saisonbedingt wieder sinken, was mit der Lage im Bau- und Baunebengewerbe zu tun hat. AMS-Chef Kopf geht jedoch davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im Jänner 2016 einen neuen Höhepunkt erreichen wird. Inklusive der Schulungsteilnehmer könnten dann knapp unter 500.000 Personen keinen Job haben. Das würde einer Arbeitslosenquote von elf Prozent entsprechen.

• Weniger Schulungen. Obwohl die Arbeitslosigkeit steigt, bleibt das AMS-Jahresbudget mit rund 1,14 Milliarden Euro gleich. Trotzdem muss das AMS auf Initiative der Regierung 120 Millionen Euro zur Bekämpfung der Altersarbeitslosigkeit ausgeben. Ziel ist es, dass immer mehr Menschen, die älter als 50 Jahre sind, einen Job finden. Um das Geld dafür aufzubringen, musste das AMS in anderen Bereichen Kürzungen vornehmen. In der Vergangenheit gab es Kritik an sinnlosen AMS-Schulungen. Darauf hat das AMS nun reagiert und diverse Kurse gestrichen. Das wirkt sich auf die Statistik aus.

In den vergangenen zwölf Monaten ist die Zahl der AMS-Schulungsteilnehmer um 16,9 Prozent auf 66.300 Personen gesunken. In Wien lag der Rückgang sogar bei 28,5 Prozent. Diese Entwicklung offenbart wiederum einen besorgniserregenden Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit.

Die Zahl der Personen, die in den vergangenen zwölf Monaten weder eine Beschäftigung noch eine Schulung des AMS erhalten haben, ist von 8693 auf 20.207 gestiegen. Dies dürfte sich in den nächsten Monaten fortsetzen.

• Regionale Veränderungen. Im Bundesländervergleich war der Anstieg der Arbeitslosenzahl in Wien mit 19,1 Prozent am höchsten, was zur Hälfte mit der sinkenden Zahl an Schulungsteilnehmern zu tun hat. Am geringsten stieg die Zahl der Arbeitslosen in Kärnten (plus 2,3 Prozent) und im Burgenland (plus 4,9). In Europa hat Österreich nach Deutschland weiterhin die zweitniedrigste Arbeitslosigkeit, allerdings verwendet die EU-Statistikbehörde Eurostat hier eine andere Berechnungsmethode. Die höchste Quote hat Griechenland mit 25,8 Prozent, gefolgt von Spanien mit 23,7 Prozent.

AUF EINEN BLICK

Wegen der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Lage ist die Zahl der Arbeitslosen in Österreich im Jänner 2015 erneut gestiegen – und zwar auf 472.539 Personen. Interessant ist, wie sich die Schulungen entwickelt haben. Die Zahl der AMS-Schulungsteilnehmer sank um 16,9 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2015)

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