Casinos Austria werden teilverstaatlicht

"Presse exklusiv". Am 20. März gibt die ÖIAG ihre Abschiedsvorstellung und wird in die ÖBIB umgewandelt. Der Glücksspielkonzern ist der erste große Neuzugang seit vielen Dekaden.

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Wenn Casinos-Austria-Boss Karl Stoss seinem Aufsichtsrat am 25. März die Zahlen für 2014 präsentiert, wird ihm nicht nur das Interesse der Aktionäre Raiffeisen, Schelhammer & Schattera, Maria Theresia Bablik und Münze sicher sein. Ungeteilte Aufmerksamkeit darf er auch vom neuen Großaktionär erwarten.

Denn fünf Tage zuvor, am 20. März, werden die Casinos Austria teilverstaatlicht: Mit der Umwandlung der alten ÖIAG in die ÖBIB (Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH) wird der über die Münze von der Notenbank gehaltene 33,24-prozentige Anteil an den Casinos an die neue Staatsholding übertragen. Das sieht das ÖBIB-Gesetz vor, das am Donnerstag den Bundesrat passiert hat und demnächst in Kraft tritt.

Für die Casinos (Casag) ist das ein ebenso großer Schritt wie für die Staatsholding: Seit mehr als 20 Jahren hat der Glücksspielkonzern grosso modo dieselbe Eigentümerstruktur. Die zuletzt von der Münze, von Schellhammer und von Bablik geäußerten Verkaufswünsche brachten allerdings viel Unruhe ins Haus. Die ÖBIB wird daher als Pluspunkt gesehen –sie bringe jene Stabilität, die zuletzt gefehlt habe, heißt es im Unternehmen.

Die Staatsholding wiederum hat – abgesehen von den Staatsbeteiligungen an maroden Banken in der Fimbag – seit ihrer Gründung 1967 keinen großen Neuzugang gehabt. Sie hält Anteile an Post, OMV und Telekom Austria, eine Ausweitung des Portefeuilles wurde im Zuge der koalitionären Streitereien um die ÖBIB fallengelassen.

Probleme im Ausland

Umso mehr dürfte man sich intensiv mit der neuen Tochter befassen. Denn trotz schwarzer Zahlen (nach einem Verlust 2013) läuft bei der Casag nicht alles rund: Im Auslandsgeschäft gibt es viele Baustellen, so etwa missglückte der Verkauf der Australien-Beteiligung, der rund 100 Mio. Euro bringen sollte. Im Inland wartet Stoss auf die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zur Vergabe der drei neuen Spielbankenlizenzen, wo die Casag leer ausgegangen ist.

Mit Ex-Vienna-Insurance-Chef Günter Geyer sitzt jedenfalls ein Kenner der Materie im neuen ÖBIB-Nominierungskomitee. Diesem gehören noch Andritz-Chef Wolfgang Leitner und die Staatssekretäre Sonja Steßl (SPÖ) und Harald Mahrer (ÖVP) an. Geyer war lange Casinos-Aufsichtsrat.

Zuerst einmal muss die ÖBIB für die neue Beteiligung in die Tasche greifen: Zur Ermittlung des Kaufpreises werden die von PriceWaterhouseCoopers und Leitner-Leitner im Auftrag der Notenbank erstellten Gutachten aktualisiert, sagte Notenbank-Sprecher Christian Gutlederer der „Presse“. Der Wert des Münze-Anteils wurde mit 120 bis 140 Mio. Euro angesetzt.

Der sich bisher selbst erneuernde Aufsichtsrat der ÖIAG trifft sich am 20. März mit Vorstand Rudolf Kemler zur „Abschiedsvorstellung“. Die anschließende Hauptversammlung (in Person des Finanzministers) beschließt die Umwandlung in die ÖBIB. Da deren Geschäftsführer ausgeschrieben wird, dürfte es eine Interimsführung geben. Als wahrscheinlichste Variante wird ein Vertreter des Finanzministeriums kolportiert.

Das Nominierungskomitee muss jedenfalls gleich loslegen: Es gilt 22 Aufsichtsratsposten (je acht OMV und Post, vier Casinos, zwei Telekom) neu zu besetzen.


[KNTOU]

("Die Presse", Printausgabe vom 14.3.2015)

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