Willibald Cernko: "Übermorgen wird das Geld kosten"

Bank-Austria-Chef Willibald Cernko fürchtet, dass die Hypo-Affäre langfristig auch negative Auswirkung auf die Refinanzierungskosten der Republik Österreich haben wird.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Presse: Michael Kemmer, Präsident des deutschen Bankenverbandes – und somit Ihr Pendant – hat gesagt, dass Österreich aufgrund des Schuldenmoratoriums bei der Hypo-Bad-Bank-Heta in den Fußstapfen Argentiniens wandle. Hat er Recht?

Willibald Cernko: Diese Aussage weise ich auf das Schärfste zurück. Wiewohl auch ich immer kritisiert habe, dass der Umgang mit dem Gut Vertrauen in die Institution Staat heikel ist, und ich mir gewünscht hätte, dass man die Dinge anders geregelt hätte. Aber deshalb sehe ich uns noch lange nicht auf einer Ebene mit Argentinien.

Kann es sein, dass nun auch die Banken diesen Vertrauensbruch ausbaden müssen?

Wir sind ja schon seit dem Jahr 2008 beim Vertrauen in die hintersten Ränge durchgereicht worden und haben uns quasi mit der Politik und dem Journalismus um die letzten Plätze gestritten. Wenn es um Vertrauensverlust geht, wissen wir, wovon wir reden. Es wird noch Jahre dauern, bis wir uns wieder zu den vorderen Plätzen zurückgekämpft haben. Dass die Republik einen Weg gewählt hat, der von den europäischen Vorgaben abweicht, halte ich für nicht gut. Denn wir haben nicht nur Banken sondern auch Abbaugesellschaften in das Gesetz eingeschlossen. Die Frage ist nun, haben wir damit ein Foul begangen? Diese Frage werden aber die Gerichte klären müssen.

Jetzt hagelt es negative Schlagzeilen in Deutschland und Großbritannien. Schadet das dem Ruf Österreichs?

Selbstverständlich. Allein, wenn uns Vertreter wie Kemmer kritisieren, der immerhin Chef des Verbandes deutscher Privatbanken ist.

Kemmer hat aber auch eine Vergangenheit bei der BayernLB.

Trotzdem. Und es gibt auch viele Vertreter aus den politischen Lagern, die nun nicht müde werden, uns zu kritisieren. Jetzt kann man natürlich sagen, das haben wir alles nicht gehört. Aber ich kann nur aus den Erfahrungen berichten, die wir als Banken gemacht haben: All dies zahlt ein. Und zwar negativ auf das Vertrauenskonto der Republik Österreich.

Die Ratingagentur Fitch hat angekündigt, dass sich auch das Rating der österreichischen Großbanken verschlechtern wird. Wird auch für die Bank Austria die Refinanzierung teurer?

Es wird mittel- bis langfristig teurer werden. Das gilt übrigens auch für die Republik Österreich. Wenn man am Markt eher gemieden wird, wird man auch entsprechende Aufschläge zahlen. Das sind alles Dinge, die heute nicht relevant sind, die morgen nicht von Bedeutung sind, aber übermorgen sehr wohl Geld kosten werden.

Auslöser der Entscheidung war ja, dass der Bund kein weiteres Steuergeld in Höhe von bis zu 7,6 Milliarden Euro in die Heta stecken will. Da war also das Heute entscheidend und nicht das Übermorgen.

Es hängt vom Auge des Betrachters ab. Hätte der Finanzminister an dem Wochenende, an dem dieser Kapitalbedarf publik wurde, gesagt: Wir zahlen, was auch immer es kostet. Dann wäre in dieser Sekunde die Steuerreform beendet gewesen. So einfach ist das.

So gesehen, wäre die Steuerreform für die Steuerzahler doch noch eine Erfolgsgeschichte.

Das weiß ich nicht, aber man muss das alles in größerem Kontext sehen. Ein andere Frage, die sich für mich auch stellt ist: Woher kommt dieses Schuldenloch plötzlich? Die Hypo Alpe Adria war seit der Verstaatlichung im Jahr 2009 das bestgeprüfte und durchleuchtete – manche sagen sogar zerprüfte – Unternehmen der Republik. Und jetzt plötzlich gibt es dieses Milliardenloch. Dass das alles nur aus neuen Wertansätzen kommen soll, ist für mich eine interessante Frage.

Laut Finanzminister hat seit dem Jahr 2000 bei der Hypo nie eine Zahl gestimmt. Können Sie das nachvollziehen?

Ich würde sagen, das ist eine gefährliche Aussage. Aber ich kann es nicht nachrechnen.

Jetzt wird Österreich für diese Entscheidung international geprügelt. Kann man das aussitzen, oder muss die Politik reagieren?

Ich glaube schon, dass man da nicht einfach zuschauen kann. Es geht schließlich nicht nur um Hedgefonds in Großbritannien oder um Banken in Deutschland, es geht auch um die Menschen in diesem Land, um das Vertrauen in die Institutionen. Schließlich muss sich ein Unternehmer, der für die Republik, für ein Land oder eine Gemeinde eine Leistung erbringt, darauf verlassen können, dass er dafür eine entsprechende Gegenleistung erhält. Es ist noch nicht so weit, aber trotzdem geht es um die Frage: Wann beginnen die eigenen Bürgerinnen und Bürger am Staat zu zweifeln.

Wann wäre dieser kritische Punkt erreicht?

Zur Nagelprobe wird es spätestens im Mai nächsten Jahres (Ende des Schuldenmoratoriums, Anm.)kommen, wenn sich zeigen wird, ob die Republik Österreich dem Land Kärnten zur Seite steht. Oder ob die Republik sagt: Kärnten? Kenn' ich nicht.

ZUR PERSON

Willibald Cernko ist seit Oktober 2009 Vorstandsvorsitzender der Bank Austria. Der gebürtige Steirer sitzt seit dem Jahr 2000 im Vorstand der zum italienischen Unicredit-Konzern gehörenden Bank. Seine Karriere begann Cernko nach dem Studium an der WU Wien im Firmenkundengeschäft der Creditanstalt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2015)

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