AUA-Chef Jaan Albrecht geht von Bord

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Jaan Albrecht geht zu SunExpress / Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER 

Albrecht übernimmt vor Ablauf seines Vertrags eine neue Aufgabe: Er wird Chef von SunExpress, der neuen Langstrecken-Billigairline der Lufthansa. Die AUA sucht einen neuen Chef.

 (DiePresse.com)

Wien. Noch vor kurzem hat Jaan Albrecht gemeint, er fühle sich wie in einem Fußballspiel: Nach der ersten Halbzeit stehe es 1:0, er würde sich freuen, auch die zweite spielen zu dürfen. Jetzt sorgt der AUA-Chef, dessen Vertrag Ende Oktober ausgelaufen wäre, für einen Knalleffekt: Er verlässt die AUA schon Ende Mai und übernimmt bereits mit 1. Juni den Chefposten der Airline SunExpress, einem Joint Venture der AUA-Mutter Lufthansa und Turkish Airlines. Die Entscheidung ist am Dienstag im Aufsichtsrat von SunExpress gefallen.

Wer Albrechts Nachfolger wird, ist noch nicht bekannt. Er soll dem Vernehmen nach aus dem Lufthansa-Konzern kommen und in den nächsten Wochen bei einem AUA-Sonderaufsichtsrat gekürt werden. Die nächste reguläre Sitzung des Gremiums findet erst am 3. Juni statt – so lange dürfte man bei der AUA-Mutter nicht warten wollen. Genannt wird, allerdings mit Außenseiterchancen, auch Vertriebsvorstand Andreas Otto, der erst im September von der Lufthansa zur AUA wechselte.

Harter Job

Mit dem Wechsel tauscht Albrecht einen harten mit einem möglicherweise noch härteren Job. Einmal abgesehen davon, dass er künftig im sonnigen Antalya arbeitet. Denn SunExpress kommt in der neuen Konzernstrategie von Lufthansa-Boss Carsten Spohr eine Schlüsselrolle zu: Die Airline wird zum Langstrecken-Billigcarrier der Lufthansa-Gruppe ausgebaut, der unter dem Dach der Billigmarke „Eurowings“ operieren wird. Dagegen stemmen sich vehement die Piloten und Flugbegleiter, weil bei SunExpress andere (für die Lufthansa günstigere) Arbeitsverträge gelten.

Albrechts Bestellung soll vor allem von türkischer Seite betrieben worden sein. Er hat einst als Chef der Star Alliance Turkish Airlines in das Flugbündnis gebracht und genießt seither hohes Ansehen am Bosporus. Die Lufthansa wiederum, durch das Germanwings-Unglück paralysiert, lege auf einen Konsens mit den Türken großen Wert, heißt es im Konzern.

Die Lufthansa-Regel, dass Verträge von Topmanagern nach Erreichen des 60. Lebensjahres nicht mehr verlängert werden, dürfte indes wenig Ausschlag gegeben haben. Denn Albrecht, der im Jänner 60 wurde, bleibt ja im Konzern. „Der Entschluss, Jaan Albrecht zu bitten, eine neue Funktion im Konzern zu übernehmen, ist uns nicht leicht gefallen“, sagte AUA-Aufsichtsratschef Harry Hohmeister. Albrecht folgt bei SunExpress Paul Schwaiger, der die Airline verlässt.

Erfahrung mit rebellischen Piloten hat Albrecht jedenfalls zur Genüge in seinen dreieinhalb Jahren an der Spitze der AUA gesammelt. Als er seinen Job im November 2011 antrat, stand die AUA am Rand der Pleite. Sie schrieb nicht nur wie schon in den Jahren zuvor tiefrote Zahlen, sie hatte auch kaum Eigenkapital. Albrecht, der seine Karriere bei der Fluglinie Mexicana begann und sich über viele Jahre als Spitzenfunktionär der Internationalen Pilotenvereinigung Ifalpa und dann als Chef der Star Alliance einen Namen als exzellenter Interessenvertreter der Luftfahrt gemacht hatte, wurde nicht zugetraut, andere Saiten aufzuziehen.

Beinharter Sanierungskurs

Er verordnete aber der AUA im Lufthansa-Auftrag einen dramatischen Sanierungskurs und brach dabei auch mit Tabus. So etwa kündigte er nach endlosen ergebnislosen Verhandlungen den „heiligen“ Bordkollektivvertrag und zog im Sommer 2012 den Betriebsübergang des Flugbtriebs zur billigeren Tochter Tyrolean durch.

Daraufhin hagelte es Klagen der Arbeitnehmer, die vom Arbeits- und Sozialgericht sowie vom Europäischen Gerichtshof zum Teil Recht bekamen. Dennoch hielt Albrecht an einer Verhandlungslösung fest. Die kam in letzter Minute zustande: ein neuer Bord-Kollektivvertrag für das gesamte fliegende Personal, mit dem die AUA nun die beste Kostenstruktur im ganzen Konzern hat. Der Betriebsübergang wurde rückgängig gemacht und mit heute, 1. April, ist die Tyrolean in die AUA fusioniert.
Die im Zuge des neuen KV fällige Sonderabfertigung kostete zwar hohe Abschreibungen. Trotz dieser Belastung und der Einbußen durch die Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten konnte Albrecht auch für 2014 einen, wenn auch kleinen, Betriebsgewinn von zehn Mio. Euro bekannt geben. Auf der Habenseite kann der gebürtige Mexikaner auch verbuchen, dass die Lufthansa die lang fällige Erneuerung der Regionalflotte (von Fokker auf Embraer) und drei neue Langstreckenziele (Miami, Mauritius, Colombo) genehmigte.

 

APA AUA-Chefs seit 1969Bild vergrößernAUA-Chefs seit 1969 / Bild: APA 

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