Förderanträge: "Man muss eine Geschichte erzählen"

Als Beraterin hilft Petra Bußwald Start-ups, erfolgreiche Förderanträge zu schreiben. Ein Gespräch über die Kritik am Förderdschungel und warum es wichtig ist, immer alle Fragen zu beantworten.

Wer eine Förderung möchte, muss alle Vorgaben erfüllen
Wer eine Förderung möchte, muss alle Vorgaben erfüllen
Wer eine Förderung möchte, muss alle Vorgaben erfüllen – (c) Bilderbox

Was macht man als Förderberaterin genau?

Petra Bußwald: Beraten. Einen Förderantrag zu schreiben ist ja keine simple Angelegenheit. Es ist so ähnlich wie eine Steuererklärung zu machen, das ist eine eigene Welt. Es reicht nicht, eine brillante Idee zu haben, die richtige Förderschiene zu finden, ein paar Fragen anzukreuzen, und das ist es.

 

Was für Probleme haben Start-ups dabei?

Es sind verschiedene Faktoren. Ein relativ klassisches Problem ist, dass jemand mit einer tollen Ideen kommt, von dieser beseelt ist und zu wenig schaut, was es Vergleichbares gibt. Dabei wird bei einem Förderantrag fast immer gefragt: „Was ist der Unterschied zu anderen Projekten?“ Es kommt auch immer auf das Start-up an. Wenn es eher marktnah ist, dann kann es passieren, dass die Antragstexte zu Werbejargon-artig sind. Dann stehen viel zu wenig Fakten drinnen. In einen Förderantrag müssen auch politische Ziele und der gesellschaftliche Kontext einfließen. Andere Probleme sind formaler Natur. Man schreibt zu lang, zu kurz oder beantwortet einfach die Hälfte der Fragen nicht.

 

Warum muss man alle beantworten?

Das sind Formalvorgaben. Wenn eine Frage nicht beantwortet wird, dann fehlt offensichtlich ein Aspekt.

 

Wie kommt man auf die Idee, Förderberaterin zu werden?

In meinem Fall hat sich das ergeben. Ich habe ein Unternehmen, das Internetlösungen entwickelt und insbesondere im Themenkontext Nachhaltigkeit agiert. Wir machen angewandte Forschungsprojekte und entwickeln Tools, die den CO2-Gehalt berechnen oder Energieerträge simulieren. Bei unserer Gründung vor mehr als 15 Jahren haben wir schnell gesehen, dass ganz normale Aufträge in dem Bereich nicht leicht zu bekommen sind. Also haben wir einfach unsere eigenen Projekte entwickelt und Förderanträge geschrieben. So hat sich das weiterentwickelt. Mittlerweile teilt sich unser Geschäftsbereich zur Hälfte in eigene Projekte, zur anderen Hälfte in Förderberatung. Und eine dritte Perspektive ist noch hinzugekommen: Ich evaluiere und entwickle Förderanträge für verschiedene Förderagenturen in Wien und für Forschungsprojekte auf europäischer Ebene.

 

Wie viele Förderberatungsanbieter gibt es denn in Wien?

Circa 20. Wobei nicht alle EU-Projekte beraten und jeder einen individuellen Hintergrund hat. Einen klassischen Einstieg in den Beruf gibt es ja nicht.

 

Wie viele Förderanträge haben Sie insgesamt schon geschrieben?

Mehrere hundert. Ich habe aufgehört zu zählen.

 

Und machen Sie das noch immer gern?

Ja. Ich finde, es ist eine besondere Herausforderung, gute Projekte so zu beschreiben, dass sie in dem Förderantragsformat funktionieren: Man muss Fragen beantworten und trotzdem eine Geschichte erzählen. Ich finde das auch eine sehr befriedigende Tätigkeit, weil man hilft, Projekte umzusetzen, die gut für die Welt sind. Das ist ja auch der Anspruch von öffentlichen Förderungen.

 

Schreibt man einen erfolgreichen Förderantrag also, indem man es schafft, eine gute Geschichte zu erzählen?

Ja, das kann man schon so sagen. Es ist aber auch wichtig, dass man das Umfeld mitbeleuchtet, die sozialen und gesellschaftspolitischen Aspekte.

 

Lehnen Sie auch Projekte ab, weil sie Ihnen nicht gefallen?

Ja, in Kombination mit Zeitengpässen berate ich lieber Projekte, die mir in Summe sinnvoll erscheinen. Wenn ich die Erfolgswahrscheinlichkeit, eine Förderung zu erhalten, gering einschätze, etwa, weil es schon zu viel Ähnliches gibt, dann sage ich auch, dass man nachdenken soll, ob das Einreichen Sinn ergibt.

 

Stichwort Konkurrenz: Glauben Sie, dass es immer schwieriger wird, gute Ideen einzureichen?

Ja, auf jeden Fall, weil schon viele gute Ideen umgesetzt wurden und es viele Menschen auf der Welt gibt, die Ideen haben.

 

Hat sich der Förderdschungel in den letzten Jahren gelichtet?

Ein Dschungel bietet Vielfalt und Bandbreite, das ist nicht negativ. Es stimmt zwar, dass es nicht einfach ist, aber besser, als gäbe es nur zwei Optionen und diese sind die ganze Zeit ausverkauft.

 

Da muss man unterscheiden. Sie sprechen von Vielfältigkeit, kritisiert wird aber oft die Unverständlichkeit der Anträge.

Natürlich gibt es ein eigenes Vokabular. Auch lesen lassen sich diese Dokumente nicht immer leicht. Es gibt aber ein Bemühen seitens der Förderstellen, die Texte verständlicher zu machen. Man kann auch nachfragen: Das Servicelevel der Förderstellen ist gut.

 

Haben Sie eine Erfolgsrate?

Ich glaube, relativ gut einschätzen zu können, wie hoch die Erfolgswahrscheinlichkeit ist. Das Einschätzungsvermögen ist wichtiger als die Erfolgsrate. Weil es letztlich die Entscheidung des Kunden ist, ob er das Projekt einreichen will oder nicht.

Steckbrief

Petra Bußwald ist Geschäftsführerin der Akaryon GmbH, spezialisiert auf Nachhaltigkeitstools wie CO2-Bilanzen. Sie berät und hilft beim Schreiben vom Förderanträgen, weiters evaluiert sie die Anträge für Förderstellen in Wien und Brüssel. www.akaryon.at www.foerderblog.at
C.C. Trink

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2015)

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