Telekom-Chef Hannes Ametsreiter tritt zurück

Die Konflikte mit dem Mehrheitsaktionär América Móvil waren doch zu groß: Telekom-Austria-Chef Hannes Ametsreiter geht Ende Juli.

BILANZ PK TELEKOM AUSTRIA GROUP: AMETSREITER
BILANZ PK TELEKOM AUSTRIA GROUP: AMETSREITER
APA/HERBERT NEUBAUER

Hannes Ametsreiter tritt am 31. Juli als Chef der Telekom Austria zurück. Offiziell wird das damit begründet, dass sich Ametsreiter beruflich umorientieren wolle. Der plötzliche Rücktritt hat aber zweifellos mit dem Druck des Telekom-Mehrheitsaktionärs América Móvil zu tun. América Móvil des Mexikaners Carlos Slim ist seit Ende 2012 im Telekom-Boot. Zuvor hatte der Investor Ronny Pecik (Ende 2011) begonnen, Zug um Zug Telekom-Aktienpakete zu erwerben. Ein Jahr später verkaufte er an die Mexikaner. Mittlerweile hält América Móvil bereits 59,7 Prozent der Telekom-Anteile.

Schon Pecik hatte nie ein Hehl aus seiner Skepsis gegenüber Ametsreiter gemacht. Wenige Monate, nachdem er sich in die Telekom eingekauft hatte, meinte er in einem Interview: „Ich halte das Unternehmen für unterbewertet und undermanaged. Es gehört eine bessere Führung her.“ Die Frage, ob er die Ablöse von Ametsreiter betreibe, beantwortete er so: „Ich bin auf dem besten Weg dorthin.“ Und der „Presse“ gab er einst zu Protokoll, er würde Ametsreiters Job „um einen Euro“ machen.

So weit ist es natürlich nicht gekommen. Aber die Stimmung zwischen Ametsreiter und dem wortgewaltigen Aufsichtsratsmitglied Pecik, der in dem Kontrollgremium die Interessen der Mexikaner vertritt, war wenig überraschend einigermaßen frostig.

Machtübernahme Zug um Zug

Im Frühling 2014 schließlich päppelte América Móvil die Telekom Austria mit rund einer Milliarde Euro auf – und es kam zu einem Syndikatsvertrag mit der damaligen Staatsholding ÖIAG (jetzt ÖBIB), die 28,4 Prozent an der Telekom hält. Es war so etwas wie eine in Vertragstext gegossene Machtübernahme durch die Mexikaner: Acht von zehn Kapitalvertretern im Aufsichtsrat wurden von ihnen ernannt; zwei von drei Vorstandsmitgliedern sind ebenfalls mexikanische Kandidaten.

Als im vergangenen März der Mexikaner Alejandro Plater zum Telekom-Vorstandsmitglied ernannt wurde, meinte der scheidende Aufsichtsratschef Rudolf Kemler: "Ich wünsche dem neuen CEO (Vorstandsvorsitzender, Anm.) alles Gute."

Telekom Austria Ð Konzernchef Ametsreiter geht
Telekom Austria Ð Konzernchef Ametsreiter geht
APA

Ob's reine Boshaftigkeit war oder ein Freud'scher Versprecher: Daneben lag Kemler mit der Wortspende keineswegs. Denn laut Syndikatsvertrag hatte Hannes Ametsreiter zu dem Zeitpunkt auch schon sein Dirimierungsrecht im Vorstand verloren. Heißt: Bei Stimmengleichheit im Vorstand durfte er nicht mehr alleine entscheiden. Eine klassische Entmachtung.

Schon damals hieß es hinter vorgehaltener Hand: Der Mexikaner Carlos Slim habe die "Spielchen" in der Telekom Austria satt. Er habe in den vergangenen zwei Jahren 2,5 Mrd. Euro in die Telekom gebuttert. Da sei profundes Management und eine gute wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns wohl nicht zu viel verlangt. Überdies zweifelten die von den Mexikanern in die Telekom entsandten Aufsichtsratsmitglieder an den in Sitzungen präsentierten Konzernzahlen.

Vor gut einem Jahr tauchte dann auch noch in den Medien ein Brief Peciks an Regierungsvertreter auf. Darin schrieb er, die Telekom befinde sich wirtschaftlich „in einer Todesspirale“.

Zuletzt galt es daher als offenes Geheimnis, dass Ametsreiters Vertrag, der im kommenden Herbst zur Verlängerung ansteht, aufgelöst wird.

ZUR PERSON

Hannes Ametsreiter wurde im Jahr 2009 Vorstandsvorsitzender der börsenotierten Telekom Austria. Zuvor war der gebürtige Salzburger, der Publizistik und Kommunikationswissenschaft sowie Sportwissenschaft studierte, Marketing-Vorstand bei der Handytochter Mobilkom, die inzwischen in den Konzern fusioniert ist. Der Vater von zwei Töchtern hat auch ein MBA-Studium an der Pepperdine University in den USA absolviert.

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