S&P: Österreichs Bankensystem ist instabil

Österreichs Banken sind zu schwach mit Kapital ausgestattet, so die Ratingagentur Standard & Poor's. Zusammen mit dem Wettbewerbsdruck auf dem heimischen Markt ergäbe sich dadurch eine gefährliche Mischung.

USA NEW YORK STANDARD AND POORS =
USA NEW YORK STANDARD AND POORS =
USA NEW YORK STANDARD AND POORS = – (c) JUSTIN LANE / EPA / picturedesk. (JUSTIN LANE)

Wien. Auf eine durchschnittliche Quote von knapp sechs Prozent Kernkapital kommt die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) für die heimischen Banken. Diese Zahl ist niedriger als die offiziellen regulatorischen Kennzahlen, weil S&P bei seiner eigenen Berechnung konservativere Kriterien anlegt, sagt Markus Schmaus, Senior Director für Financial Institutions, am Mittwoch vor Journalisten. Durch die eigenen Berechnungen seien die Zahlen jedoch international vergleichbar.

Und dieser internationale Vergleich sollte den heimischen Bankmanagern sowie der Aufsicht zu denken geben. Denn Österreichs Banken liegen in einem Vergleich der 50 größten Banken in Westeuropa im hinteren Bereich. Nur Institute in Irland, Griechenland, Portugal und Spanien sind im Schnitt noch geringer mit Eigenkapital ausgestattet. Italien oder Frankreich liegen bereits vor Österreich. Und von Werten wie in Deutschland (zehn Prozent) oder gar der Schweiz (13 Prozent) sind die heimischen Finanzinstitute überhaupt weit entfernt.

 

Schwächer als Konkurrenten

„Die großen österreichischen Banken sind bei ihrer Kapitalausstattung weit hinter ihren internationalen Konkurrenten“, so Schmaus. Und während Letztere in den vergangenen Jahren bei der Kapitalausstattung zulegen konnten, habe sich bei den heimischen Instituten kaum etwas getan.

Zwei Gründe identifiziert S&P für dieses Problem. Erstens hätten die Banken in den vergangenen Jahren kaum Maßnahmen gesetzt, um externes Kapital (etwa in Form von Hybridkapital) anzuziehen. Das hänge einerseits mit den fehlenden regulatorischen Rahmenbedingungen, andererseits aber auch mit der Wahrnehmung Österreichs auf dem Kapitalmarkt zusammen. „Die Refinanzierung ist wegen der Vorgänge rund um die Hypo-Bad-Bank Heta schwieriger geworden“, so Anna Lozmann, Director für Financial Institutions.

Der zweite Grund ist, dass die Banken auch zu wenige Erträge generieren können, um intern Kapital aufzubauen. Dies hänge auch an der heimischen Bankenabgabe, die „in den besten Jahren sogar die Hälfte aller Nettoerträge weggefressen hat“, sagt Lozmann.

Diese schwache Kapitalausstattung treffe nun auf eine zunehmend schärfere Wettbewerbssituation. „Es gibt zu viele Banken und daher so viel Wettbewerb, dass die Margen für die Institute sehr gering sind. Zu dieser Situation kommt nun noch das niedrige Zinsumfeld hinzu.“ Außerdem würden sich die heimischen Großbanken, die unter den sinkenden Erträgen in Osteuropa leiden, nun wieder verstärkt auf den Heimmarkt konzentrieren und die Konkurrenzsituation weiter anheizen.

 

Pleiten stehen nicht bevor

„Wir sehen das Bankensystem daher als instabil an“, so Lozmann weiter. Dies bedeute zwar nicht, dass Institute schon kurz vor der Pleite stehen würden. „Einige Banken werden aber in Schwierigkeiten geraten, genügend Erträge zu generieren, um das geforderte Kapital aufzubauen. Langfristig ist in einem solchen Umfeld nicht gewährleistet, dass alle Banken Bestand haben.“ (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2015)

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