OeNB-Chef Ewald Nowotny schickt den Euro auf Talfahrt

Nowotny fordert Maßnahmen der Staaten - aber die Märkte sehen ein Signal für mehr lockeres Geld.

(c) Bloomberg (Akos Stiller)

Wien/Warschau. Kommentare des Chefs der Oesterreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, haben den Kurs des Euro am Donnerstag geschwächt. Der Kurs brach von einem Sieben-Wochen-Hoch von 1,15 Dollar pro Euro auf 1,13 Dollar pro Euro ein. Der Grund? Nowotny hat neue Signale in Richtung einer weiteren Lockerung der EZB-Geldpolitik gegeben. Beziehungsweise wurden seine Kommentare von den Märkten so aufgefasst. Tatsächlich sprach sich Nowotny nämlich lediglich für strukturelle Maßnahmen seitens der nationalen Regierungen aus.

Nowotny sagte in der Früh in Warschau, das Inflationsziel der EZB werde deutlich verfehlt. Die ungewöhnlich schwache Inflation in der Eurozone geht vor allem auf niedrige Energiepreise zurück. Die EZB könne die Ölpreise nicht beeinflussen, hat Nowotny gesagt. Aber auch die Kernrate der Preisentwicklung ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel liegt nach Einschätzung des Währungshüters „klar unter dem anvisierten Ziel“.

 

„Zusätzliche Instrumente“

Im Kampf gegen die zu niedrige Inflation „nutzt die EZB derzeit die geldpolitischen Instrumente, die zur Verfügung stehen“, so Nowotny. Seit März kauft die Notenbank Wertpapiere in einem Volumen von 60 Mrd. Euro pro Monat. Das Programm soll bis September 2016 laufen. Nun liege es an der Politik in der Eurozone, weitere strukturelle Maßnahmen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit zu ergreifen.

„In meinen Augen ist es offensichtlich, dass wir eine Reihe von zusätzlichen Instrumenten brauchen“, sagte der österreichische Notenbankchef. Dazu gehörten sowohl Strukturreformen als auch Maßnahmen, um das Wirtschaftswachstum über eine höhere Nachfrage bei Firmen und Verbrauchern anzukurbeln. (ag./jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2015)

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