Studie: Milliardenloch bei Pensionen – Regierung tut wenig

Das österreichische Pensionssystem hat ein Nachhaltigkeitsproblem. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des internationalen Beratungsunternehmens Mercer. Doch die Regierung wartet mit Reformen ab.

MINISTERRAT: BM HUNDSTORFER
MINISTERRAT: BM HUNDSTORFER
HUNDSTORFER – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Wien. Immer wieder versichert Österreichs Sozialminister, Rudolf Hundstorfer (SPÖ), dass das österreichische Pensionssystem stabil und die Finanzierung gewährleistet sei. So zeigte sich Hundstorfer zuletzt zufrieden, weil der Bundeszuschuss für die Pensionen im Vorjahr um 80 Millionen Euro geringer ausgefallen ist als angenommen. Doch die 80 Millionen Euro sind ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn der Zuschuss für die gesetzliche Pensionsversicherung lag bei über zehn Milliarden Euro.

Am Montag hat das internationale Beratungsunternehmen Mercer zu diesem Thema eine Studie veröffentlicht. Untersucht wurden die Pensionssysteme in 25 Ländern. Österreich schafft es nur auf Platz 18. Musterschüler ist Dänemark, gefolgt von den Niederlanden, Australien und Schweden. Auf Rang fünf liegt die Schweiz. Auch Irland, Deutschland, Frankreich, Polen und die USA bekommen bessere Noten als Österreich.

Die Österreich-Ergebnisse wurden in Zusammenarbeit mit dem Thinktank Agenda Austria ermittelt. Die Studie bewertet die Pensionssysteme anhand von drei Fragen: Ist die Höhe der Pensionen angemessen? Ist das jetzige System auch künftig finanzierbar, also nachhaltig? Wie vertrauenswürdig sind die Möglichkeiten einer privaten Pensionsvorsorge?

 

Dringender Reformbedarf

Bei der ersten Frage (Höhe der Pensionen) schneidet Österreich gut ab. Hier erhält das Land 67,6 von 100 möglichen Punkten.

Katastrophal ist jedoch die Bewertung bei der Nachhaltigkeit des Pensionssystems. Hier bekommt Österreich nur 17,2 von 100 Punkten. Damit liegt Österreich von den 25 analysierten Ländern an vorletzter Stelle. Lediglich in Italien ist die Situation noch schlechter. Bei der dritten Frage (Vertrauenswürdigkeit der privaten Altersvorsorge) schafft Österreich 76,8 Punkte.

Mercer macht die Studie jedes Jahr. Im Vergleich zu 2014 ist Österreich in der Kategorie Nachhaltigkeit weiter zurückgefallen. Um das Pensionssystem zukunftsfähig zu machen, schlägt Mercer ein umfassendes Reformpaket vor. So soll das gesetzliche Pensionsantrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Auch soll ein flexibler Übergang in den Ruhestand ermöglicht werden. Zu den weiteren Empfehlungen gehören die Erhöhung der Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer sowie eine schnellere Erhöhung des Pensionsantrittsalters für Frauen.

Der Zeitpunkt für die Mercer-Studie ist brisant. Denn bis Ende Februar 2016 wollen die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP entscheiden, ob das Pensionssystem reformiert werden soll. Die ÖVP fordert ein rasches Maßnahmenpaket, doch die SPÖ steigt hier auf die Bremse. Zuletzt ist die Pensionsproblematik wegen der Flüchtlingskrise und der gestiegenen Arbeitslosigkeit jedoch in den Hintergrund geraten.

Die Industriellenvereinigung verlangte am Montag, dass die Regierung die Ergebnisse der Mercer-Studie zum Anlass nimmt, um endlich eine Reform in Angriff zu nehmen. „Jedes Kind kann sich ausrechnen, dass Nachhaltigkeit im österreichischen Pensionssystem reines Wunschdenken ist“, sagte Therese Niss, Bundesvorsitzende der Jungen Industrie. „Die Politik untergräbt hier seit Jahren ihre Glaubwürdigkeit, das Vertrauen der Jüngeren in das staatliche Pensionssystem ist seit Jahren wenig überraschend kaum mehr vorhanden“, so Niss. Hier sollte man den Menschen endlich „reinen Wein“ einschenken anstatt sich weiter „durchzuwursteln“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2015)

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