ÖBB: Postenschacher statt Reform

Die ÖBB-Reform droht wegen "Politfarbenlehre" verzögert zu werden. Nach der Absage des ehemaligen CDU-Politikers Andreas Moschinski-Wald beginnt sich das politische Farbenkarussel zu drehen.

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(c) (Clemens Fabry)

Wien. Die Ministerratssitzung am kommenden Dienstag wird in den ÖBB mit Spannung erwartet. Denn an diesem Tag soll die neue ÖBB-Reform beschlossen werden, die zu einer deutlichen Reduktion der Teilgesellschaften der Bahn und damit einer Verschlankung der Strukturen führt. Ob diese Reform nun beschlossen wird, ist aber alles andere als sicher. Wie „Die Presse“ berichtete, kündigte ÖVP-Verkehrssprecher Ferdinand Maier an, dass seine Partei nicht zustimmen werde. Im Zuge der Reform müsse nämlich auch die Wirtschaftlichkeit von Projekten wie dem Koralmtunnel überprüft werden, verlangt er.

 

Kampf um den Finanzvorstand

Dies dürfte aber nur ein Grund für die ablehnende Haltung der ÖVP sein. So geht es laut „Presse“-Informationen auch um die Besetzung eines wichtigen Managerpostens bei der Bahn, den die ÖVP für sich reklamiert. Es handelt sich dabei um den Finanzvorstand der Personenverkehrstochter. Bis Oktober 2008 hatte der als VP-nah geltende Josef Halbmayr den Posten inne. Dieser ist seither jedoch Finanzchef der ÖBB-Holding. Der Posten wurde daher ausgeschrieben, und bereits im Februar schien alles klar. Der Deutsche-Bahn-Manager und ehemalige CDU-Politiker Andreas Moschinski-Wald war der Erstgereihte unter den Kandidaten.

Moschinski-Wald sagte den ÖBB jedoch kurzfristig ab, nachdem er bei der Deutschen Bahn einen besseren Job angeboten bekam. Logischerweise hätte nun der Zweitgereihte auf der Liste, ÖBB-Treasury-Manager Günther Hek, zum Zug kommen müssen. Gegen Hek sprach jedoch, dass er der linken Reichshälfte zugerechnet wird. Und laut der politischen Farbenlehre muss die ÖVP im Personenverkehr neben den beiden „roten“ Vorständen Gabriele Lutter und Werner Kovarik auch einen Posten haben.

Daher wurde der Geschäftsführer der Wiener Linien, Walter Andrle, aus dem Hut gezaubert. Dies sorgte jedoch für Aufregung, da Andrle gar nicht auf der Liste jener Kandidaten war, die von der Personalberatung Egon Zehnder zum Hearing geladen worden waren. Die Entscheidung über den neuen Finanzvorstand wurde daher von einer Aufsichtsratssitzung zur nächsten verschoben. Nun soll die ÖVP dem Vernehmen nach den Sack jedoch endgültig zumachen und den Drittgereihten zum Vorstand küren wollen. Dabei handelt es sich um Hannes Höllinger, zurzeit Inhaber der HKH Business Consulting Laxenburg. Höllinger gilt als fähiger Kandidat und war vor einigen Jahren bereits beim heimischen Mobilfunkbetreiber T-Mobile (damals noch max.mobil) für Finanzen zuständig. Dennoch wurde er nach dem Hearing hinter Hek gereiht.

Mit der angedrohten Blockade der ÖBB-Reform scheint die ÖVP nun den Widerstand gegen ihre Personalwünsche brechen zu wollen. Eine Entscheidung könnte schon bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 16. Juni erfolgen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2009)

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