Neuer Postchef: Der SPÖ gehen die Manager aus

Mit Georg Pölzl übernimmt erstmals ein ÖVP-naher Manager die Führung des gelben Riesen. Die SPÖ besetzt immer weniger Spitzenposten in staatsnahen Unternehmen. Tatsächlich trifft der Verlust der Post als „rote Bastion“ die SPÖ ins Mark.

(c) APA (Barbara Gindl)

Bis zur letzten Sekunde wurde gefeilscht, als ginge es um den Posten des Staatschefs. Tatsächlich ging es „nur“ um den Chefsessel bei der Post. Das Rennen hat Georg Pölzl gemacht: Pölzl hat viele Eigenschaften, die ihn für diesen heißen Job empfehlen: Er ist Österreicher, war zuletzt Topmanager bei der Deutschen Telekom – er hat also Auslandserfahrung – und gilt als exzellenter Sanierer. Etwas ist Pölzl dezidiert nicht: Sozialdemokrat. Damit entspricht er nicht der politischen Farbenlehre, die seit jeher die Post dominiert. Der Vorstand – vor allem der Chefposten – war traditionell eine Bastion der SPÖ.

Deshalb stimmte die rote Reichshälfte auch nur mit Zähneknirschen der Wahl Pölzls zu. Immerhin: Im Vergleich zu seinem Konkurrenten Herbert Götz sei Pölzl „weniger schwarz“. Außerdem wolle man einen geschätzten Parteigenossen bei der Knochenarbeit, den schwerfälligen Monopolisten für die Liberalisierung fit zu trimmen, nicht verheizen.

Tatsächlich trifft der Verlust der Post als „rote Bastion“ die SPÖ ins Mark. Die Umfärbung des machtpolitisch wichtigen Unternehmens fügt sich nahtlos in einen Trend, der den Genossen Unbehagen verursacht. Der SPÖ kommen nach und nach Toppositionen in staatsnahen Konzernen abhanden.

Einerseits, weil Unternehmen in den vergangenen Jahren verkauft wurden: Die einstige Gewerkschaftsbank Bawag ist an die US-Fondsgesellschaft Cerberus verkauft worden; die „rote“ Länderbank ist in der Bank Austria aufgegangen, die zwar ebenfalls den Sozialdemokraten zugerechnet wurde, mittlerweile aber der italienischen UniCredit gehört; die Austria Tabak, einst ebenfalls „rote“ Hochburg, gehört jetzt der Japan Tobacco International.

In den meisten Fällen erfolgte die Umfärbung aber, weil sich die SPÖ seit geraumer Zeit schwertut, Kandidaten zu finden, die der Sozialdemokratie zumindest nahe stehen. Die Beispiele (siehe Grafik)reichen von AUA bis Verbund. Die Telekom Austria wird von Hannes Ametsreiter geführt, der ebenso als bürgerlich gilt wie sein Vorgänger Boris Nemsic. Zuvor war Heinz Sundt am Ruder, auch kein Linksaußen. Bei der AUA, wo einst der Proporz regierte, dominiert „Rot“ nur in der Bilanz. Der „Rechtsruck“ kam schon mit Alfred Ötsch, der vorzeitig abgelöst worden ist.
Der nächste Tiefschlag für die SPÖ kommt bei der OMV, wenn 2011 der langjährige „rote“ General Wolfgang Ruttenstorfer in Pension geht. Selbst die Verstaatlichtenholding ÖIAG, früher auch streng nach Proporz geführt, ist mit Peter Michaelis fest in schwarzer Hand. Sollte Michaelis tatsächlich zu Jahresende abtreten, hat die ÖVP (wer sonst?) angeblich schon einen Kandidaten an der Hand: Wilfried Stadler, der Ende Juni bei der Investkredit ausscheidet.

Abgesehen von der Voest, deren Chef Wolfgang Eder fuchsteufelswild wird, sobald er einer Partei zugerechnet wird, bleiben nur drei Unternehmen der öffentlichen Hand, die von „Roten“ geführt werden: die ÖBB mit Peter Klugar, der ORF mit Alexander Wrabetz und der Flughafen Wien mit Herbert Kaufmann. Alle drei sitzen nicht fest im Sattel. Was in der Partei ordentlich für Unmut sorgt: Die Partei habe es verabsäumt, wird hinter vorgehaltener Hand geschimpft, enge Beziehungen zu SP-nahen Managern zu pflegen. Sobald ein Posten frei werde, würden stets die gleichen Namen fallen. Und die Jobs gingen schlussendlich an die ÖVP.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2009)

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