85-Jährige zu alt für eine Kreditkarte?

Banken geben laut Pensionistenverband älteren Menschen trotz einwandfreier Bonität keine Kreditkarte. Beim Kreditkartenanbieter card complete zeigt man sich überrascht.

Zu alt für eine Kreditkarte?
Zu alt für eine Kreditkarte?
Zu alt für eine Kreditkarte? – BilderBox.com

Die durchschnittliche Lebenserwartung ist mittlerweile auf  rund 81 Jahre angestiegen. Sind 85-Jährige nun für eine Kreditkarte zu alt? Ja, den Eindruck könnte man bekommen, wenn es nach den Aussagen des Pensionistenverbandes Österreichs geht. Dort häufen sich laut Generalsekretär Andreas Wohlmuth Beschwerden von älteren Bankkunden, denen die Kreditkarte nicht verlängert wird. Beim Verband wollte man keine Bankennamen nennen. Dem Vernehmen nach ziehen sich die Fälle aber quer durch die Branche.

Die Banken selbst hätten diesbezüglich "interne Bestimmungen" bzw. "interne Regularien", sagte Wohlmuth. Als Beispiel für Betroffene nannte er zwei 85-jährige Akademiker, trotz guter Bonität und jahrelanger Treue. Der Antrag auf eine neue Kreditkarte wurde im genannten Fall unter Berufung auf eine "geschäftspolitische Entscheidung" abgelehnt. Eine Bank habe sogar angeraten, eine Ablebensrisikoversicherung dazwischen zu schalten.

Kreditkarte ist Standard

Auf Reisen und bei Einkäufen im Internet sei die Bezahlung via Kreditkarte in der heutigen Zeit Standard, kritisiert Harald Glatz, Konsumentenschutzsprecher des Verbandes. Finanziell gut situierten Menschen statt ihrer bisherigen Kreditkarte eine aufladbare Prepaid-Karte bzw. 'Shopping-Card' anzubieten, sei eine Beleidigung.

Überrascht davon zeigt sich Heimo Hackel, Vorstandschef des österreichischen Kreditkartenanbieters card complete: "Also ich höre das das erste Mal, dass es so etwas überhaupt gibt. Mir ist kein einziger Fall bekannt", zur APA. "Nichts ist geregelt - jeder, der rechtsfähig ist, kann - die entsprechende Bonität vorausgesetzt - bis zu seinem Tod eine Karte haben. Die einzige Regelung, die wir haben, ist, dass die Karte dann erlischt.". Mit der Praxis eines Alterslimits habe card complete nichts zu tun. Hackel verweist auf die Banken. Grundsätzlich bestehe für die Banken aber "kein Kontrahierungszwang". Sie könnten die Geschäftsbeziehungen vor Beginn oder während der Laufzeit verweigern. Die Bank übernimmt die Haftung und gibt die Einlösungszusage.

Bankmitarbeiter geben sich überrascht

Bankangestellte der Bank Austria wissen nichts von derlei Fällen. "Das habe ich in fast 30 Jahren nicht erlebt, dass älteren Menschen die Verlängerung der Kreditkarte verweigert worden wäre - wenn es das gäbe, wäre mir das schon untergekommen", hieß es aus der Bank. Eine Ablebensversicherung in dem Alter sei "zwar nett, aber nicht leistbar", lautete der Kommentar zu diesem angeblich gemachten Vorstoß eines Geldinstituts. Interne Vorgaben zur Nicht-Verlängerung von Kreditkarten ab einem gewissen Alter gebe es bei der Bank Austria jedenfalls nicht.

Kredite müssen mit 75 getilgt sein

Anders sei dies sehr wohl bei den Kreditvergaben. "Mit 75 muss er getilgt sein." Laut Kreditvergaberichtlinie ende die Laufzeit mit diesem Alter, heißt es von der Bank Austria. Doch es geht auch anders. Die BKS Bank ließ Anfang März mit einem "Silberkredit" für Personen ab 65 Jahren mit guter Bonität aufhorchen. Die Laufzeit könne individuell bestimmt werden, hieß es in einer Pressemitteilung. Der Kreditbetrag werde einmalig ausbezahlt und sei an keinen Verwendungszweck gebunden, kann also für eine Reise oder ein neues Auto ebenso verwendet werden wie für die Modernisierung des Eigenheimes.

Die Kreditanfragen aus dieser Altersgruppe seien in den letzten Jahren stark angestiegen, teilte Vorstandschefin Herta Stockbauer mit. Eine Kreditvergabe an Personen über 65 Jahre war bis dato aber nur in Einzelfällen möglich", räumte die BKS-Chefin ein.

(APA)

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