Immobilien: Asiatisches Geld fließt nach Wien

Investoren aus China und Südkorea nehmen den Wiener Immobilienmarkt ins Visier. Zum Verkauf stehen Objekte wie der Design-Tower und die Millennium-City.

 Für den Wiener Design-Tower am Donaukanal wird ein neuer Eigentümer gesucht.
 Für den Wiener Design-Tower am Donaukanal wird ein neuer Eigentümer gesucht.
Für den Wiener Design-Tower am Donaukanal wird ein neuer Eigentümer gesucht. – (c) APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. In Wien soll mit dem Design-Center schon wieder eine große Immobilie verkauft werden. Die österreichische Uniqa-Versicherung, der das Gebäude am Donaukanal gehört, erhofft sich einen Erlös von mehr als 100 Millionen Euro. In dem Turm ist unter anderem ein Fünfsternehotel untergebracht. Die beabsichtigte Transaktion ist kein Einzelfall. Österreichs Banken und Versicherungen trennen sich von diversen Gebäuden und Liegenschaften. Schuld daran sind unter anderem die strengeren Eigenkapitalvorschriften. So müssen beispielsweise die Banken verschiedene Immobilien, die sie nicht selbst nutzen, mit bis zu dreimal mehr Eigenkapital unterlegen.

Die Verkaufswelle führt dazu, dass in Österreich der Immobilien-Investmentmarkt zuletzt neue Rekordstände erreichte. Laut Zählung von EHL Immobilien gab es 2014 eine Reihe von Transaktionen im Ausmaß von drei Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es bereits 3,45 Milliarden Euro. „Wir gehen davon aus, dass wir heuer das Niveau des Vorjahres erreichen werden“, sagt Franz Pöltl, EHL-Investmentexperte, im „Presse“-Gespräch.

Das große Interesse an Immobilien hängt laut Pöltl mit der Niedrigzinsphase zusammen. „Mit Anleihen verdienen Investoren kaum noch Geld“, sagt der Experte. Mit Immobilien kann man unter anderem durch die Mieteinnahmen jährlich vier bis fünf Prozent erzielen. Auch heuer gab es bereits wichtige Transaktionen. So wurde Mitte Mai der 142 Meter hohe Büroturm IZD Tower (Internationales Zentrum Donaustadt) an der Wagramer Straße vom US-Immobilienfonds CBRE erworben.

Die Amerikaner tätigten das Investment für einen Kunden aus Südkorea. Dem Vernehmen nach ging es dabei um ein Volumen von 250 Millionen Euro bis 300 Millionen Euro. Verkäufer war ein deutscher Fonds der Investmentgesellschaft Signa rund um den Tiroler Investor René Benko.

 

Investoren stehen Schlange

Laut „Presse“-Informationen sollen in Wien derzeit neben dem Design-Tower zwei weitere prominente Objekte zum Verkauf stehen. Dazu gehört die Millennium-City, die dem Vernehmen nach 500 Millionen Euro wert sein soll.
Für den riesigen Gebäudekomplex im zwanzigsten Wiener Bezirk sollen sich Investoren aus aller Welt interessieren. Auch der sogenannte Austria Campus im zweiten Bezirk soll zum Verkauf stehen.

Einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter Immobilieninvestoren zufolge ist zu erwarten, dass der österreichische Markt zunehmend Käufer aus Asien, meist aus China und Südkorea, anzieht. Die asiatischen Investoren legen ihr Geld verstärkt im Ausland an, um ihr Risiko breiter zu streuen. Sie haben aber nicht nur Wien, sondern alle europäischen Großstädte im Visier. „Österreich genießt wie Deutschland bei Investoren aus Asien einen guten Ruf“, sagt EHL-Experte Pöltl. Grund sei die politische und wirtschaftliche Stabilität.

Einer der führenden Verkäufer auf dem österreichischen Immobilienmarkt war in den vergangenen Jahren die UniCredit-Tochter Bank Austria. Dem Vernehmen nach verfügte die Bank einst über ein Immobilienportfolio von rund einer Milliarde Euro. Ein wichtiger Komplex war das Bahnhofs- und Einkaufszentrum The Mall in Wien Landstraße, das im Vorjahr für kolportierte 500 Millionen Euro von einem Immobilienfonds der US-Bank Morgan Stanley erworben wurde. Dabei handelte es sich um eine der größten Immobilientransaktionen in Österreich der vergangenen Jahre.

Auch vom Wiener Donauturm hat sich die Bank getrennt. Bei der Bank Austria heißt es, dass man abgesehen von kleineren Objekten bereits das meiste verkauft habe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2016)

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