Fachkräftemangel: Rechnungshof kritisiert Erhebung

Viele offene Stellen werden dem AMS doppelt gemeldet. Wie viele, weiß man nicht. Mehr als die Hälfte der offenen Stellen im Bereich Elektro und Metall kam im Juni 2007 von Leiharbeitsfirmen.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien (b.l.). Vor zwei Jahren war der Facharbeitermangel– vor allem im Metallbereich– in aller Munde. Aufgrund dessen wurde die Zahl der Arbeitslosen, die zu Metall- und Elektrofachkräften ausgebildet wurden, erhöht. Zudem wurde der heimische Arbeitsmarkt gegenüber Osteuropäern für die Berufe Schweißer, Dreher und Fräser teilweise geöffnet. Diese Berufe wurden als „Mangelberufe“ qualifiziert, weil es pro gemeldeter offener Stelle weniger als 1,5 Jobsuchende gab.

Inzwischen ist die Liste der Mangelberufe auf über 60 angewachsen, hinzugekommen sind etwa Dachdecker, Maurer, Köche. Seit Mitte des Vorjahres erhielten mehr als 8000 Personen auf diese Weise eine Beschäftigungsbewilligung. Die Arbeitgeber mussten sich vom AMS bestätigen lassen, dass sie keinen Österreicher oder bereits integrierten Ausländer für den Job gefunden haben.

 

„Mangel an Daten“

Der Rechnungshof kritisiert, dass eine exakte Quantifizierung des Bedarfs mangels verlässlicher Daten weder vom AMS noch von Wirtschaftsforschern erhoben werden konnte, weil „in Österreich keine Verpflichtung für Unternehmen zur Meldung von offenen Stellen bestand“. Schätzungen zufolge wurde damals nur ein Drittel der offenen Stellen dem AMS gemeldet, inzwischen ist diese Zahl gestiegen.

Umgekehrt werde nicht erhoben, wie viele Stellen doppelt gemeldet würden, etwa durch Leiharbeitsfirmen, die für denselben Job bei einem Kunden einen Mitarbeiter suchten. Mehr als die Hälfte der offenen Stellen im Bereich Elektro und Metall kam im Juni 2007 von Leiharbeitsfirmen. Der Rechnungshof forderte das AMS auf, „darauf zu achten, wie oft dieselbe offene Stelle durch gewerbsmäßige Arbeitskräfteüberlasser gemeldet wurde“. Dieses wies die Kritik zurück: Man könne die Leiharbeitsfirmen zwar fragen, für welchen Auftrag sie jemanden suchten, nicht alle würden aber darüber Auskunft geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2009)

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