Discothekenpleite: Krida-Prozess gegen Kovats eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Wien hat die Anklage gegen den Industriellen und zwei Geschäftspartner zwei Jahre nach Prozessbeginn zurückgezogen

Kovats
Kovats
(c) APA (HANS KLAUS TECHT)

Wien.Es ging weder um Betrug noch um Untreue, sondern „nur“ um betrügerische Krida. Dennoch gingen die Wogen hoch, als der Industrielle Mirko Kovats und seine ehemaligen Geschäftspartner Franz Mock und Wolfgang Gröger vor zwei Jahren vor Gericht standen. Topmanager und Kleinaktionärsschützer forderten die Verschärfung des Corporate Governance Codex und genaue Regeln für Manager in Unternehmen, wie sie bisher nur in Banken und Versicherungen existieren. Schließlich war es hierzulande das erste Mal, dass ein „aktiver“ Vorstandsvorsitzender eines börsenotierten Konzerns – Kovats ist Hälfte-Eigentümer und Chef der A-Tec – in einem Strafprozess angeklagt war. Bei einer Verurteilung hätten zehn Jahre Haft gedroht.

Jetzt, zwei Jahre und hunderte Gutachterseiten später, können Kovats und Co. aufatmen. Die Staatsanwaltschaft Wien hat die Anklage im Zusammenhang mit der Pleite einer Discothek in der Shopping City Süd (SCS) zurückgezogen, das Verfahren wird eingestellt, bestätigte Staatsanwalt Gerhard Jarosch der „Presse“.

Der Grund: Der aus dem Bawag-Prozess bekannte Experte Thomas Keppert hat in einem von den Angeklagten (für die natürlich die Unschuldsvermutung galt) beauftragten Gutachten die Expertise von Gerichtsgutachter Matthias Kopetzky, der in dem komplizierten Firmengeflecht undurchsichtige Geldflüsse geortet hatte, ziemlich zerlegt. Daraufhin wurde Kopetzky noch einmal zu einer Stellungnahme bemüht.

 

Nicht einbringliche Forderung

Das Fazit: Die Forderungen der „E&I Immobilien Development“ gegen ihre Tochter, die im Jahr 2000 in Konkurs gegangene Discothek „A2 Südpol“, wären schon in den Jahren 1995 bis 1999, als Kovats, Mock und Gröger in wechselnder Funktion Geschäftsführer waren, nicht mehr einbringbar gewesen. Daher kann die Handlungsweise des Managertrios, vereinfacht ausgedrückt, keine betrügerische Krida gewesen sein.

Die Vorgeschichte: Die E&I-Immobilien Development, die Kovats und Mock gehörte, soll laut Anklage zwischen Oktober 1996 und 1997 bewusst auf die Geltendmachung von Mieten und Benutzungsentgelten gegen die A2 Südpol Discothekenbetriebs GmbH verzichtet haben. Die Anklage warf den drei Managern vor, Vermögenswerte (konkret Mieten und Betriebskosten) verschleiert beziehungsweise nicht in Rechnung gestellt und die Disco vorsätzlich in Konkurs geschickt zu haben. Durch die Pleite seien die Gläubiger SCS, Erste Bank und eine Leasingfirma geschädigt worden. Die Anklage fußte auf einer Anzeige der SCS. Der Schaden wurde mit 523.000 Euro beziffert.

Kovats, dessen Mischkonzern A-Tec heute, Dienstag, die Halbjahreszahlen vorlegt, hatte wiederholt die Vorwürfe zurückgewiesen. „Das war kein Betrug, da niemand geschädigt worden ist“, sagte er damals. Aufgrund des schlechten Geschäftsgangs der Discothek wäre die Miete ohnedies nicht einbringlich gewesen. Genau dieses Argument haben auch die beiden Gutachter Keppert und Kopetzky ins Treffen geführt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2009)

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