AUA ist im Handgepäck der Lufthansa

90 Prozent der AUA gehören nun offiziell der deutschen Lufthansa, die so zur größten Fluglinie Europas wird. Auf die AUA kommt ein scharfes Sparprogramm zu, die Marke bleibt aber erhalten.

(c) EPA (HANS KLAUS TECHT)

Die Übernahme der Austrian Airlines (AUA) durch den deutschen Lufthansa-Konzern ist abgeschlossen. Lufthansa-Boss Wolfgang Mayrhuber und ÖIAG-Chef Peter Michaelis haben am Flughafen die Übergabe der Aktien symbolisch vollzogen. Michaelis bezeichnete den Verkauf als die "komplizierteste Transaktion" der ÖIAG bisher. "Ich bin aber sicher, dass wir für die AUA keinen besseren Partner finden konnten."

Im Anschluss lädt das Management die Führung zu einer Mitarbeiterversammlung, außerdem finden die konstituierenden Sitzungen des neuen Aufsichtsrats und des Spitzenmanagements statt. Damit wird die Lufthansa-Gruppe noch vor AirFrance/KLM zu der mit Abstand größten Fluggesellschaft Europas, die im Jahr rund 100 Millionen Passagiere befördert.

AUA muss viel sparen

Die seit Jahren defizitäre AUA hat in den vergangenen Monaten drei Sparpakete geschnürt: Auf Einsparungen von 50 Mio. Euro ab 2008 folgten im heurigen Frühjahr - mit der Verschärfung der Krise - Kostensenkungen von 225 Mio. Euro. Mittlerweile wurde ein weiteres "Nachhaltigkeitsprogramm" akkordiert, das den Abbau von 1.000 Stellen und einen Gehaltsverzicht von fünf Prozent auf die nächsten fünf Jahre vorsieht. Es soll zusammen mit Lufthansa-Synergien Ergebnisbeiträge von rund 300 Mio. Euro pro Jahr bringen. Die AUA beschäftigt aktuell noch 7.300 Mitarbeiter.

Geldverbrennung soll 2010 enden

Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber will, dass die AUA nach der Integration in den Lufthansa-Konzern bereits nächstes Jahr kein Geld mehr verliert. "Wir verbrennen derzeit Geld, wir sind cash-negativ. Wir werden nächstes Jahr cash positiv sein", sagte Mayrhuber nach der symbolischen Übergabe der Aktienmehrheit am Donnerstag in Wien. Dann werde die Latte gelegt, so schnell wie möglich wieder operativ positiv zu sein.

Der Turnaround werde dem Unternehmen noch einiges abfordern. "Wir wollen rote Uniformen und keine roten Zahlen", sagte Mayrhuber. Die "Redimensierung" habe bereits begonnen "ohne am Passagier zu sparen". Mayrhuber sprach von einem "Dreiklang: Abbauen, Umbauen, Aufbauen". Mit dem Abbau sei bereits begonnen worden, die anderen Schritte würden folgen. "Wir wissen aber, dass wir keine Wunder erwarten können", so der Lufthansa-Chef.

"Mit dem heutigen Tag beginnen wir im Unternehmensverbund die Zukunft der AUA gemeinsam zu entwickeln", sagte Mayrhuber. Die AUA habe "kein Produktproblem, die AUA hat ein Kostenproblem". Die Luftfahrtindustrie sei in einer schwierigen Lage und die AUA habe mit einer besonders schwierigen Wettbewerbssituation zu kämpfen gehabt. Dass der Deal trotzdem gelungen sei, beweise, dass die AUA für die Lufthansa ein langfristiges Investitionsprojekt sei, "sonst hätten wir das nicht gemacht".

Fast jeder zweite Chef geht

Die AUa strafft die Führungsstruktur und schafft 45 Prozent der Führungsposten ab. Die Zahl der Vice Presidents - sie leiten die Geschäftsfelder - sinkt von 24 auf 14. Gemeinsam mit den 14 Senior Directors - sie leiten die Stabsfunktionen und einige ausgewählte Fachbereiche - bilden sie künftig das Obere Management der Austrian Airlines Group. Insgesamt wird die Anzahl der Führungskräfte im Konzern auf allen Ebenen von derzeit 347 um rund 45 Prozent auf rund 180 Personen reduziert.

Vorstand bleibt aber

Das seit Jahresbeginn amtierende Management-Duo der Austrian Airlines (AUA), Peter Malanik und Peter Bierwirth, wird auch nach der Übernahme im Cockpit bleiben. "Von uns aus wollen wir diese erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzen", sagte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer, der im Lufthansa-Vorstand für die Integration zugekaufter Airlines zuständig ist und den Vorsitz im neue Aufsichtsrat - der sich in den nächsten Stunden konstituiert - übernehmen wird: "Es gibt keine 'hidden agenda'". Auch Mayrhuber zieht in den AUA-Aufsichtsrat ein.

Große Zugeständnisse der Lufthansa

Die Lufthansa hatte für die Genehmigung der Übernahme umfassende Zugeständnisse an die europäischen Wettbewerbshüter gemacht. Dazu gehört eine Regelung für die effiziente und zügige Zuteilung von Zeitnischen für Starts und Landungen. Auf den Strecken, bei denen sich die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission im Verlauf der Untersuchung bestätigten (Strecken von Wien nach Frankfurt, München, Stuttgart, Köln und Brüssel), können somit Markteinsteiger Flüge anbieten und bereits bestehende Angebote von Wettbewerbern verbessert und ausgeweitet werden. Außerdem werden Markteinsteigern, die während eines vorab festgelegten Zeitraums auf einer Strecke tätig sein werden, unter bestimmten Bedingungen angestammte Rechte für die relevanten Zeitnischen eingeräumt. Im Rahmen der Abhilfemaßnahmen ist darüber hinaus insbesondere die Möglichkeit zur Teilnahme am Vielfliegerangebot von Lufthansa vorgesehen.

AUA bleibt AUA

Die Übernahme wird die Lufthansa bis zu 380 Millionen Euro kosten. Wesentlich mehr zahlt der Staat Österreich, der der AUA eine halbe Milliarde Euro Schulden erlässt.
Die AUA solle wie die übrigen Übernahmen der Lufthansa Swiss, British Midland und die belgische Brussels Airlines als eigenständiger Netzanbieter erhalten bleiben.

Wie die Integration der AUA unter die Flügel der Kranich-Airline genau vonstattengehen soll, will der AUA-Vorstand in "vier bis sechs Wochen", also wohl im Oktober der Öffentlichkeit vorstellen, sagte AUA-Vorstand Bierwirth. Dann soll klar werden, wie das Streckennetz und die Kapazitäten der AUA in Zukunft aussehen werden. Am Bordcatering durch Do&Co soll sich nichts ändern, versprach Bierwirth. Das Essen sei neben der Freundlichkeit und dem Oststrecken-Netz einer der drei Grundpfeiler der AUA.

(Ag./Red)

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