Österreich erzeugt mit weniger Industriejobs mehr Güter

Deutschland und Österreich trotzdem dem Trend der Deindustrialisierung. Dennoch ist der Anteil der Industriearbeiter an der Gesamtbeschäftigung deutlich gesunken.

Metallarbeiter
Metallarbeiter
Der Anteil der Industriearbeiter an den Beschäftigten sinkt in ganz Europa. – APA

In Europa insgesamt verliert die Industrieproduktion an Bedeutung, nur in Österreich, Deutschland und einigen osteuropäischen Ländern steigt ihr Anteil an der Wirtschaft (Bruttowertschöpfung). Obwohl der Industrieanteil wuchs und bei fast 20 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt, gingen auch in Österreich Industriejobs verloren, zeigt eine IHS-Studie, über die der "Standard" berichtet. Maschinen haben Menschen ersetzt, begründen die Studienautoren Brigitte Ecker und Klaus Weyerstraß diese Entwicklung. Der zunehmende Wettbewerb und der technologische Fortschritt seien für die Industriebetriebe auch die größte Herausforderung.

Im Schnitt der 28 EU-Staaten ging der Anteil der Industrie an der Bruttowertschöpfung zwischen 1995 und 2015 von 16,3 auf 15,7 Prozent zurück. Im gleichen Zeitraum sank der Anteil der Industriearbeiter an der Gesamtbeschäftigung wesentlich stärker - von 18,9 auf 13,9 Prozent.

In Österreich legte der Industrieanteil (Verarbeitendes Gewerbe) im um 1,7 Prozentpunkte auf 19,7 Prozent zu - zugleich sank der Beschäftigungsanteil von 18,7 auf 14,6 Prozent. Auch Deutschland, Irland und sieben osteuropäische Staaten kommen auf 20 Prozent oder mehr Industrieanteil. Alle hatten Zuwächse der Industrie und zugleich Rückgänge beim Anteil an der Beschäftigung. In der Slowakei verdoppelte sich der Anteil der Industrieproduktion auf 23,4 Prozent (vor allem Dank der Autoindustrie), während zugleich der Beschäftigungsanteil um 4,6 Prozentpunkte auf 21,6 Prozent sank.

Nur noch 9,5 Prozent Anteil in Großbritannien

In Großbritannien liegt der Anteil der Industrie an der Wirtschaftsleistung nur mehr bei 9,5 Prozent, in Frankreich sind es 11 Prozent, in Spanien 13 Prozent. Große Rückgänge ihrer Industrie erlebten auch Griechenland, Italien und Portugal. In Luxemburg halbierte sich der Industrieanteil auf gut fünf Prozent. Großbritannien setzte bewusst auf Dienstleistungen - Finanzdienstleistungen im Besonderen - und strich der Kohleindustrie die Förderungen, ohne andere Industriezweige aufzubauen. Andere Länder verloren aufgrund des Wettbewerbs mit Ländern wie China, zitiert der "Standard" die Studienautoren.

Wie wichtig die industrielle Basis ist, zeigte sich in der Krise von 2008: Länder mit starker Industrie erholten sich rascher. Es "zeigte sich, dass die volkswirtschaftliche Leistungskraft (gerade auch von Österreich) maßgeblich von der sachgütererzeugenden Industrie abhängt", heißt es in der Studie.

Im Lichte dieser Entwicklung sei es "ambitioniert", dass die EU 2012 das Ziel ausgerufen hat, bis 2020 auf 20 Prozent Industrieanteil an der Bruttowertschöpfung zu kommen. Auch hätten andere Sektoren wie Gesundheit oder wissensintensive Dienstleistungen ein höheres Wachstumspotenzial.

>>> Bericht auf "derstandard.at"

(APA)

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