Banken räumen in Osteuropa auf

Österreichs Banken haben das Engagement in Russland und in der Ukraine deutlich reduziert. Daher hebt Moody's den Ausblick für die Institute von „Negativ“ auf „Stabil“ an.

Die Raiffeisen-Tochter in der Ukraine baute Filialen und Mitarbeiter ab.
Die Raiffeisen-Tochter in der Ukraine baute Filialen und Mitarbeiter ab.
Die Raiffeisen-Tochter in der Ukraine baute Filialen und Mitarbeiter ab. – (c) REUTERS (MAXIM SHEMETOV)

Wien. Jahrelang wurden Österreichs Banken von den internationalen Ratingagenturen geprügelt. Angeprangert wurde vor allem das überdurchschnittlich starke Engagement in Osteuropa. Nach Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 senkte Moody's den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der österreichischen Institute auf „Negativ“. Andere Agenturen handelten ähnlich. Damit verteuerte sich für die Banken die Geldaufnahme auf den Finanzmärkten. Institute mit schlechtem Rating müssen meist höhere Zinsen zahlen.

Doch nun gibt es eine Trendwende. Nach sieben Jahren hat Moody's nun den Ausblick von „Negativ“ auf „Stabil“ angehoben. Begründet wird dies mit dem stärkeren Kapitalpuffer, den die österreichischen Banken in den vergangenen Jahren aufgebaut haben. Zudem begrüßen die Moody's-Analysten den Abbau von Risken in Ländern, in denen das wirtschaftliche und politische Umfeld nicht so gut ist.

Seit 2012 haben Österreichs Banken ihre Assets in Zentral- und Osteuropa um sieben Prozent auf 303 Milliarden Euro reduziert. Die 303 Milliarden Euro entsprechen 29 Prozent des gesamten Geschäftsvolumens der heimischen Banken. In den nächsten Monaten wird die Bank Austria ihre Aktivitäten in Zentral- und Osteuropa an die italienische Konzernmutter UniCredit abtreten. Damit wird das Ost-Engagement der österreichischen Institute auf unter 200 Milliarden Euro sinken, schätzt Moody's. Die 200 Milliarden Euro entfallen dann im Wesentlichen auf die Erste Group und die Raiffeisen Bank International.
Die Töchter in Osteuropa führen dazu, dass Österreichs Banken im Vergleich zu Finanzkonzernen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz mehr faule Kredite in ihren Büchern haben. Doch Osteuropa ist nicht gleich Osteuropa. Die Moody's-Analysten unterschieden hier zwischen den einzelnen Ländern. Sie begrüßen es, dass die Banken seit 2012 ihr Engagement in den riskanteren Ländern deutlich zurückgefahren haben – in der Ukraine wurde das Geschäft um 75 Prozent reduziert, in Russland waren es 29 Prozent.

Auch in anderen Staaten gab es einen Abbau wie in Slowenien (minus 43 Prozent), Ungarn (minus 15 Prozent), Kroatien (minus 15 Prozent) und in Rumänien (minus neun Prozent). Gleichzeitig bauten die Geldhäuser ihre Aktivitäten in Nachbarländern, die wirtschaftlich gut dastehen, aus, wie in Tschechien (plus 14 Prozent) und in der Slowakei (plus sieben Prozent).
Die meisten Problemkredite haben Österreichs Banken derzeit in Rumänien und in Ungarn. In beiden Ländern gibt es bei 16 Prozent aller ausständigen Kredite Probleme mit der Rückzahlung. In Kroatien sind es 13 Prozent, in Russland zwölf Prozent und in Bulgarien elf Prozent. Zum Vergleich: In Tschechien liegt die Quote bei vier Prozent und in der Slowakei bei fünf Prozent.

Stabiles Umfeld für die Banken

Moody's geht davon aus, dass das wirtschaftliche Umfeld für die Banken in den nächsten zwölf bis 18 Monaten in Österreich, Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien und der Slowakei stabil bleiben wird. Hinzu kommen abnehmende Risken in Russland, in der Ukraine und in Kroatien.
Zudem profitieren die Institute von der wirtschaftlichen Erholung im Osten. Für Österreich erwartet Moody's für die Jahre 2016 bis 2020 nur ein niedriges Wachstum von durchschnittlich 1,3 Prozent pro Jahr. Viele osteuropäische Länder stehen hier besser da.
In Tschechien dürfte die Wirtschaft heuer um 2,1 Prozent zulegen, in der Slowakei sind es 3,2 Prozent, in Polen 3,5 Prozent und in Rumänien 4,2 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2016)

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