Wien Holding: „Wir sind ein fast gläserner Konzern“

Hier schlägt das große wirtschaftliche Herz des roten Wien. Holding-Chef Peter Hanke will dennoch nicht als undurchsichtiger Riese gelten.

Chef der Wien Holding, Peter Hanke.
Chef der Wien Holding, Peter Hanke.
Chef der Wien Holding, Peter Hanke. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Beim Forum Alpbach in Tirol war man vertreten. Nicht bei den Gesprächen über Raumplanung und Baukultur, sondern als einer der Eröffnungsgastgeber am Vorabend der Wirtschaftsgespräche. Diese Betonung ist dem Chef der Wien Holding, Peter Hanke, wichtig. „Wir fühlen uns als ein Wirtschaftsunternehmen – natürlich als ein kommunales mit hundertprozentiger Beteiligung der Stadt Wien.“ In der Holding schlägt das wirtschaftliche Herz der SPÖ-regierten Bundeshauptstadt. Und der Mann an ihrer Spitze übt sich in der Quadratur des Kreises. Das muss er, will er mit dem nötigen Elan erfreuliche Bilanzzahlen präsentieren, die das Wachstum der Wien Holding abbilden – und gleichzeitig Kritiker zum Verstummen bringen, die in der Gesellschaft mit ihren rund 75 Töchtern und 2900 Beschäftigten ein omnipräsentes Monster sehen.

Umsatz verdoppelt

Denn eines ist wahr: Seit dem Neustart 2002 (siehe nebenstehenden Artikel) wurden aus den 33 Töchtern mit 258 Mio. Euro Umsatz rund 75 Töchter-, Enkel-, Urenkel- und Ururenkelgesellschaften. Alle zusammen erwirtschafteten sie mit 548 Mio. Euro 2015 mehr als das Doppelte von 2002. „Unser Ziel ist es nicht, hundert Unternehmen zu haben. Wir gehören nicht zu diesen Monstern oder Vielfraßen, die immer größer werden wollen“, betont Hanke. Sein Selbstbild ist klar: „Wir sind die Inkubatoren, die Entwickler, die Unterstützer.“ Aktiv werde man dort, wo es kommunale Aufgaben gebe, wie in der Stadtentwicklung, in der es Subventionsleistungen wie in der Kultur brauche. Oder dort, wo man nachhelfen und „Wirtschaftsthemen aufgreifen muss, bei denen die Entwicklung nicht ganz gegeben ist“. Konkret unterteilt der Konzern seine Geschäftsbereiche in Immobilien, Kultur, Logistik und Medien.

Um ein Gefühl für die Bandbreite des Holding-Imperiums zu bekommen: Peter Hanke und seine Vorstandskollegin Sigrid Oblak haben das letzte Wort in so unterschiedlichen Unternehmungen wie der Therme Wien, der Stadthalle, den Vereinigten Bühnen, dem Wiener Hafen, dem Stadtsender W24 und der Gesiba. Sie unterstehen direkt ihrer Chefin, Finanz- und Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner. „Aber wir haben natürlich zu allen Stadträten und zum Bürgermeister entsprechende Kommunikationskanäle.“ Dass die Wiener Regierung über die Holding-Pläne informiert ist und dem Investitionsvolumen von heuer 172 Millionen Euro ihren Segen gegeben hat, liegt nahe. Aber nicht nur die Politiker, auch der Bürger könne sich ein Bild von der wirtschaftlichen Umtriebigkeit der Stadt machen, sagt Hanke. Und fügt einen angesichts der Konzerngröße ironisch wirkenden Nachsatz hinzu: „Wenn man sich die Zeit nimmt.“

Unangenehme Fragen wischt er gekonnt beiseite. Kolportierte Reibereien mit seiner Kollegin Oblak, die gegenüber ihm, dem Betriebswirt, „im Konzern die Magistratsschiene abdeckt“, gebe es nicht. Die Zusammenarbeit funktioniere seit 2009 vorzüglich. Diverse nicht lang zurückliegende oder laufende Prüfungen des Stadtrechnungshofs wegen undurchsichtiger Prämiensysteme, des Sanierungsfalls Stadthallenbad oder der Vergabepraxis der Vereinigten Bühnen – die allesamt dem Einflussbereich der Holding unterliegen? „Wir sind mehrfach geprüft. Ich glaube, dass wir ein fast gläserner Konzern sind“, antwortet Peter Hanke.

Für Hanke gibt es eine klare Devise: Niemals ginge man in Geschäftsfelder, die die Privatwirtschaft bereits ordentlich im Griff habe. „Wir wollen nicht allein selig machend sein.“ Daher bevorzuge man mittlerweile, als Partner an der Seite von Privatunternehmen zu agieren. Als Beispiel nennt Hanke die 50:50-Partnerschaft mit dem Verkehrsbüro bei der Schifffahrtsgesellschaft DDSG Blue Danube.

„Man sollte keine Konkurrenz zur Privatwirtschaft suchen“, sagt der Holding-Chef. Lieber betont er, dass sein Konzern jährlich 1,3 Milliarden Euro zur österreichischen Bruttowertschöpfung beitrage und mehr als 16.000 Arbeitsplätze sichere – das hat man sich im Vorjahr zum wiederholten Mal durch eine Studie belegen lassen.
Genau in diesem kommunalen Bereich müsse man eine Wien Holding messen, betont Hanke – „an ihrem Beitrag für das Wien von 2025“. [ www.bigshot.at/Christian Jungwirth ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2016)

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