Doppler: Das Geschäft mit dem Regen

Familie Würflingsdobler stellte sich gegen die Komplettverlagerung ihrer Schirmproduktion und setzt auf hochpreisiges Handwerk.

Ein Schirm besteht aus bis zu 300 Einzelteilen (Symbolbild).
Ein Schirm besteht aus bis zu 300 Einzelteilen (Symbolbild).
Ein Schirm besteht aus bis zu 300 Einzelteilen (Symbolbild). – (c) APA/GEORG HOCHMUTH

Braunau am Inn. Seine Mitarbeiter würden über verregnete Sommer jubeln, sagt Martin Würflingsdobler. Was skurril erscheint, ist verständlich, wenn man sein Unternehmen kennt: Würflingsdobler ist Juniorchef des Braunauer Regenschirmherstellers Doppler.

Das 1946 vom Urgroßvater gegründete Unternehmen nahm in den Sechzigern zwar auch Sonnenschirme und Sitzauflagen ins Programm auf. Schließlich habe man sich gefragt, was man macht, wenn es einmal nicht regnet. Ein weiser Schachzug: Das Sommergeschäft bringt heute zwei Drittel des Umsatzes. Dennoch stehen den eine Million jährlich verkauften Sonnenschirmen rein zahlenmäßig vier Millionen Regenschirme gegenüber. Spätestens mit Übernahme des Konkurrenten Knirps 2005 sind die Innviertler zum Schwergewicht in Europas Schirmbranche aufgestiegen.

 

Kleine Freiheit

In Hongkong wird seit 1990 der „Großteil“ der bis zu 300 Einzelteile hergestellt, aus denen ein Doppler-Schirm besteht. „Wir stehen zur Fernostproduktion. Das ist nichts, was wir verstecken“, sagt Martin Lackner, der seit der Knirps-Übernahme die Geschicke der Marke lenkt. Anders als die meisten Konkurrenten kappten die Würflingsdoblers zwar durch den Schritt ihre Lohnstückkosten, beließen die Endfertigung vieler Modelle aber im Heimatort. 160 der 240 Mitarbeiter arbeiten in Braunau. „Wir stehen zu dem Standort. Er wird sicher nicht verkleinert“, betont der 31-jährige Juniorchef, den es im Vorjahr vom BMW-Konzern in den Familienbetrieb zog, „wo die eigenen Entscheidungen viel unmittelbarer sichtbar sind.“ Das soll so bleiben.

„Wir haben mit der Manufaktur einen Weg gefunden, wie man sich mit Eigenproduktion profiliert“, sagt er. 18.000 Doppler-Schirme jährlich sind made in Austria. In Braunau werden in einstündiger Handarbeit die teureren Modelle, etwa aus Kastanie und italienischem Satin, gefertigt. Die Firma führt heute Schirme in sechs Preisklassen bis zu 300 Euro, exportiert in 35 Länder und kooperiert mit Edelmarken wie Louis Vuitton und Rolls-Royce. Wobei bei Zweiterem gilt: Wer einen der 8000 im Jahr produzierten Schirme haben will, muss die Luxuskarosse erstehen. Weshalb die mit dem Auto mitgelieferten Stücke auf eBay rund tausend Euro erzielen.

 

Sturmsicher im Windkanal

Seit 2005 konnte der Betrieb seinen Umsatz um fünfzig Prozent auf 55 Mio. Euro steigern. Die dem handlichen Schirm seinen Namen gebende übernommene Konkurrenz Knirps hätte „sich zu stark auf ihre Marke verlassen“, sagt Lackner – das soll in Braunau nie passieren. Weshalb die Firma stetig Neues probiert: etwa einen solarbetriebenen, 4000 Euro teuren Sonnenschirm oder einen Zwerg von Regenschirm mit 140 Gramm aus Fiberglas und Aluminium. Getestet wird das Neue im BMW-Windkanal bei bis zu 100 km/h auf „Sturmsicherheit“.

„Kleine Rückschläge“ habe es öfter gegeben, so Würflingsdobler. Äußere Faktoren wie die Baumax-Pleite, die Russland-Sanktionen oder ein sehr trockener Sommer seien spürbar. Aber das Credo vom „nachhaltigen Wachstum mit nachhaltigen Schirmen“ habe sie vor Gröberem bewahrt. Wie um diesen Gedanken zu untermauern, reparieren die Würflingsdoblers jährlich bis zu 20.000 Schirme. Je älter, desto lieber. Dann können sie beweisen, dass der Regenschirm kein Wegwerfprodukt ist, sondern nach 30 Jahren nur ein neues Gelenk benötigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2016)

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