"Schockierend, wie für krankmachende Produkte geworben wird"

In Österreich fordern Ernährungsmediziner von der Politik Werberestriktionen und Eingriffe in die Preisgestaltung.

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Die Presse/Michaela Bruckberger

Während in Ländern wie Großbritannien und Deutschland bereits Werberestriktionen und Eingriffe in die Preisgestaltung von Lebensmitteln bereits „auf der politischen Tagesordnung stehen“, hinke Österreich hinterher, kritisiert das ÖAIE. Das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin fordert die Regierung auf, "endlich aktiv zu werden". ÖAIE-Präsident Kurt Widhalm: "Bereits jetzt ist knapp ein Viertel aller 13- bis 17-Jährigen zu dick, Tendenz stark steigend. Wir müssen daher bereits im Kindesalter mit wirkungsvollen Präventions-maßnahmen beginnen, um nicht eine Generation an chronisch Kranken heranzuziehen".

"Mit Informationskampagnen ist es nicht getan"

"Mit Informationskampagnen ist es noch nicht getan", so Widhalm. "Es ist schockierend, wie in Österreich für nachweislich krankmachende Produkte wie fettes Fleisch, Fast Food und zuckerhaltige Softdrinks geworben werden darf."

Bereits vor sechs Jahren unterzeichneten 192 WHO-Mitgliedsstaaten - darunter auch Österreich - eine Resolution, weltweit die Werbung für Essen und Getränke einzudämmen, die zu hohe Anteile an gesättigten Fettsäuren, Transfetten, Zucker und Salz enthielten. In einer diesen Sommer erschienenen Studie stellt die WHO fest, dass die bisher getroffenen Anstrengungen nicht ausreichen. Sie fordert alle Regierungen dazu auf, gesetzlich bindende Maßnahmen zu schaffen und Produzenten zur Rechenschaft zu ziehen, die sich nicht an Werberestriktionen halten.

In Österreich hat sich laut ÖAIE wenig getan. Die EU-Kommission brachte unterdessen eine neue Gesetzesvorlage ein, wonach die Nahrungsmittelindustrie auf freiwilliger Basis die Werbung für ungesunde Produkte einschränken soll, so das ÖAIE. Außerdem solle Werbung künftig auch nicht positive Aspekte eines Produktes hervorheben dürfen, wenn das Produkt insgesamt einen zu hohen Anteil an Fett, Zucker oder Salz enthält.

"Staatliche Eingriffe in Preisgestaltung"

Eine Studie der American Society for Nutrition zeigt laut ÖAIE jedenfalls auf, dass eine Beeinflussung der Preisgestaltung auch abseits neuer Steuern funktionieren kann: Über ein Jahr hinweg erhielten 7.500 Haushalte mit niedrigem Einkommen 30 Prozent Rabatt auf Einkäufe von gesundem Obst und Gemüse. Als Ergebnis kam heraus, dass diese Gruppe um rund 20 Prozent mehr gesunde Nahrungsmittel konsumierte als die Vergleichsgruppe. "Diese Studie zeigt, dass staatliche Eingriffe in die Preisgestaltung nicht automatisch mit der Einführung neuer Steuern einhergehen müssen", sagte Widhalm. "Gesunde Produkte billiger zu machen, ist sicher die beste Möglichkeit, das Ernährungsverhalten der Menschen positiv zu beeinflussen."

(APA)

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