Nur neun Frauen in den Chefetagen von Börsenkonzernen

In börsennotierten Firmen haben nach wie vor kaum Frauen das Sagen. Eine Quote wird es in nächster Zeit wohl dennoch nicht geben.

Börsennotierte Firmen werden in Österreich nach wie vor fast ausschließlich von Männern geführt, ergab eine Untersuchung des Beratungskonzerns EY. Der Frauenanteil in Vorstandsetagen liegt bei 4,6 Prozent. Rechnerisch gesehen ist der Frauenanteil der Vorstandsmitglieder der 64 im Wiener Börse Index (WBI) notierten Konzernen im Vergleich zum Vorjahr (Stichtag: 30. Juli) minimal von 4,5 auf 4,6 Prozent angestiegen. Der Zuwachs ist jedoch nicht auf eine höhere Anzahl von Frauen zurückzuführen, sondern darauf, dass im Vorjahr vier Vorstandsposten weggefallen sind.

Drei der insgesamt neun Vorständinnen leiten ihr Unternehmen als CEO: Herta Stockbauer ist Chefin der BKS Bank, Karin Trimmel führt den Kräuterlikörhersteller Gurktaler und seit 1. Jänner 2016 lenkt Elisabeth Stadler die Geschicke des Versicherungsriesen Vienna Insurance Group (VIG). Stadler ist die erste Frau an der Spitze eines ATX-Unternehmens. Finanzvorständinnen gibt es in Österreich nur mehr zwei, im Vorjahr waren es vier.

Den "höchsten" Frauenanteil gibt es in der Automobilbranche (9 Prozent) und im Immobiliensektor sowie in der Finanzbranche (jeweils 8 Prozent). Fünf Branchen sind wie voriges Jahr rein männlich: Energie, Informationstechnologie, Telekommunikation, Transport/Logistik und "Sonstiges", erhob das Beratungsunternehmen EY.

Parteien bei Quote zurückhaltend

Die Parlamentsparteien sind bei dem Thema Quote großteils zurückhaltend. Eine Frauenquote in den Vorständen privatwirtschaftlicher Betriebe durchzusetzen sei schwierig, hieß es etwa aus dem SPÖ-Parlamentsklub gegenüber der APA. "Das müsste man anders machen, zum Beispiel mit einer verpflichtenden Frauenförderung im Betrieb." Weiters will die Kanzlerpartei bei Einkommensberichten ansetzen. "Die sollten schon ab 100 Mitarbeitern verpflichtend sein." Wichtig sei auch der Ausbau von Ganztagsschulen und Kinderbetreuung.

Für Aufsichtsräte wäre eine verpflichtende Quote aus Sicht der SPÖ hingegen wichtig: Dass dies wirkt, sehe man bei Unternehmen mit einem Staatsanteil ab 50 Prozent. Dort liege die Frauenquote bei 38 Prozent, in den Wiener-Börse-Unternehmen laut EY lediglich bei 17,6 Prozent.

 ÖVP: Privaten keine Vorschriften machen

Auch die ÖVP verweist auf die freiwillige Selbstverpflichtung, die die öffentliche Hand 2011 einging. "Mit dem Ministerratsbeschluss zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsgremien von Unternehmen, die einen Bundesanteil von 50 Prozent und mehr aufweisen, hat die Regierung einen wichtigen Schritt gesetzt." Privaten Unternehmen will die ÖVP jedoch bei der Personalwahl keine Vorschriften machen. "Entscheidend ist, dass wir die Rahmenbedingungen und Anreize für den Aufstieg von qualifizierten Frauen laufend verbessern", so die Volkspartei.

Aus Sicht der FPÖ "sind Quoten nicht geeignet, für die Frauen etwas zum Besseren zu verändern. Frauen punkten durch Leistung und haben es nicht notwendig, sich auf 'Quotenfrauen' reduzieren zu lassen", meint die blaue Frauensprecherin Carmen Schimanek. Viel wichtiger seien "Maßnahmen, die sich an den Lebensrealitäten der Frauen orientieren". Frauen hätten "wesentlich mehr davon, wenn man endlich bestehende finanzielle Benachteiligungen beispielsweise infolge von Erwerbsunterbrechungen durch Kindererziehungszeiten in Kollektivverträgen beseitigt oder die Anrechnung der Kindererziehungszeiten für die Pension verbessert."

Ablehnend, was verpflichtende Quoten betrifft, gibt sich auch das Team Stronach. TS-Frauensprecherin Martina Schenk will stattdessen auch einmal über Männerquoten nachdenken, etwa in frauendominierten Berufen im pädagogischen Bereich und in der Pflege. "Hier hat sich seit Jahren kaum etwas getan. Kinder brauchen auch männliche Bezugspersonen." Die Debatte um Frauenquoten in Aufsichtsräten betreffe nur einen geringen Prozentsatz aller Frauen, daher wären "breitenwirksamere" frauenpolitische Maßnahmen wichtiger. Nach Ansicht des Team Stronach sollte der Staat niemandem vorschreiben können, welche Mitarbeiter ein Eigentümer oder Manager einzustellen hat.

Neos: "Beseitigung der Teilzeitfalle"

Ähnlich argumentieren die Neos, die gegen "gesetzliche Zwangsverpflichtungen für Unternehmen" sind. "Gleiche Teilhabe am Arbeitsmarkt wird nicht durch brachiale staatliche Interventionen erreicht, sondern durch entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen. Eine Quote ist eine Zwangsmaßnahme. Als Anhänger_innen der Eigenverantwortung sind wir hier sehr skeptisch." Stattdessen sollten "versteckte Fallen" am Arbeitsmarkt abgeschafft werden, zum Beispiel sollte man mehr Kinderbetreuungsplätze schaffen. "Flexible Arbeitszeiten und die Beseitigung der Teilzeitfalle werden den Frauenanteil in den Führungsetagen erhöhen", meinen die Neos.

Als einzige Partei klar für eine Quotenregelung auch für Vorstände sind die Grünen. "Ja, es braucht eine verpflichtende Frauenquote von 40 Prozent in den Aufsichtsräten aller österreichischen börsenorientierten Unternehmen", so die Grüne Frauensprecherin Berivan Aslan. Ziel sollten freilich 50 Prozent sein, schließlich sei ja die Hälfte der Bevölkerung weiblich. "Derzeit gibt es Quoten ja nur für die staatsnahen Unternehmen. Dass die Quote von 35 Prozent Frauenanteil dort bereits vor Ende der Frist (2018) erreicht wird, zeigt nur, dass Quoten funktionieren. Wie übrigens auch in allen anderen Bereichen, wo verbindliche Quoten gesetzt werden (Beispiel Norwegen)." Auch bei Vorständen sähen die Grünen eine Quote als Lösung für das Problem des "Frauenausschlusses". "In vielen Unternehmen sind die Vorstände jedoch sehr klein und bestehen aus ein, zwei oder drei Personen", schränkt die Frauensprecherin ein. "Für Ein-Personen-Vorstände wäre ein Reißverschlussprinzip eine probate Möglichkeit, den Frauenanteil im Vorstand zu erhöhen."

(APA)

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