Wirtschaftsweise fordern vorzeitiges Ende der EZB-Anleihenkäufe

Laut Wirtschaftsweisen ist das Ausmaß der expansiven EZB-Geldpolitik „angesichts der wirtschaftlichen Erholung nicht mehr angemessen".

Ökonomen klopfen der EZB auf die Finger.
Ökonomen klopfen der EZB auf die Finger.
Ökonomen klopfen der EZB auf die Finger. – (c) APA/dpa/Frank Rumpenhorst

Frankfurt. Die Wirtschaftsweisen haben die Europäische Zentralbank (EZB) aufgefordert, ihre vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe vorzeitig zu stoppen. Zwar habe die EZB mit den außergewöhnlich expansiven Maßnahmen wesentlich zum konjunkturellen Aufschwung im Euro-Raum beigetragen, erklärte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seinem am Mittwoch veröffentlichten Jahresgutachten. "Das Ausmaß der Lockerung ist aber angesichts der wirtschaftlichen Erholung nicht mehr angemessen." Aus Sicht der Experten wäre es besser, "die Anleihenkäufe zu verlangsamen und früher zu beenden." Die Geldpolitik gefährde zunehmend die Finanzmarktstabilität.

Die EZB hat den Leitzins bis auf das Rekordtief von 0,0 Prozent gesenkt, um für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen. Seit März 2015 erwerben die EZB und die nationalen Notenbanken zudem im großen Stil Staatsanleihen der Euro-Länder. Das auf 1,74 Billionen Euro angelegte Programm, das auch Firmenanleihen und Pfandbriefe umfasst, soll noch bis mindestens Ende März 2017 laufen. Viele Börsianer rechnen bald mit einer Verlängerung.

Der Aufschwung im Währungsraum sei nicht selbsttragend, da immer noch erhebliche strukturelle Probleme bestünden, hieß es in dem Experten-Gutachten weiter. Der Reformeifer sei erlahmt und einige Mitgliedstaaten ließen die notwendige Haushaltsdisziplin vermissen. Die Geldpolitik der EZB verdecke diese Probleme. "Ein Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik wird immer schwieriger."

(Reuters)

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