Jobmarkt: Nur wenige Mitarbeiter von Banken landen beim AMS

Nur 2,3 Prozent – so niedrig ist die Arbeitslosenquote im Bankbereich. Das überrascht. Denn die Branche baut massiv Stellen ab.

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Themenbild: Arbeitlosigkeit – (c) APA/DPA/JULIAN STRATENSCHULTE

Wien. Der am Mittwoch veröffentlichte Spezialbericht des Arbeitsmarktservice (AMS) ist eine Überraschung: In kaum einer Branche ist die Arbeitslosenquote so niedrig wie bei den Banken – derzeit sind es 2,3 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2015 lag die Quote bei 2,1 Prozent (siehe Grafik). Ende Oktober waren beim AMS nur 1780 frühere Mitarbeiter von Banken als arbeitslos vorgemerkt.

Die niedrige Arbeitslosenrate im Finanzwesen erscheint zunächst paradox, weil derzeit eine Bank nach der anderen einen größeren Stellenabbau plant. Allein bei der Bank Austria haben sich zuletzt mehr als 2000 Mitarbeiter zur einvernehmlichen Auflösung ihres Dienstverhältnisses gemeldet.

Laut Nationalbank-Angaben beschäftigten Österreichs Banken zuletzt rund 75.000 Mitarbeiter. Wifo-Bankenexperte Franz Hahn und Nationalbank-Chef Ewald Nowotny halten es für nicht unrealistisch, dass ein Drittel davon, also 25.000 Personen, in den nächsten vier bis fünf Jahren ihren Job verlieren wird. Tatsächlich befindet sich kaum eine andere Branche so stark im Umbruch wie der Finanzsektor. Viele Filialen werden durch Online-Banking überflüssig. Hinzu kommen das niedrige Zinsniveau und die schwache Konjunktur. Daher schrumpft der Gewinn.

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Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 haben Österreichs Banken bereits 5000 Beschäftigte abgebaut. Ein Ende ist nicht in Sicht. Doch im Gegensatz zu Nationalbank-Chef Ewald Nowotny erwartet das Arbeitsmarktservice, dass sich die Zahl der im Bereich Erbringung von Finanzdienstleistern beschäftigten Mitarbeitern bis zum Jahr 2020 nur um 6000 Personen verringern wird.

Warum liegen die Schätzungen so weit auseinander? Vermutlich dürften sowohl Nowotny als auch das Arbeitsmarktservice mit ihrer Prognose richtig liegen. Denn nicht um alle Bankmitarbeiter, die ihren Job verlieren, muss sich das Arbeitsmarktservice kümmern. Viele Beschäftigte erhalten Golden Handshakes. Dabei werden die Dienstverträge aufgelöst, wobei die Zustimmung der Mitarbeiter durch Geldzahlungen oder andere Vergünstigungen erreicht wird.

Bei der Bank Austria etwa erhalten langgediente ältere Beschäftigte bis zu vier Jahresgehälter. Diese können auf die Zeit bis zur Pension aufgeteilt werden. Jüngere Mitarbeiter erhalten eine Abfertigung. Nicht wenige finanzieren damit eine Umschulung.

 

Bankerin wird Gastronomin

Ein gelungenes Beispiel ist Andrea Vaz-König, die frühere Firmenkundenchefin der Bawag PSK-Gruppe. 2013 traf die Bank die strategische Entscheidung, sich stärker auf das Privatkundengeschäft zu fokussieren. „Mein Job war damit weg“, erzählt Vaz-König der „Presse“.

Zwar habe ihr das Institut einen anderen Job angeboten. „Doch ich wollte nicht bis zur Pension in einer Bank arbeiten“, sagte die damals 42-Jährige. Sie bekam eine Abfertigung und arbeitete als Unternehmensberaterin. Doch ihr Traum war es, ein eigenes Restaurant zu haben. Nach dem Ausstieg bei der Bawag besuchte Vaz-König ein Jahr lang verschiedene Seminare. „Diese habe ich selbst bezahlt.“ Heute betreibt sie zwei vegane Restaurants im achten Wiener Gemeindebezirk und beschäftigt zwölf bis 16 Mitarbeiter. „Ich kenne mehrere Bankmitarbeiter, die einen ähnlichen Weg gegangen sind“, sagt die Gastronomin. Sie hält die von Banken und Betriebsräten beschlossenen Sozialpläne für fair, weil die Mitarbeiter die Chance bekommen, sich beruflich neu zu orientieren.

Allein die Bank Austria lässt sich den Personalabbau 400 Millionen Euro kosten. Derzeit wird außerdem an einer betriebs- beziehungsweise sektorübergreifenden Banken-Branchenstiftung gearbeitet, um den in den nächsten Jahren bevorstehenden größeren Personalabbau sozial verträglich zu gestalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2016)

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