Proteste gegen Arbeitsbedigungen bei Lidl-Zulieferern

Die NGO "Südwind" protestiert gegen den Diskonter Lidl. Dieser in menschenunwürdigen Bedingungen produzierte Kleidung verkaufen. Lidl versichert, auf die Arbeitsbedingungen zu achten.

(c) Südwind (Markus Sepperer)

Die entwicklungspolitisch aktive NGO "Südwind" hat am heutigen "Welttag für menschenwürdige Arbeit" auf die Arbeitsbedingungen von Beschäftigten in den Zulieferbetrieben des Diskonters Lidl aufmerksam gemacht. In Wien, Linz, Graz und Innsbruck verteilen Aktivisten Postkarten mit dem Slogan "Ein Einkauf bei Lidl kann so ziemlich alles sein. Außer fair" an Passanten.

"Spiel mir das Lidl von fairen Bedingungen"

In Graz findet ab 17.30 Uhr ein Protestmarsch unter dem Motto "Spiel mir das Lidl vom Recht auf faire Arbeitsbedingungen" statt. Rund 30 Aktivisten werden - bekleidet mit T-Shirts, auf denen die Forderungen an Lidl stehen - mit dekorierten Einkaufswägen durch die Grazer Innenstadt gehen und über die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsproduktion bei Lidl und seinen Zulieferern informieren.

In Wien steht die Aktion unter dem Motto "KonsumentInnen waschen Lidl den Kopf. Für faire Arbeitsbedingungen". Als Arbeiter und Verkäufer verkleidete Aktivisten liegen am Boden, über ihnen sitzen drei Manager. Hinter ihnen stehen drei Konsumenten und waschen ihnen den Kopf.

Lidl versichert Engagement für Fairness

Lidl versicherte, dass die Anliegen der "Clean Clothes Kampagne" "sehr ernst" genommen würden. "Wir sind uns der Verantwortung bei der nachhaltigen Verbesserung von Arbeitsbedingungen bewusst und nehmen diese als global agierendes Unternehmen auch wahr - in der Lieferkette und im Umgang mit unseren Lieferanten und Produzenten", meinte der Vorsitzende der Geschäftsleitung Lidl Austria, Hanno Rieger.

Lidl lehne seit jeher jegliche Form von Kinderarbeit sowie Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen bei der Herstellung seiner Waren ab. Als "einer der ersten Diskonter" sei Lidl im Juni 2006 der Non-Profit-Organisation "Business Social Compliance Initiative" (BSCI) beigetreten. Ziel dieser Organisation mit Sitz in Brüssel sei die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der weltweiten Produktions- und Lieferkette, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Lidl habe einen "Code of Conduct", einen eigenen Verhaltenskodex für Lieferantenbeziehungen, entwickelt, zu dessen Einhaltung sich alle Lidl Lieferanten verpflichten.

Ein Drittel der BSCI-Kontrollen durch Lidl

Konkret erfolgte über ein Drittel durch die BSCI durchgeführten Betriebsprüfungen im Auftrag von Lidl. Des Weiteren wurden 70 Prozent aller BSCI-Nachkontrollen von Lidl beauftragt. So fanden beispielsweise in den vergangenen beiden Jahren 7.000 durch Lidl beauftragte Betriebsüberprüfungen statt. Zusätzlich werden in 28.000 Vor-Ort-Kontrollen Betriebe auf Verstöße gegen Kinder- und Zwangsarbeit überprüft.

Lidl hat auch gemeinsam mit der "Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit" (GTZ) ein Schulungsprogramm in China und Bangladesch in Höhe von 1,3 Mio. Euro für Arbeitnehmer und -geber ins Leben gerufen. 2008 wurden mittels dieser Initiative 34 Lieferanten geschult und über sozialverträgliche Arbeitsbedingungen, Mindeststandards und Lösungsansätze zur Behebung von Defiziten aufgeklärt. 2009 sind es bereits 73 Produzenten, die am Schulungsprogramm und damit am Dialog zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern teilgenommen haben. Zudem bietet Lidl in Kooperation mit der GTZ seit Jänner 2009 einen wöchentlichen kostenlosen Arztdienst für mehr als 10.000 Arbeitnehmer in Bangladesch an.

Südwind: BSCI nicht unabhängig

Die BSCI-Mitgliedschaft von Lidl ist laut Südwind eine reine Unternehmensinitiative. "Nur unabhängige Kontrollen in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und NGOs in den Produktionsländern stellen wirklich faire Arbeitsbedingungen sicher", so die Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne, Michaela Königshofer.

 

(Ag./Red)

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