Der Handelsverband will neue Mitglieder gewinnen

Die Interessenvertretung richtet sich neu aus und öffnet Kleinunternehmern den Zugang zu ihrem Wissen.

Symbolbild.
Symbolbild.
Symbolbild. – (c) Clemens Fabry

Wien. Rainer Will, der Chef des österreichischen Handelsverbands, hat zwei Wünsche für sich definiert. Erstens: Der Wirtschaftsstandort Österreich muss wettbewerbsfähiger werden. Zweitens: Die Mitgliederzahl des Handelsverbands soll wachsen. Gut, dass sich die beiden Wünsche trefflich miteinander vereinbaren lassen.

Wettbewerbsfähig ist heute im Handel der, der dem Konkurrenzdruck von Onlinegrößen wie Amazon und Zalando standhalten kann. Die meisten der rund 78.000 österreichischen Händler sind aber Klein- und Mittelbetriebe, die sich oft weder das juristische noch das fachliche Know-how leisten können, um ihre eigene Website konkurrenzfähig und rechtssicher zu gestalten.

Den steirischen Schuhhändler mit einer einzigen Filiale will Will mit seiner neuen Online-Mitgliedschaft genauso ansprechen wie die burgenländische Bloggerin mit angeschlossenem Webshop. Ihnen soll eine Mischung aus Rechtsexpertise, Brancheninformationen, Studien und Vorträgen geboten werden. „100 neue Mitglieder“ erwartet sich der Handelsverband-Chef von dieser „Öffnung nach unten“ im ersten Jahr.

 

Fokus weg von den Großen

Der Schritt stellt eine deutliche Neuausrichtung in der Geschichte der knapp hundertjährigen freiwilligen Interessenvertretung dar.

Heute zählt der Handelsverband etwas mehr als hundert Mitglieder – jedoch haben diese wenig mit der kleinstrukturierten KMU–Landschaft Österreichs zu tun. Mit ihren 200.000 Mitarbeitern und 10.000 Standorten erwirtschaften sie 30 Mrd. Euro jährlich. Das ist rund die Hälfte des österreichischen Handelsumsatzes. Der letzte Neuzugang war der Spar-Konzern.

Bei der Aktion gehe es ihm nicht um das Geschäft mit den zusätzlichen Mitgliederbeiträgen, betont Rainer Will. „Wir wollen uns öffnen, das ist das Gebot der Stunde.“ (loan)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2016)

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