Alitalia: Fliegendes Fass ohne Boden

Die italienische Fluglinie steht wieder einmal vor dem Bankrott. Für den Neustart sucht Großaktionär Etihad angeblich einen neuen Chef. Das wird nicht reichen.

(c) REUTERS (Max Rossi)

Papst Franziskus wird möglicherweise doch auf einen Privatjet umsteigen müssen. Denn die Alitalia, die die Päpste seit 40 Jahren für ihre Auslandsreisen nützen, steht – wieder einmal – vor dem Aus. Und wieder einmal wird gegen besseres (ökonomisches) Wissen Geld in die Fluglinie gepumpt, die heuer bei einer Mrd. Euro Schulden rund 400 Mio. Euro Verlust einfliegen wird.

150 Mio. Euro lassen die Banken UniCredit und Intesa Sanpaolo, die in einem Konsortium aus 16 Investoren 2008 den Neustart der damals staatlichen Fluglinie ermöglichten, jetzt springen. So soll der Fortbestand der angeschlagenen Gesellschaft über die nächsten Monate gesichert werden. Die Banken, selbst in Schieflage, tun dies nicht freiwillig, sondern auf Druck des Staates, der das Nationalsymbol erhalten will.

Das ist auch der Grund, warum es die 1947 gegründete Alitalia noch immer gibt. Acht Mrd. Euro hat der Staat seit 1974 in die Fluglinie gebuttert, die weniger durch exzellentes Service und Pünktlichkeit, denn durch Missmanagement, Korruption und Streiks der von neun Gewerkschaften vertretenen Beschäftigten auffiel.

Die Gewerkschaften waren es auch, die die Privatisierung vor acht Jahren fast verhinderten, ging es bei dem Sanierungsplan doch ans Eingemachte: Die Belegschaft wurde auf 12.000 Mitarbeiter nahezu halbiert. Erst die Zusage einer Abfindung von vier Mrd. Euro stimmte die Gewerkschaften um.

 

Etihad plant Rückzug

Jetzt dürften Köpfe rollen: Der erst seit März amtierende Airline-Chef, der Australier Cramer Ball, soll ebenso seinen Hut nehmen wie Verwaltungsratschef James Hogan, berichtet „Il Messaggero“. Alitalia dementiert. Hogan steht aber auch als Präsident von Etihad auf der Abschussliste. Die Fluglinie aus Abu Dhabi ist 2014 mit 49 Prozent bei der Alitalia eingestiegen. Das Geld war ebenso schlecht angelegt wie jenes bei Air Berlin. Weshalb die Scheichs nun einen weitgehenden Rückzug aus Europa erwägen, wobei die Beteiligungen der Lufthansa angedient werden könnten.

Ob ein neuer Alitalia-Chef – die Banken pochen auf einen Italiener mit guten Beziehungen zur Bankenwelt – das Steuer herumreißen kann? Er soll in den nächsten zwei Monaten mit Gewerkschaften und Lieferanten verhandeln.

Nur so lange reicht die neue Geldspritze, denn die Alitalia macht 500.000 Euro Verlust – täglich. Die Unterstützung der Gewerkschaften ist bei der Umsetzung des Sanierungsplans essenziell. Weil es aber erneut um einen Personalabbau und die Verkleinerung der Flotte geht, ist der Widerstand programmiert.

Ein neuer Boss reicht aber nicht. Solange Regierungschefs die Airline als Privateigentum betrachten (wie es Silvio Berlusconi vorführte) und die Gewerkschaften jede Änderung blockieren, wird sich nichts ändern. Derzeit hat Italien aber nicht einmal eine funktionierende Regierung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2016)

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