Scharfer Rückkauf: Kotányi wieder in Familienhand

Die Salinen geben ihren 25-Prozent-Anteil an die Familie zurück, in den Jahren darauf ist es immer wieder zu Streitereien um die Anteile gekommen. Kotányi bleibt auf Expansionskurs.

(c) Michaela Bruckberger

Wien (cim). Die Würze im Gulasch oder der Zimtduft der Weihnachtskekse sind nun wieder in einer Hand: Kotányi, der unangefochtene Marktführer bei Gewürzen und Kräutern, ist wieder ein reiner Familienbetrieb. Mit Ende Oktober hat die Familie die Salinen AG ausgekauft. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Salinen haben den 25-Prozent-Anteil seit 1989 gehalten. Damals hatten die Salinen die Gewürzfirma Mickstötter von Mautner Markhof „um einen zweistelligen Millionenbetrag“ gekauft und sich an Kotányi mitbeteiligt.

In den Jahren darauf ist es immer wieder zu Streitereien um die Anteile gekommen. Als die Salinen den Anteil vor einigen Jahren verkaufen wollten, wurde man sich beim Preis nicht einig. Später wollten die Salinen ihren Anteil aufstocken, das wusste Kotányi zu verhindern. Nun sagt man, es sei „vernünftig für beide Seiten“, dass Kotányi wieder in Familienhand ist.

„Es ist in unserem Interesse, Entscheidungen schnell und ohne Einfluss durch Investoren oder gar strategische Beteiligungen fällen zu können“, sagt Erwin Kotányi, der das Unternehmen seit 1981 in vierter Generation führt. Von den Salinen heißt es nun, die erwünschten Synergien hätten sich „nicht realisiert“, daher habe man sich zum Verkauf entschieden.

 

Kotányi würzt den Osten

Kotányi bezahle den Rückkauf „aus dem Unternehmen“. Den Wachstumskurs soll die Übernahme des Anteils aber nicht behindern. Vor allem in Russland, Rumänien, Bulgarien und neuerdings auch in der Türkei sehe man bei Kotányi Chancen zur Expansion. Schon jetzt macht der Betrieb mit Sitz im niederösterreichischen Wolkersdorf fast 60Prozent seines Umsatzes im Ausland. In 20 Ländern ist Kotányi – nach eigenem Bekunden – mindestens die Nummer zwei der Branche. Die primäre Marschrichtung bei der Expansion heißt (mit Ausnahme von Deutschland) Süd- und Osteuropa – ganz den Wurzeln des Imperiums aus Kräutern und Gewürzen entsprechend.

Schließlich hat János Kotányi 1880 in seiner ungarischen Heimatstadt Szeged begonnen, Paprika zu mahlen und Gewürze zu verkaufen. Ein Jahr später wurde in Wien das Handelshaus Kotányi gegründet, Kotányi wurde zum k.u.k.-Hoflieferanten.

Heute kommt Kotányi in Österreich auf einen Marktanteil von etwa 80Prozent. Auch, wenn nicht überall der Markenname draufsteht, wo Kotányi drin ist. Jedes Jahr verarbeitet Kotányi 9000 Tonnen Kräuter und Gewürze zu gebrauchsfertigen Produkten in hunderten Sorten. Zu 90Prozent werden diese von Niederösterreich aus vertrieben. Damit erwirtschaftet Kotányi mit etwa 500 Mitarbeitern einen Umsatz von 122 Mio. Euro (2008), heuer sollen es um fünf Prozent mehr sein.

 

Krisenfestes Gewürzimperium

Die Krise macht dem Gewürzfabrikanten kaum zu schaffen. Kräuter und Gewürze seien keine sehr sensiblen Produkte, heißt es. Allerdings hat Kotányi noch im Frühjahr mit einem Umsatzplus von zehn Prozent gerechnet. Probleme bereiten derzeit vor allem die Währungsschwankungen in Osteuropa sowie gesalzene Einkaufspreise. Durch schlechte Ernten sind die Preise für Safran, Majoran oder Basilikum massiv angestiegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2009)

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