Beppo Mauhart: Tod eines politischen Machers

Beppo Mauhart war der Inbegriff des politischen Managers. Ob als Androsch-Sekretär, als Chef der Austria Tabak oder als Präsident des Fußballbundes: Drei Jahrzehnte hat er dieses Land entscheidend mitgeprägt.

FUSSBALL - Verleihung Goldenes Ehrenzeichen fuer Heinz Palme
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Beppo Mauhart, 1933–2017. – (c) GEPA pictures/ Marie Rambauske

Wien. Manchmal, aber eher selten, hat sich Beppo Mauhart geirrt. „Es werden in Zukunft nicht nur die Molligen wieder gern gesehen werden, es wird auch das Nikotin etwas aus der Schusslinie kommen“, meinte er etwa. Da hat er die Zeichen der Zeit wohl ordentlich verkannt. Doch meist lag er richtig, ob als Sekretär im Finanzministerium und engster Mitarbeiter Hannes Androschs, weniger oft als Austria-Tabak-Chef, wohl aber als Präsident des Österreichischen Fußballbunds ÖFB – jener Job, mit dem man ihn am meisten assoziiert. Am Sonntag ist Beppo Mauhart 83-jährig gestorben. Dreißig Jahre lang war er einer der politischen und wirtschaftlichen Macher in diesem Land.

Wie eng verwoben Wirtschaft und Politik sind, hat er schon in jungen Jahren verstanden. Der gebürtige Oberösterreicher begann nach seinem Studium als Journalist, wurde Chefredakteur der Zeitung des Freien Wirtschaftsverbands. Vom Sprachrohr des SPÖ-Wirtschaftsflügels avancierte er 1970 zum Sprachrohr von Hannes Androsch. Für ihn war er als Pressesprecher und Redenschreiber tätig, aus Mauharts Feder stammten Androschs Budgetreden. In Androschs Vorzimmer saß neben Mauhart ein zweiter aufstrebender Sozialist: Franz Vranitzky. Während nach der Ära Kreisky Vranitzky relativ rasch als Finanzminister und späterer Kanzler die politische Karriereleiter emporkletterte, ging Mauhart seinen Weg in die staatliche Wirtschaft.

1972 zog er in den Austria-Tabak-Aufsichtsrat ein, 1977 wurde er im Vorstand operativ tätig. Schon damals nutzte er die wirtschaftliche Macht für seine weiteren Karriereziele. Als Hauptsponsor der Wiener Austria, die damals Austria Memphis hieß, bekam er mehr und mehr Einfluss im österreichischen Fußball. 1984 wurde er schließlich Präsident des österreichischen Fußballbundes. An große Erfolge wie bei den Weltmeisterschaften 1978 und 1982 konnten die Kicker in der Ära Mauhart nicht mehr anknüpfen, aber immerhin nahm das Team 1990 und 1998 ebenfalls an einer WM-Endrunde teil. Heute würde man statt „immerhin“ wohl „sensationellerweise“ sagen.

Beppo Mauhart, das Wirtshauskind aus Oberösterreich, war der geborene Manager und Macher. Er fragte nicht, sondern tat. Er war es auch, der bereits in den 1990er-Jahren die Idee hatte, eine Fußballeuropameisterschaft ins Land zu holen. Gemeinsam mit Ungarn bewarb man sich für die EM 2004, es wurde ein Flop. 2008 ging Mauharts Konzept allerdings auf, gemeinsam mit der Schweiz war Österreich Austragungsort. Da war Mauhart allerdings nur noch Ehrengast auf der Tribüne.

 

Milliardendesaster bei Austria Tabak

1988 wurde Mauhart Vorstandschef der Austria Tabak, er blieb es bis 1995 – und es war keine Zeit des Ruhmes. Unter Mauhart stieg die Austria Tabak beim Sportartikelhersteller Head Tyrolia Mares HTM ein. Es wurde ein Milliardendebakel – wohlgemerkt ein Milliarden-Schilling-Debakel, aber am Ende musste Mauhart seinen Posten räumen und die HTM verscherbeln. Das Abenteuer brannte ein tiefes Loch von 3,6 Milliarden Schilling in die Bilanz der Austria Tabak. Das Unternehmen war derart belastet, dass es unter dem SPÖ-Finanzminister Rudolf Edlinger privatisiert wurde.

Als Freund der Künste, politischer Einfädler und Einsager und vor allem als ÖFB-Präsident blieb Mauhart in der Öffentlichkeit präsent. Sein Ende beim ÖFB aber war noch einmal ganz nach seinem Geschmack. 2002 war es, in Österreich regierte Schwarz-Blau, und die Tage der roten ÖFB-Präsidenten waren gezählt.

Mauhart sollte seinen Posten räumen und Platz für einen gewissen Frank Stronach machen. Die Kicker der Wiener Austria trugen längst das Magna-Logo auf den Trikots, und der Selfmademan Stronach hatte einflussreiche Unterstützer in der Politik und im Fußballverband. Mauhart konnte zwar seine Ablöse nicht verhindern, aber er vereitelte einen Fußballpräsidenten Stronach. Manch Fußballer meint, dies sei Mauharts größtes Verdienst für Österreichs Fußball gewesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2017)

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