Teures Wohnen in Wien: Berlin und Rom sind billiger

Gemessen am Monatslohn ist Wohnen in Wien teuer. Nur in den neuen EU-Ländern und in Paris ist Wohnen ein größerer Luxus.

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Wien. Im vergangenen Jahr sind in Wien die Immobilienpreise in einigen Bezirken um zehn Prozent gestiegen. Vor allem in den Außenbezirken, etwa in Liesing und Meidling, zogen die Preise deutlich an. Die Stadt wächst jährlich um 30.000 Einwohner, bräuchte jedes Jahr um 15.000 Wohnungen mehr, doch der Wohnbau kann wegen klammer Staatskassen und schwindender Flächen mit der Nachfrage nicht mithalten. Wie dramatisch die Preise selbst in den Außenbezirken gestiegen sind, veranschaulicht der Stadtteil Essling.

Im 22. Bezirk an der Grenze zum Marchfeld kostete 1990 ein Quadratmeter 27 Schilling, also nicht einmal zwei Euro. Heute zahlt man dafür 450 Euro, berichtete jüngst die „Zeit“. Am Dienstag wurde nun der Remax Europe Housing Report 2017 veröffentlicht. Demzufolge kann sich ein Wiener für seinen durchschnittlichen Monatslohn gerade einmal 0,58 Quadratmeter Wohnraum leisten.

 

Bratislava ist am teuersten

Die Immobilienexperten haben sich 18 europäische Städte angesehen und die Wohnpreise mit dem dortigen Durchschnittseinkommen verglichen. Das Ergebnis: In Prag und Bratislava können sich die Einwohner von ihrem durchschnittlichen Monatsgehalt mit 0,37 bzw. 0,36 Quadratmetern am wenigsten Wohnraum leisten. Damit ist Wohnen in den beiden osteuropäischen Städten – gemessen am Einkommen – teurer als etwa in Paris (0,40 Quadratmeter).

Als Datenbasis für die Untersuchung dienten die von Remax Europe gesammelten Quadratmeterpreise für Wohnungen in den jeweiligen Hauptstädten und die von der EU (Eurostat) veröffentlichten durchschnittlichen nationalen Monatseinkommen.

Preisunterschiede bestehen naturgemäß auch zwischen Immobilien am Land und in den jeweiligen Hauptstädten – im europäischen Schnitt kostet ein Quadratmeter Wohnung in der Hauptstadt um 64 Prozent mehr als außerhalb. Es gibt aber Ausreißer nach oben: In Prag kostet eine urbane Wohnung das 2,8-Fache und in Paris das 2,7-Fache. In Österreich ist es den Angaben zufolge etwa nur das 1,2-Fache – ebenso in der Schweiz und in Portugal.

„Die Lage ist der entscheidende Preisfaktor, und im Zentrum ist es am teuersten“, sagt Remax-Europa-Geschäftsführer Michael Polzler. „Während sich in Ländern wie Deutschland die Agglomerationsgebiete weiter ausdehnen, ziehen Jugendliche in Italien bevorzugt in die Innenstädte, um die Wegzeiten zu reduzieren.“

Angesichts der niedrigen Zinsen in nahezu allen europäischen Ländern und damit günstigen Krediten erwartet der Immobilienmakler Remax auch in den kommenden Monaten eine hohe Nachfrage und steigende Immobilienpreise – vor allem in den Städten. 2016 verteuerten sich Wohnungen und Häuser in Europa um bis zu 13 Prozent – etwa in den Städten Deutschlands, Litauens und Luxemburgs. Doch auch am Land wurde Wohnraum teurer. Für Österreich und Estland rechnet Remax heuer mit einem weiteren Anstieg der ländlichen Häuserpreise von rund vier Prozent. Unverändert bleiben sollen die Preise dafür in Frankreich, Griechenland und der Schweiz.

 

Auch die Mieten steigen

Nicht zuletzt aufgrund der höheren Kaufpreise sollen nach Einschätzung von Remax daher auch die Mieten in den meisten Ländern weiter ansteigen. Schon 2016 gab es hier für städtische Wohnungen in den Niederlanden, Rumänien und Spanien eine Verteuerung um zehn Prozent.

Der Beitrag der Immobilienwirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt liegt in Österreich laut Remax-Berechnungen bei neun Prozent und damit im Durchschnitt der 18 untersuchten europäischen Länder. (red./APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2017)

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