Jetzt geht es um den Kopf von Volkswagen

Die Abgasaffäre lässt Europas größten Autobauer nicht los. Gegen VW-Chef Müller und österreichischen Chefaufseher Pötsch ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart.

Was wusst er wann über die  Dieselaffäre? Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen VW-Chef Matthias Müller.
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Was wusst er wann über die  Dieselaffäre? Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen VW-Chef Matthias Müller.
Was wusst er wann über die Dieselaffäre? Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen VW-Chef Matthias Müller. – (c) REUTERS (FABRIZIO BENSCH)

Stuttgart/Berlin. Es sind gute Wochen für Europas größten Autobauer und dessen Anleger. Eigentlich. Am Montag zum Beispiel macht der börsennotierte VW-Großaktionär Porsche SE bekannt, dass sich sein Gewinn im ersten Quartal auf eine knappe Milliarde Euro verdoppelt hat. Denn das Sorgenkind der Porsche SE, also VW, liefert wieder. Es gibt Schlagzeilen à la „Autohersteller im Aufwind“. Doch diese eine Affäre, die mit dem Diesel, lässt sie nicht los, sie frisst sich nun sogar in die Chefetage vor: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen des Verdachts der Marktmanipulation bei Porsche SE gegen den heutigen VW-Aufsichtsratsvorsitzenden und Österreicher Hans-Dieter Pötsch (66), den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn und seinen amtierenden Nachfolger Matthias Müller. Ausgerechnet Müller. Der 63-Jährige war im Herbst 2015 bestellt worden, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Wortreich gelobte er Transparenz in der Abgas-Affäre.

 

Die vielen juristischen Nachspiele

Im Kern geht es in diesen Tagen um die Frage, ob VW und dessen Großaktionär Porsche SE Anleger rechtzeitig über das drohende Unheil für ihre Aktien durch die Manipulation von Dieselfahrzeugen informiert hat. Zahlreiche Aktionäre sehen das nicht so. Sie klagen auf Schadenersatz oder wollen das tun. Und nun hat auch erstmals die Staatsanwaltschaft in Stuttgart Ermittlungen bestätigt, die hinter den Kulissen bereits seit Februar laufen. Angestoßen hatte sie eine Anzeige durch Behörde BaFin im Sommer 2016. Im Visier sind dabei die beiden Porsche-SE-Vorstände Müller und der Oberösterreicher Pötsch sowie drittens Ex-VW-Chef Winterkorn, der im fraglichen Zeitraum an der Spitze des Porsche-SE-Vorstands saß. Das Trio soll, so der Anfangsverdacht, den Anlegern die drohenden Konsequenzen aus der Abgasaffäre „bewusst verspätet mitgeteilt“ haben. Es wäre ein Verstoß gegen die unverzügliche Veröffentlichungspflicht, falls Informationen vorliegen, die beispielsweise zu einem Kurseinbruch führen können. Der Strafrahmen für eine solche Marktmanipulation reicht von einer (hohen) Geldbuße bis zu fünf Jahren Haft. Für Winterkorn und Pötsch ist es bereits das zweite solche Verfahren: Auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen die beiden in ihrer Rolle als damalige VW-Vorstände.

Die neuen Vorwürfe nannte die Porsche SE gestern unbegründet. Man habe die Publizitätspflicht ordnungsgemäß erfüllt, hieß es aus dem Konzern, in dem die Porsches und Piëchs ihre VW-Anteile gebündelt haben.

Die juristischen Nachspiele überschatten die Bilanz von VW. Und von Müller. Als er 2015 VW-Chef wurde, gab es wohlwollende Porträts für den in Bayern aufgewachsenen DDR-Flüchtling, der sich sich zuvor an die Spitze von Porsche hochgearbeitet hatte. Aber ein „Restrisiko“ bleibe, kommentierte die NZZ damals: „Es wäre verheerend, wenn im Nachhinein bekannt würde, dass Müller nicht ganz frei von Wissen über die Betrügereien war.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2017)

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