Führende Notenbanker wollen Bezahlen ohne Bargeld beschleunigen

Die Verbraucher sollen in Echtzeit zahlen können. Europa dürfe nicht hinter der Entwicklung bei den digitalen Bezahlsystemen zurückbleiben, warnen Notenbanker.

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Bezahlen mit dem Smartphone – (c) imago/Westend61 (imago stock&people)

Wird das Bezahlen mit Bargeld immer weiter zurückgedrängt? Führende Notenbanker haben davor gewarnt, dass Europa bei der Einführung neuer digitaler Bezahlsysteme ins Hintertreffen gerät. "Die Branche muss Lösungen liefern, die der Innovation den Rücken stärken, auch mit Blick auf den weltweiten Wettbewerb", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch bei einem Symposium der Bundesbank in Frankfurt mit Blick auf bargeldlose Zahlungsverfahren in Echtzeit (Instant Payment). Europa verfüge über die nötige Innovationskraft. "Dabei sollten wir alles daran setzen, nicht hinter der Entwicklung zurückzubleiben".

Bezahlen in Echtzeit, zum Beispiel per Smartphone an der Ladenkasse, dürfte für die kommende Generation das Zahlungsmittel erster Wahl sein, sagte Mersch voraus. "Wir müssen also dafür sorgen, dass die Verbraucher in Europa in Echtzeit und mit einer sicheren sowie soliden Marktinfrastruktur ohne grenzüberschreitende Einschränkungen zahlen können - so wie es beim Bargeld bereits möglich ist".

"Mehr Offenheit"

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zufolge wächst das Interesse der Finanzhäuser an Instant Payment inzwischen. "Nach anfänglich zögerlicher Reaktion hat auch die Diskussion über die Herausforderungen durch Fintechs dafür gesorgt, dass die Banken und Sparkassen bei diesem Thema nun mehr Offenheit zeigen", sagte Weidmann. Es gelte auch, verlorenes Terrain etwa bei Online-Bezahlungen zurückzugewinnen.

Zugleich forderte der Bundesbank-Präsident nach der jüngsten weltweiten Cyberattacke die Finanzbranche zu erhöhter Wachsamkeit auf. "Banken, aber auch Zahlungsverkehrs- und Wertpapierabwickler, müssen ihre IT- und Cyberrisiken mindestens mit der gleichen Sorgfalt steuern wie ihre traditionellen Bankrisiken." Auch die Deutsche Bundesbank wurde Weidmann zufolge schon mehrfach angegriffen, konnte die Attacken aber erfolgreich abwehren.

Österreichs Nationalbank-Chef Ewald Nowotny lehnte vor Kurzem im "Presse"-Interview die Einschränkung von Bargeld ab. Schon im Statut der EZB und der OeNB stehe, dass wir auch die Aufgabe haben, die Versorgung mit Bargeld sicher zu stellen. Das sei ein Kernbereich unserer Tätigkeit so Nowotny. Und Notenbanker Kurt Pribil legte nach: „Die Nationalbank bekennt sich uneingeschränkt zur Verwendung von Bargeld“.

Geringere Kosten für den Handel erwartet

Der Handel verspreche sich geringere Kosten im Vergleich mit heutigen Kartenzahlungen. Beliebtestes Zahlungsmittel der Verbraucher in Deutschland ist an der Ladenkasse allerdings nach wie vor Bargeld. "Zwar nimmt der Anteil elektronischer Zahlungsverfahren hierzulande zu. Dieser Wandel vollzieht sich aber nur vergleichsweise langsam", sagte Weidmann. In Dänemark sei dagegen auf neun von zehn Smartphones bereits eine Instant Payment App installiert. Dort könne inzwischen auch auf dem Wochenmarkt mobil und in Echtzeit bezahlt werden.

Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele forderte, die Digitalisierung des Zahlungsverkehrsmarktes in Europa müsse vorangebracht werden, um "nicht gegenüber anderen Regionen ins "Hintertreffen" zu geraten oder im digitalen Zeitalter von einer Lokomotive mit Zugkraft zu einem Anhänger zu werden." Internet-Giganten wie Google, Apple oder Facebook könnten als mächtige Wettbewerber auftreten und den Markt für Zahlungsdienste erheblich verändern.

Auch ein vielbeachtetes Arbeitspapier des internationale Währungsfonds, über „The Macroeconomics of De-Cashing“ (also die Makroökonomie der Bargeldabschaffung) enthält ganz konkrete Handlungsanweisungen für Regierungen zur Bargeldabschaffung.

(APA/dpa)

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